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plikation, endlich Beschleunigung der Verordnung wegen Vereidigung des Militairs auf die Verfassung. Der Kriegsminister Latour erklärte die vollkommene Berechtigung des Generalkommandos in Prag, die Unteroffiziere wegen Theilnahme an der Versammlung mit Umgehung des Dienstweges zur Verwortung zu ziehen, bemerkte, daß 130 Nichtadlige in den letzten drei Monaten und 17 nicht adlige Feldwebel in seinem eigenen Regimente avancirt seien, und lehnte jede Erklärung hinsichtlich der speciellen Fälle ab, da jedenfalls die Angeschuldigten zuvor mit ihrer Vertheidigung zu hören seien. Weiter bestritt er, daß die Armee, welche ehrenvolle Auszeichnung, kein Mißtrauen verdiene, irgendwie konstitutionelle Grundsätze verläugnet habe, und erklärte in bitter gereiztem Tone und unter unzweideutigem Mißfallen der Kammer auf die Erinnerung Riegers an den Beschluß der preußischen Nationalversammlung wegen Erlaß des bekannten Armeebefehls, daß ein solcher Erlaß nur von ihm ausgehen könne und daß nur er dafür mit seiner Verantwortlichkeit angezogen werden könne. Rieger erklärte demnächst, und die gesummte (?) Kammer vereinigte sich zu beifälliger Aeußerung, daß er jenen Erlaß (also conform mir dem Beschlusse der preußischen Kammer) zum Gegenstände eines besonderen Antrags machen werde. Auf die Frage wegen angeblicher Aufhebung der Jnsbrucker Universität erklärte v. Doblhoff, daß dem Ministerium die Absicht solcher Aufhebung durchaus fremd sei. — Bemerkenswert!) ist, daß in dem ersten kaiserlichen Manifest der Vereinbarung mit der Krone der Kaiser sich „constitutio- neller Kaiser" nennt und das „von Gottes Gnaden" hinwegläßt.
Wien. Jellachich rückt gegen Stuhlweissenburg. Die Aufregung in Pesth gränzt an Wahnsinn. Volksredner haranguiren die Menge; ein stürmischer Beschluß treibt in der Kammer den andern; deutsche und magyarische Plakate bedecken die Straßenecken.
* Aus Steiermark gehen uns briefliche Nachrichten zu, welche die in den Zeitungen berichteten Anstrengungen der Oesterreichischen Regierung zu Gunsten Jellachichs durckaus bestätigen. So sind in einer Woche 80,000 Centner Pulver und 91 Kanonen über Marburg, Pettau rc. nach Warasdin befördert worden. Bei Pettau, einem Haupt-Ue- bergang über die Drau, soll ein österreichisches Observa- tionskorps gesammelt werden und man glaubt dort allgemein, Steiermark werde der Schauplatz eines blutigen Kampfes werden.
Triest, 18. Scptbr. Berichte aus Venedig melden, daß 2200 Crociati unter Duraudo dort als Verstärkung kingetroffen seien. Dieses Gesindel würde aber der Stadt, falls sie ernstlich blokirt werden sollte, nur zur Last und zum Schaden gereichen. Uebrigens hätte unsere Flotte, wenn sie direct nach Venedig gesegelt wäre, die sämmtlichen Kreuzfahrer einfangen können. Eine andere Schaar derselben, ihrer 130, wurden mit dem Küstenfahrzeug, welches ste von Ravenna brachte (wo ihnen die Behörde, trotz des Tractales mit Melden, Schiffspapiere ausgefertigt hatte) auf der Höhe von Venedig eingefangen. Sowohl diese als die in Venedig angekommenen haben in Vicenza capi-
tulirt, ihren Eid mithin gebrochen. Man hat sie sofort nach Ravenna znrückbringen lassen.
* Berlin. Zwischen dem Kommandeur der Bürgerwehr, Hr. Rimpler und dem General v. Wrangel, hat sich in Bezug auf dessen bekannten Armeebefehl eine Correspondenz eröffnet. Rimpler erklärt, wie er Namens der Bürgerwehr den siegreichen Feldherrn der Deutschen Reichstruppen freudig begrüßt habe. Um so mehr halte er die offene und unumwundene Erklärung für Pflicht, daß das Bürgerwehr- Kommando die Rechte der Bürgerwehr, welche die Stütze der Freiheit sein solle und nöthigenfalls sein werde, aufrecht erhalten wissen wolle. Er müsse deshalb ersuchen: dem Bürgerwehr-Kommando baldmöglichst mitzutheilen, wie er die Stelle seines Armeebefehls ausgelegt wissen wolle, wo es heiße: Meine Aufgabe ist, die öffentliche Ruhe in diesem Lande da, wo sie gestört worden, wieder herzustellen, w e n n die Kräfte der guten Bürger nicht aus - reichen. Ob unter den guten Bürgern, wie er es zwar nicht bezweifle, wie aber doch auch nicht ausgesprochen sei, die Bürgerwehr verstanden werde, und ob, wie er es ebenwohl nicht bezweifle, aber doch ausgesprochen wissen möchte, die Truppen nur dann einschreiten sollen, wenn sie von den städtischen Behörden oder dem Kommando der Bürgerwehr reguirirt werden? So sei cs garantirt und so nehme man gern von einem General an, welcher selbst erklärt habe, er sei zum Schutze der Freiheit gekommen. Wrangel antwortete, daß er der Offenheit des Hn. Kommandeurs gern mit derselben Offenheit gedient und jede der gestellten Fragen mit Vergnügen beantwortet haben würde, denn Offenheit erwecke Vertrauen und des Vertrauens, bedürfe er in seiner Stellung, daß er sich aber, nachdem über seinen Armeebefehl bereits in der National- Versammlung debatlirt worden sei, außer Stande stihle, auf die Fragen einzugehn, vielmehr auf die durch den Druck bekannt gemachten Erklärungen des Minister-Präsidenten verweisen müsse. Uebrigens möge die verehrliche Bürgerwehr der Stadt Berlin versichert sein, daß er sich nur im Gesetze bewegen werde, wie cs seine Pflicht sei und er mehr als einmal öffentlich erklärt habe. Das Kommando der Bürgerwehr hat jedoch in diesem Schreiben die gewünschte ausdrückliche Beantwortrng seiner Frage vermißt, und deshalb weitere Schritte gethan.
In Berlin ist die Ruhe, einen unbedeutenden Skandal am 25. abgerechnet, ungestört geblieben. Vertrauen und Hoffnung kehren in die Gemüther zurück. In Köln ist die Ordnung vollkommen hergestellt.
Gießen. Um auch hier die gewünschte Aufregung hervorzubringcn, hatte man das Gerücht verbreitet, der Abgeordnete Vogt sei in Frankfurt erschossen worden. Allerdings entstand bis zur Berichtigung des Gerüchtes eine nicht geringe Bestürzung, welche man von gewisser Seite zu benutzen suchte, was jedoch nicht gelang. Vielmehr kam die zu Stunde gebrachte „sehr spärlich besuchte Volks- Versammlung" nach längerem Deliberiren zu dem Schluffe: wenn Vogt todt sei, so wolle man den Oberstudienrath Hillebrandt statt seiner wählen.
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