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Beilage zu Nr. 12V der Neuen H esfLsch en Z e Ltu n g.

qui vive dem Volke gegenüber steht, ist somit das Ende nicht abzusehen. Uebrigens steht es um die Kartoffeln in England und Schottland nicht besser, als in Irland. Nur der Hafer ist wohl gerathen.

Frankreich.

* Paris, 19. Sept. Ausweislich des in den Journalen befindlichen Verzeichnisses der in der Nacht vom 12./13. nach Havre transportirten und am 15. nach Cherbourg an Bord des Linienschiffes Triton gebrachten 497 Gefan­genen befanden sich auch einige Deutsche Gefangene dar­unter. Demnach ist die Zeitungsnachricht, die Deutschen Gefangenen seien von der Centralgewalt mit Erfolg rckla- mirt worden, unbegründet gewesen.

Während die Republikaner des Moseldepartements nicht den geringsten Zweifel hegten, daß bei der jetzt dort vor- genommknen Wahl eines Volksrepräsentanten an Dornè's Stelle der Nepublikaner Bonchotte werde gewählt werden und man höchstens vor dem Kandidaten der vereinigten Legitimisten und Philippisten einige Besorgnisse hatte, geht plötzlich zu aller Erstaunen Louis Bonaparte mit ungeheu­rer Mehrheit aus der Wahlurne hervor. Es fängt an, den aufrichtigen Republikanern, vor allen der jetzigen Re­gierung, sehr schwül zu werden. Auch dem Naivsten geht allmälig ein Licht auf über die Dinge, wie sie wirklich noch zur Zeit beschaffen sind. Bereits geht man ernstlich daniit um, zu bestimmen, daß der Präsident der Republik von der Nationalversammlung, nicht durch Volksabstim­mung, ernannt werde. Denn in dem letzteren Falle davon hat man sich schon überzeugt würden wir einen Präsidenten Louis Bonaparte haben. Das würde aber der Anfang des Endes sein und zwar wie in John Bulls Trauerspiel der komische Anfang eines tragischen Endes. Bei dem Stücke, was sich vorbereiten will, wird die Na­tionalversammlung wohl nur den Zuschauer abgeben. Selbst die Rollen zu besetzen, was ihres Amtes eigentlich wäre, dazu fehlt ihr, wie es scheint, die Kraft. Die Eilfertigkeit, womit die Verfassung decretirt wird, ist nicht eine Folge der Energie, sondern der Gleichgültigkeit. Die meisten Mitglieder, wenn sie überhaupt erscheinen, beurkunden eine Unaufmerksamkeit, wie sie nur die gänzliche Indifferenz für den Gegenstand erzeugen kann. Fragen wie die Todes- stsafe und der Cultus werden mit einer Apathie behandelt, als gingen sie keinen Menschen Etwas an. Ideologen und Praktiker werden allzumal die Beute des schrecklichen Todes der Langeweile. Nur zuweilen gibt es eine Auf­regung, wenn es nämlich an persönliche Fragen geht, wenn es darauf ankommt, den Einenmöglich", den Andern unmöglich" zu machen. Wie es unter diesen Umständen wohl zu erwarten war, man hat den Verfassungsentwurf eben nur hingenommen und die Amendements verworfen. Die geringen Abänderungen, welche bis jetzt vorgenommen sind und die wenigen meist abgelesenen Reden, welche dabei vorkamen, wollen wir demnächst mittheilen. Wenn die Verfassung dann endlich fertig sein wird, so werden wir zur Naumersparniß wohl auf diejenigen Nummern unserer

Blätter verweisen können, in welcher der Entwurf mitgc- theilt war. Sollen wir übrigens als gewissenhafte Zeitungsschreiber aus dieser ganzen Geschichte die historische Moral ziehen, so wird es nur die sein, daß man sich vor politischen Ausschweifungen hüten soll, weil auch auf diese die Entkräftung folgt und zwar die schrecklichste, die es giebt. Ferner wird es nöthig sein, die Krankheits­erscheinungen an unseren Nachbarn genau zu beachten. Es könnte leicht geschehen, daß sie an der Verbesserung daheim verzweifelnd, noch einmal ihr Utopien im Auslande suchten. Diese Phase ist durch die Hinneigung zu Bona­parte bedeutend indicirt.

Paris, 22. Sept. (Ministerkrisis.) Im Ange­sichte alles dessen, was in Paris und den Departements vorgeht, versammelten sich gestern Abends die gemäßigten Demokraten in ihrem Clubbsaale und hielten Rath , auf welche Weise die nationale Republik vor dem Untergänge zu retten? Ein Mitglied nahm das Wort und machte der Nationalversammlung bittere Vorwürfe, daß sie keine für Befestigung der Republik geeignete Maßregeln treffe. Was haben wir seit dem 4. Mai gethan, rief der Redner, um das Volk vor Hunger und Bruderkrieg zu schützen? Nichts. Ich trage daher darauf an, daß sie sofort an die Arbeit gehe und mache zunächst hierfür folgende Vorschläge: 1) Die 25 Centimensteuer; 2) Salzauflage; 3) Fisch- und Nahrungssteuer; 4) endlich alle Hindernisse abzuschaffen, die sich der vollsten Entwicklung der Landwirthschaft bisher entgegcnstellten. Um die Lücke zu füllen, welche diese Abschaffung im Budget zur Folge haben wird, schlage ich die sofortige Belastung der Hypotheken baar vor, deren Ausgabe so schleunig als möglich im Interesse der Landwirthschaft zu bewerkstelligen u. s. w. Diese Anträge machten große Wirkung. Man beschloß, den Vorstand zu Cavaignac zu schicken, ihm die Lage der Dinge vorzustellen und auf Ent­lassung sämmtlicher Minister oder wenigstens einiger zu dringen, von denen man glaube, daß sie gegen alle Staatsgefahr blind seien. Um 11 Uhr begab sich der Vorstand zu Cavaignac, der ihn seiner ganzen Sympathie versicherte, aber doch hinzufügte, daß der Augenblick zu durchgreifenden socialistischen Maßregeln, wie er die directe Besteuerung des Hypothekenoapitals nannte, schlecht gewählt sei, daß er die Socialisten als Partei nicht anerkenne und daß er den Imperialisten mit Kartätschen anworten werde. Der Vorstand kehrte zurück und wird, nachdem er seinen Kommittenten Rechenschaft abgelegt, das heutige Bankett abmarten, ehe er einen definitiven Entschluß faßt. Dieser Schritt geschah natürlich nicht, ohne in der Rue de Poitiers das größte Aufsehen zu erregen. Auch dort wurde ein Ausschuß gewählt, der sich ebenfalls zu Cavaignac be­gab und ihm eine Standrede halten mußte. Was der General antwortete, darüber schweigen die Blätter noch. DiePatrie" aber brachte gestern Abend bereits zwei Mi­nisterlisten. Beveau, Dufanr, Vivien, Leon de Malleville, Lamoriciere, Goudchaur, Verninac, Tourret, Charles Dupin, Baudin.