Beilage zu Str. 122 der Neuen Hessischen Zeitung.
Köln, 19. Septbr. Die Volksversammlung bei Woringen, vorgestern aus einer Wiese am Rheine abgehalten , zählte, der „Neuen Rhein Ztg." zufolge, mindestens 6—8000 Menschen, meist Mitglieder der Arbeitervereine in Köln, Düsseldorf, Neuß, Crefeld rc. Auf Anfrage des Vorsitzenden erklärte sich die Versammlung mit allen gegen eine Stimme für die Republik, und zwar für die demokratisch-sociale, für die rothe Republik. Auch wurde der in Köln in öffentlicher Volksversammlung erwählte Sicherheitsausschuß anerkannt und aus Antrag eines Mitgliedes der Versammlung demselben ein dreimaliges Hoch gebracht.
Köln. In Folge der blutigen Ereignisse vom 18. Sept, in Frankfurt a. M. wurde am 20. d. M. in Köln eine sogenannte Volksversammlung gehalten, in welcher den Mördern Auerswalds und Lichnowskys ein Hoch, und dem die gesetzliche Ordnung wiederherstellenden Militär ein Percat gebracht wurde. Der Hauptredner war ein jüdischer Literat, Namens Wolff. (F. O.P.A.Ztg.)
Reuß ische Staaten. Schleiz, 19. Septbr. Durch Verordnung vom 9. Sept, ist der konstituirende Landtag für die Fürstenthümer Reuß j. L. aus den 2. Oktober nach Gera berufen worden. Die Verordnung ist vom Fürsten Heinrich LXII zugleich im Auftrage des Fürsten Heinrich LXXIL von Ebersdorf unterzeichnet, welcher seine Negierungsrechte an Erstern als seinen verfassungsmäßigen Nachfolger abzutreten gedenkt, wodurch die Fürstenthümer Schleiz, Lobeustein, Ebersdorf, Gera und Saalburg unter Eine Administration kommen werben.
In Greiz wird nächstens ebenfalls ein konstituirender 'Landtag eröffnet werden. — Am 24. Septbr. wird Julius Fröbel in einer Volksversammlung auf dem hiesigen Markte öffentlich auftreten. Hier und da bilden sich in den Füistenthümern konstitutionelle Vereine.
* H a n n o v e r. Die Flügel-Adjutanten des Königs fliegen nach allen Seiten in die respectiven Haupt- und Residenz-Städte, um sich zu erkundigen, ob etwa Unruhen ausgebrochen seien und ob sie etwa gefährlich seien? Flügeladjutant v. Slicher war zu diesem Ende am 24. in Kassel, Flügeladjutant Graf Platen war zu demselben Zwecke in Berlin. „Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen." 88 3 ie gcn h a i n , 26. Sept. Die in der Beilage zu Nr. 119 der Neuen Hess. Ztg. erwähnten Vorgänge haben die Suspendirung des Hauptmanns Luckhard und Ober- lieutenants Adam Bösser jun. von der hiesigen Bürgergarde zur Folge gehabt. Als gestern den Beteiligten der des- halbige Beschluß durch das Kreisamt bekannt gemacht wurde, versammelten sie in einer Schenke eine Anzahl Leute, durchzogen mit dem Gesang „Ein freies Leben führen wir rc." die Straßen, lärmten vor den Wohnungen verschiedener Einwohner und machten sogar Miene, einem Bürger die Fenster einzuwerfen, was indessen, da derselbe ernste Abwehr in Aussicht stellte, unterblieb. Möge dem Unfug bald ein Ende gemacht werden.
Italien.
Die Nachrichten aus Piemont reden von den fortgesetzten Krieges-Rüstungen Karl Alberts. (Die jüngere National
garde — 35,000 Mann — wird mobilisirt.) Indeß ist der Waffenstillstand bekanntlich verlängert worden. —■ In Mailand ist durch die eiserne Strenge Radetzky's, welcher Jeden, der Waffen trägt, ohne Nachsicht erschießen läßt, und jede den Soldaten zugefügte Insulte auf das Härteste bestraft, die Ruhe vollständig eingekehrt. Die Schweizer aus dem Kanton Tessin, welche in der Lombardei sich aufhielten, sind in Folge der groben Antwort Tessins auf die begründeten Reklamationen Radetzky's angewiesen worden, die Lombardei binnen 24 Stunden zu verlassen. Dieser Schlag trifft allein in Mailand einige hundert Gewerbsleute. Auch das Verbot der Getraide-Ausfuhr nach der Schweiz und nach Piemont wird einige Kantons hart treffen.
Turin, 14. Sept. Ohne Klang und Sang ist der König wieder in seine Residenz eingezogen. In einer Proclamation an die Bürgerwehr dankt Karl Albert, daß sie ihre Aufgabe, für die Ruhe der Hauptstadt und die Sicherstellung seiner Familie während seiner Abwesenheit zu wachen, treu erfüllt habe. Er versichert, daß er sein ganzes Leben der Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes geweiht habe. Vom Krieg spricht die Proclamation mit keiner Silbe.
** Es liegt uns das Schreiben eines Deutschen Handelshauses in Messina vor, worin die entsetzlichen Nachrichten über den Untergang dieser noch vor Kurzem anmu- thig blühenden Stadt bestätigt werden. Die Stadt ist zum großen Theil in rauchende Trümmer gelegt. Die neapolitanischen Soldaten haben kannibalisch gewüthet, alle Einwohner waren entflohen und erst als zwei Schweizer-Regimenter einrückten, thaten diese dem Plündern Einhalt und brachten durch ihre musterhafte Haltung schon in wenigen Tagen solches Vertrauen hervor, daß die geflüchteten Einwohner meist zurückkehrten.
Zwischen der sicilischen und der neapolitanischen Regierung ist es durch englische und französische Vermittlung dem Vernehmen nach zu einem Waffenstillstand gekommen und man hofft auf ein gütliches Verständniß.
In Turin lief das Gerücht um, Karl Albert habe zu Gunsten seines ältesten Sohnes abgetanst und stehe im Begriffe, in die Schweiz abzureisen, wo er seine Wohnung am Genfer See nehmen wolle. Doch kann diese Reise noch einen andern sehr nahe liegenden Grund haben, nämlich eine Conferenz mit General Oudinot, der in Chambery sein Hauptquartier hat. Der National Savoisien versickert sogar, Karl Albert sei bereits in Chambery eingetroffen.
Frankreich.
* In Paris — diesem französischen Babel — sind, wie die Wahlen gezeigt haben, außer den Bonapartisten auch die Rothen und die Monarchisten oben auf. In den Provinzen überwiegen die letzteren bedeutend, wie mehre neuerliche Wahlen zeigen, von welchen die des Grafen Mols in Bordeaur am bemerkenswertesten ist; — nirgends aber können sich die reinen Republikaner halten. Während der Credit der Regierung täglich im Sinken begriffen ist, dau-