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Neue

Hessische Zeitung.

â^ US» Sonntag, den 24. September. 1848*

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Politische Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt, 20. Sept. Immer noch hat Frankfurt das Ansehen eines Kriegslagers; die Zahl der hier anwe­senden österreichischen, preußischen, bayerischen, würtember- gischen, kurhessischcn und Hessen-darmstädtischen Truppen übersteigt zusammen schon 15,000 Mann. Im bunten Gemisch erblickt man die verschiedenen Waffengattungen. Die Stadtallee hat sich in einen ungeheuren Stall ver­wandelt, den gestern die Pferde des zweiten würtembergi- schen Lanzenreiterregiments, heute die der würtembergischen reitenden Artillerie füllten. Nachdem ersteres in die nächste Umgebung der Stadt verlegt worden, campirt letztere jetzt auf einem Theil des Roßmarkts, dessen weiterer Raum mit auf Stroh lagernden bayerischen Jägern unv Schützen vom großherzoglich hessischen Leibregimente bedeckt ist. Auf dem Thcaterplatze befindet sich die würtembergische Feld- schmiede und Feldapotheke, an der Hauptwache steht öster­reichische Artillerie, auf der Zeit campirt daS erste Bataillon des 35. Infanterieregiments neben einer Abtheilung Fran- furter Bürgerreiterei. Die hessischen Chevaurlcgers und die würtembergischen Lanzenreiter durchziehen in starken Streif­wachen die Umgebung der Stadt. Die am 18. zuerst hier angekommenen österreichischen und preußischen Truppen sind bei den Bürgern und Einwohnern Frankfurts einguartirt. Zwischen den Letzten und dem Militair sind die freund­schaftlichsten Gesinnungen obwaltend, und bis zu diesem Augenblick ist weder von der einen noch von der anderen Seite irgend eine Klage oder Beschwerde vorgekommen. Seitdem alle Thore wieder geöffnet sind und die Verbin­dung zwischen dem Innern der Stadt und ihrer Umgegend in allen Richtungen wieder hergestellt worden ist wie auf einen Zauberschlag das rege Leben des Handels und des Meßverkehrs aufs Neue erwacht und macht sich mit verdop­peltem Eifer geltend. Es herrscht durchgehend eine solche Ordnung, eine so beruhigende Gesetzlichkeit wie man sie vor den Ereignissen des 18. September kaum noch kannte. Die Aufwiegeler und Unruhestifter der jüngsten Vergan­genheit, die an den drei verhängnißvollen Tagen des 16., 17. und 18. d. M. eine so verderbliche Rolle gespielt, sind verschwunden, ihre Klubs stehen leer, ihre Achselträger

verleugnen die gestürzten Gebieter. Alle die von diesen letzter» und ihren Anhängern verbreiteten Nachrichten von zahllosen Schwärmen herbeieilender Demokraten rc. aus allen benachbarten Orten, auf 20 Stunden in die Runde und weiterhin, haben sich als Mährchen erwiesen. Von Mannheim, Mainz, Offenbach, Hanau rc. rc. sind weder gestern noch heute bewaffnete Republikaner-Legionen herbei- geeilt, um die hier befindlichen Reichstruppen zu vernichten, die Nationalversammlung zu sprengen und mit der rothen Republik einenConvent" zu gründen. Die angedrohten Raub-, Mord- und Brandstelle» sind zur Ehre Deutsch- schlands unterblieben; wenigstens glaubt man, daß die im Gartenfelde bei Main; niedergebrannte Scheune, die geplün­derten Waffenläden, die Ermordung des Generals Auers­wald und des Fürsten Lichnowsky nicht in die bezeichnete Kategorie gehören.

Frankfurt, 20. September. Aus den bisher gepflo­genen amtlichen Erhebungen läßt sich vorläufig Nachfolgen­des über die Statt gehabte Ermordung des Generals von Auerswald und des Fürsten Lichnowsky mitthèilen, welches als Berichtigung der in dem gestrigenFrankfurter Jour­nal" enthaltenen Angaben dienen mag. Nachdem Beide auf einem Spazierritte in der Gärtnerei vor den Verfol­gungen einer großen Anzahl Bewaffneter, von deren Seite mehrere Schüsse erfolglos auf sie abgefeuert worden waren, in den an die Bornheimer Haide grenzenden Garten des Kunstgärtners Schmidt sich zu retten gesucht und in der dortigen Gartenbehausung (General v. Auerswald in einer Bodenkammer, Fürst Lichnowsky in dem Keller) sich versteckt gehabt, drangen jene Bewaffnete in den Garten ein, wo ein Theil zuvörderst die beiden Pferde der Versteckteil fort­führte, die klebrigen aber die Schmidt'sche Behausung auf das Genaueste durchsuchten. Nach etwa einer Viertelstunde gelang es ihnen zuerst den General v. Auerswald und eine kleine Viertelstunde nachher auch den Fürsten Lichnowsky in ihren Verstecken aufzufinden. General v. Auerswald wurde unter fortwährenden Mißhandlungen durch Schlagen mit Knitteln und Stößen mit Gewehrkolben aus der Schmidt'- schen Behausung nach der hinteren Ausgangsthüre des Scbmidt'schen Gartens geschleppt, dort durch einen Kolben­stoß auf die Brust in den neben dem Garten hinziehenden Graben geworfen und nun durch einen Flintenschuß getödtet.