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Beilage zu ^ r, 119 der Neuen Hessischen Zeitung.

Ungarn.

Am 18. hat Bath Yani die Namen von sieben Mi­nistern, denen er aber die Portefeuilles noch nicht ausge­theilt, bekannt gemacht; mit der Person des achten ist er noch nicht einig. Die vorgeschlagenen Minister sind folgende: Baron Niclas Vuy, Graf Erd öd y Sandor, Baron Jose Oetvos, Baron Dionys Kemeny, Meßaros, Colo­man Ghiczy, Moritz Szent-Kiralvi.

Nachrichten aus Pesth vom 17. berichten von neuen Kraftanstrengungen der Ungarn. Nachdem der Kaiser in einem Handschreiben die Bedingungen verworfen hat, unser welchen Bathyany das Ministerium bilden wollte, erklärte dieser, er sei nicht im Stande, das Vaterland auf gesetzlichem Wege ;;u retten, er müsse zu außerordentlichen Maßregeln greifen. Auf Kossuths Antrag gab dann das Haus dem Ministerium ein Vertrauensvotum, 170,000 Rekruten sollten ausgehoben werden. Der Palatin bat sich an die Spitze des Heeres gestellt und erklärt, er werde für oas angebetete Vaterland den letzten Blutstropfen ver­gießen. Aber man traut ihm nicht und glaubt, er wolle sich fortmachen. Deßhalb sind ihm 3 Commissarien bei­gegeben worden. Jellachich macht inzwischen täglich Fort­schritte; er wird von Wien mit Geld und Waffen unter­stützt. Teleki geht mit seinen 10,000 Mann nach Italien, wogegen von dort 10,000 Kroaten zu Jellachich stoßen.

Italien-

Die Oesterreicher haben die Blokade von Venedig wie­der begonnen.

Sicilien. Ruggiero Settimo hat bereits ein feuriges Rundschreiben an die Sicilianer erlassen, worin er sagt: Sicilianer! Messina hat seinen erhabenen furchtbaren Eid gehalten, sich eher unter den eigenen Ruinen begraben zu lassen, als dem Tyrannen zu weichen. Brand, Bomben und Granaten haben das Warschau und Missolunghi der Sicilianer zer­stört, und die Fußtritte der feigen vandalischen Horden Ferdinands des Bourbonen haben die heiligen Ruinen der heldenmüthigen Stadt entweiht. Die niederträchtigen blut­dürstigen Satelliten Ferdinands sind vier Tage lang unun­terbrochen und mit großem Verluste geschlagen und zurück- gedrängt worden. Aber vier Tage, während welcher von dem Hafenschlosse , dem Salvatore und vielen Kriegsschiffen eine Sündfluth von Kugeln, Bomben und Granaten reg­nete, haben hingereicht, Messina in einen Aschenhausen zu verwandeln und seine Bürger zu zwingen, es zu verlassen trotz des errungenen Sieges. Die feigen Barbaren haben eine Stadt verheert, die sie nicht besiegen konnten; sie haben unser schönes Messina in einen rauchenden Schutthaufen verwandelt, um sagen zu können:Die Ruhe herrscht in Messina!" Ubi soliludinem faciunt pacem ap- pellant. Nach diesem schrecklichen Vorgänge ist es die Psticht der Negierung, die Gefühle der ganzen Bevölkerung zu verdolmetschen durch den Ruf zur Rache, welcher in der ganzen Insel ein lautes Echo finden wird. Wir Alle wollen die heldenmüthigen Söhne des ehemaligen

Messina unter unser Dach aufnehmen, wir wollen unser Brod mit ihnen theilen, und wann die gewaltige Rache und Sühne vollführt sind, dann wollen wir mit unsern eigenen Händen Messina wieder aufbauen, schöner und herrlicher als es je gewesen."

Frankreich.

Paris, 21. Sept. Louis Napoleon, Foulv und Ras- pail sind als Sieger aus dem Kampfe hervorgegangen, der erstere mit großer Stimmenmehrheit. Achilles Fould, der Kandidat der alten Kammerlinken, verdankt seinen Sieg dem Zusammenhalten seiner israelitischen Glaubensgenossen und der Aufopferung großer Geldsummen, die andern beiden der Rührigkeit der rothen Republikaner und der Bonapartisten. Dagegen mögen sich die gemäßigten Republikaner für ihre totale Niederlage bei der Schlaffheit und Zersplitterung ihrer Partei bedanken. Sie hätten recht wohl über alle drei Kandidaten ihrer Gegner obsiegen können. Ueberhaupt ist Cavaignacs Stern im Erbleichen. Er hat die Sendung der Commiffaire eingestellt und wiederum einige parlamen­tarische Schlappen erhalten.

Paris, 20. Sept. Admiral Baudin, der Befehlshaber der französischen Flotte im mittelländischen Meere, hat in einer Depesche der Regierung die nunmehr erfolgte Ent­fernung der sardinischen und die Annäherung der öster­reichischen Flotte gegen Venedig, das ihm von derselben wirklich bedroht scheine, angezeigt und angefragt, was er thun solle, indem er nicht übel Lust zu haben scheint, jevem österreichischen Angriff auf Venedig sich zu widersetzen.

Basel oder Genf werden als die Städte bezeichnet, wo die diplomatischen Konferenzen wegen der italienischen Frage gehalten werden sollen.

Paris, 20. September. Das gestern von der Na- tional-Versammlung nach mehrtägigen Verhandlungen an­genommene Gesetz über die Colonisation Algiers bewilligt hierzu einen Credit von 50 Millionen. Zwölftausend Fa­milien werden auf Staatskosten nach Algier geschickt; jede Familie erhält, nach Anzahl der Familienglieder, 2 bis 8 Heetaren gutes Terrain als Eigenthum ; das Wohnhaus mit Zubehör wird vom Staate erbaut; während der drei ersten Jahre erhalten die Kolonisten die vollständige Mili- tair-Verpflegung in Brod, Fleisch, Wein u. s. w. bestehend. Ueber 6000 Familien sind bereits in Paris und gegen 3000 in den Departements eingeschrieben und die Ueber- siedclung wird jetzt unmittelbar beginnen. Zur ersten An­siedelung erhält jede Familie die nöthigen Lagerzelte. Das Bankett am Gedächtnißtage der ersten französischen Republik findet übermorgen statt. Der Vertreter Germain Sarrut wird präsidiren; ein einziger Toast:der demo­kratischen Republik!" wird von Ledru-R ollin ausge­bracht werden. Die Anzahl der Couverte ist auf 400 be­schränkt worden; aber es werden noch 1000 Karten für Damen und 2000 für Herren als Zuschauer ausgegeben. In der heutigen Sitzung wurde das Gesuch des Marine-Ministers um Verwilligung eines Vorschusses von 14 Millionen auf Antrag des Finanz-Comitoâ ohne Discusston angenommen.