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sie sogar die Schuld an dem aller Vernunft baaren Auf­stande zuschreibt. Heute ging das Gerücht, die Reichstags« zeitung sei mit Beschlag belegt, jedoch hat sich dasselbe nicht bestätigt. Zitz hat vorgezogen, sich von Frankfurt zu ent­fernen, da er nicht ohne Schuld an dem Aufstande sein soll.

Morgen früh werden mehrere Bataillone hiesiger Trup­pen nach Hanau aufbrechen, um die Entwaffnung von nicht zum Waffentragen Berechtigter vorzunehmen. Unsere Stadt gewinnt wieder ihr früheres Aussehen, seitdem die Truppen von den Straßen zurückgezogen und bei den Bürgern ein- quartirt sind. Das Kriegsgericht hält noch fortwährend Sitzungen und gehen von Zeit zu Zeit Gefangene nach Mainz ab. Auch in Bockenheim sollen viele Verhaftungen vorgenommen worden sein. Ein Haus auf der Friedberger­gasse steht ganz verödet, da die Bewohner, 2 Brüder und eine Schwester als schwer gravirt bei dem Aufstande sich im Gefängnisse befinden, die beiden Brüder sollen sogar erschossen sein.

Wenn die Urlaubsgesuche der Nationalversammlung, welche besonders von der rechten Seite ausgehen, so zu- nehmen, wie bisher, würde es eines Angriffes auf die Paulskirche nicht bedürfen und sie würde dennoch bald leer stehen.

Berlin, 19. Sept. In den höheren Regionen scheint man den demokratischen Einwirkungen auf das Militair jetzt eine entschiedene Aufmerksamkeit zollen zu wollen. Die Ernennung des Generals Wrangel zum Ober­befehlshaber der Truppen in den Marken weist darauf hin, sowie der sehr bemerkenswerthe Armeebefehl, welchen wir neulich erwähnten und hier folgen lassen: Seine Ma­jestät der König haben mir einen neuen Beweis Seiner Gnade und Seines Vertrauens gegeben, indem Sie mir mittelst Allerhöchster Cabinetsordre vom 15. d. M. den Oberbefehl über die sämmtlichen in den Marken stehenden Truppen ertheilt haben. Meine Aufgabe ist, die öffentliche Ruhe in diesen Landen da, wo sie gestört wird, wieder her­zustellen, wenn die Kräfte der guten Bürger hierzu nicht ausreichen. Die Aufgabe ist schwer und mit großer Verantwortung verknüpft, das verkenne ich nicht, aber sie wird ausgeführt werden; dafür bürgt mir das gegenseitige Vertrauen zwischen dein Soldaten und sei­nem Officier, seinem Führer, durch welches sich die preußische Armee, so lange sie besteht, immer rühm­lichst ausgezeichnet hat, sowie die Liebe und die treue Hingebung für den König, von der wir Alle gleich erfüllt sind. Ich gebe mich indeß der bestimmten Hoffnung hin, daß ich keine Veranlassung erhalten werde, mit der mili- tairischen Macht einzuschreiten, denn auch mein Vertrauen zu den Bürgern, daß sie ebenfalls nur das Gute wollen, steht fest; es ist ja ihr eigener Heerd, den sie und ich be­schützen sollen. Es sind jedoch im Lande auch Elemente vorhanden, welche zur Ungesetzlichkeit verführen wollen; sie sind zwar nur gering, aber desto kräftiger treten sie hervor, während die guten Elemente sich zurückhalten. Die­sen letzteren will ich fortan zunächst eine moralische Srütze sein, um ihnen die Erhaltung der öffentlichen Ordnung zu erleichtern, ohne die keine gesetzliche Freiheit möglich ist. In

Potsdam habe ich schon die erfreulichsten Beweise erhalten, wie dessen Bewohner mit der ganzen Bürgerwehr sich zu diesem Zweck gern um mich schaaren. Dies war mir um so erfreulicher und um so werthvoller, als es schon am ersten Tage meiner Uebernahme des Oberbefehls in den Marken geschah; es erfüllt mich deshalb mit Hoffnung und Vertrauen für die Zukunft. Soldaten! laßt Euch nicht irre leiten von den Reden und Proclamationen, welche von Euch unbekannten Leuten an Euch gerichtet werden; hört nicht darauf, wenn sie auch noch so schmeichelhaft für Euch klingen und sie Eure Zukunft mit herrlichen Worten aus­malen, sobald Ihr die Euch gegebenen Rathschläge befolgt. Zu den Versammlungen, wo dergleichen Reden an Euch gehalten werden- sollen, geht lieber gar nicht hin; hört dagegen auf meine Stimme, die Stimme Eures Generals, sie ist wohlgemeint! Haltet fest an Euren Offizieren, wie diese an Euch, zwischen beiden darf sich kein fremdes Ele­ment einschleichen. Habt Ihr gerechte Wünsche, so tragt sie Euren Offizieren vor in der gesetzlichen Weise; von nie­mand wird Euch sicherer geholfen werden, als von diesen denn niemand kennt Eure Bedürfnisse besser als sie, und niemand ist mehr von dem Wunsche beseelt, Euch mit Rath und That beizustehen. Als Beweis, in welchem Grade ich nicht nur für Euer Wohl als Soldat, sondern auch für Euer häusliches Wohl zu sorgen bereit bin, bestimme ich hiermit, daß die durch Einziehung von Reserven auf die Kriegsstärke gesetzten Jnfanteriebataillone sofort auf 900 Mann vermindert werden, und binnen kurzem hoffe ich eine abermalige Verminderung derselben bis auf 800 Mann eintreten lassen zu können. Zu der ersten Entlassung sind zunächst alle Reelamirten und dann diejenigen aus den ältesten Reserven zu bestimmen, deren häusliche Anwesenheit dringend nothwendig ist; nach deren Berücksichtigung hat das unparteiische Loos unter den älteren Reserven zu entschei­den. Zum Schluffe rufe ich Euch zu, Officiere und Sol­daten! haltet fest in Eurem gegenseitigen Vertrauen und an Eurem theuren König! Er lebe dreimal hoch! Der Oberbefehlshaber in den Marken, (gez.) v. Wrangel.

Außerdem ist ein Gouvernementsbefehl an die hiesigen Truppen vom 16. Sept, erlassen, den wir seines bezeich­nenden Inhalts wegen unverkürzt mittheilen:Nachdem be­reis am verflossenen Montag in hiesigen demokratischen Ver­einen förmlich beschlossen und festgestellt worden, die Sol­daten der hiesigen Garnison auf alle Weise von ihrer Pflicht abwendig zu machen, ist kein Mittel unversucht geblieben, diesen Vorsatz zur Ausführung zu bringen. Unwahre Er­zählungen in öffentlichen Anschlägen über sogenannte Mili- tairrevolutionen, trügerische Vorspiegelungen über beabsich­tigte Verbesserung der Lage der Soldaten, vorgebliche Ver­brüderung mit ihnen und verführerische Versprechungen jeder Art, alles ist angewendet, um den Soldaten irre zu machen, um Zucht und Gehorsam und die Treue zu erschüttern; alles ist aber gescheitert, an dem geraden ehrenfesten Sinne, an dem Pflichtgefühl, welches im preußischen Soldaten jeder­zeit lebendig war und bleiben wird. Das preußische Heer und das gesummte Vaterland blickt auf das Benehmen der Garnison von Berlin und dieselbe giebt ein rühmliches Bei-