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Neue

Hessische Leitung.

JM 1 t^e Montag, den 25. September. R8Z8«

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Politische Nachrichten.

Deutschland. *

-4- Frankfurt, 22. Seplbr. 83. Sitzung der D. 91.- V. Nachdem der Vorsitzende die Namen der in den Aus-' schuß zur Entwerfung einer Proklamation an das Deutsche Volk und in verschiedene Ausschüsse Gewählten, so wie die Proklamation des Reichsverwesers an das Deutsche Volk, welche der Minister des Innern dem Vorsitzenden übersen­det hatte, mitgetheilt hatte, forderte er die Mitglieder der Nationalversammlung auf sich an einer Sammlung von Beiträgen für die Hinterbliebenen der Gefallenen zu belhei- ligen. Der interimistische Fmanzmiuister Duckwitz er­sucht die Nationalversammlung in einer Vorlage zu dem Ausschreiben einer Umlage von 120,000 fl. nach der Ma­trikel ihre Zustimmung zu ertheilen. In einer weiteren Vorlage verbreitet er sich über die Grundsätze, von welchen das Handelsministerium bei der Ordnung der commerciellen Verhältnisse Deutschlands auszugehen beabsichtige. Diese Grundsätze sind: Die möglichst größte, auf Gegenseitigkeit begründete Freiheit des Handels und der Schifffahrt mit fremden Staaten. Einrichtungen im Zollwesen, welche die Anwendung von Repressalien wider fremde Nationen auf Schiffe und Waaren zulässig machen und zwar zum Zwecke der wirksamen Erstrebung wahrhafter Gegenseitig­keit in Handel und Schifffahrt. Bei der Schifffahrtsge­setzgebung über die Nationalität Deutscher Schiffe Anwen­dung solcher Grundsätze, welche die Vermehrung derselben möglichst erleichtern und Erschwerung des Schiffbaues, der Ausrüstung und Bemannung vermindern. Möglichste Schonung der Handelsbewegung bei Feststellung der Con- trolen und Zollerhebung. Befreiung des Verkehrs und der Transportmittel im Innern Deutschlands. Bei Feststellung des Zollvereins möglichste Berücksichtigung des internatio­nalen Verkehrs mit Rohprodukten und Schutzgewährung der Deutschen Industrie in dem Maße, wie es zu ihrer Sicherung gedeihlich, nothwendig und zweckmäßig ist. Die Handels- und Zollgesetzgebung bedürfe zugleich eines Cen- tralpunklcs, von welchem and sie geleitet werden könne und deßhalb erscheine es zweckmäßig, wenn dem Ministerium die ausschließliche Vorlage dieser Gesetze überlassen werde. Beide Vorlagen werden dem Finanz- und dem volkswirth-

schaftlichen Ausschusse zur schleunigen Begutachtung über­wiesen. W e r n h e r liest folgenden Entwurf der von der Nationalversammlung an das Deutsche Volk gerichteten Proklamation vor: An das Deutsche Volk! Das Deutsche Volk hat in freiester Wahl die Männer erkoren, welche die Freiheit für Alle und die Einheit des Vater­landes gründen sollen. Niemals war einer Versammlung eine größere, nie eine schwierigere Aufgabe gestellt, als der Deutschen Nationalversammlung. Im Drang der Ereig­nisse von verschiedenen Forderungen bestürmt, schritt sie dennoch, das Ziel im Auge, beharrlich voran. Mochte nicht jeder Beschluß Allen gefallen, mochte manche Ent­scheidung auf sich warten lassen: es wurde doch Wichtiges glücklich vollenvet. Die einheitliche Regierung für das gesammte Deutschland wurde geordnet, den Rechten des Volks eine feste Grundlage bereitet, der künftigen Verfas­sung des einigen Vaterlandes kräftig vorgearbeitet. Aber das Unerhörte ist geschehen. Man hat es gewagt, Be­schlüsse der Nationalversammlung als hochverrälhcrisch zu bezeichnen. Man hat sich erfrecht, den Reichstag zu über­fallen. Der Aufruhr hat sich offen um den Sitz der Ver­sammlung und in den Straßen der Stadt erhoben. Abge­ordnete, welche gewissenhaft und muthig ihre Ueberzeugung vertraten, sind grauenvoll gemordet worden. Die National­versammlung , welche mit Trauer und Entrüstung auf das Geschehene hinblickt, fühlt sich gedrungen bei so ernsten Ereignissen ein Wort an das Deutsche Volk zu richten. Sie vertraut, vaß das Deutsche Volk seine Freiheit in der Freiheit seiner Vertreter ehre und nimmer dulde, daß Be­drohung oder Gewalt die Unabhängigkeit der Rede und der Abstimmung beschränke. Sie ist gewiß, daß das Deutsche Volk niemals Anderen, weder Einzelnen noch Vereinigun­gen, gestalten kann, ihren Willen an bir Stelle dessen zu setzen, was sie, die Beauftragte der gesummten Nation, be­schließt. Sie weiß, daß das Deutsche Volk Niemandem als ihr das Recht zugesteht, die Verfassung Deutschlands zu begründen. Deutsches Volk! Wir werden nicht ablassen, Deine Freiheit zu schirmen und ihr eine sichere Stätte im Vaterland zu bereiten. Nichts soll uns hindern, den Bau der Deutschen Einheit ^u vollenden. Mögen Feinde, von welcher Seite immer, uns bedrohen, wir wer­den stehen wie Ein Mann, wenn es gilt unser Recht zu