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in den Straßen fortgesetzt, und der Major von Loddicn führte die immer zuströmenden Truppen in das Gefecht, indem er sich zu Pferde an die Spitze der einzelnen Co- lonnen setzte. Es gelang, eine Barrikade nach der anderen zu nehmen, und alle ins Gefecht gezogenen Truppen zeigten die gleiche beharrliche Tapferkeit. Wie groß die Gefahr für Frankfurt war, dies nachzuweisen, soll einem ferneren Artikel Vorbehalten bleiben, wenn die zahlreichen Beweise actennläßig festgestellt sind. Dank gebührt den tapferen Truppen, die nicht nur muthig zum Kampfe gingen, sondern auch jeden Ereeß vermieden, wie sie sonst bei Gelegenheiten dieser Art Vorkommen.

Beklagen müssen wir, sagt die Oberpostamts-Zeltung, die unschuldigen Opfer, die in diesem frevelhaften Bürgerkriege gefallen sind; beklagen wir die tapferen Soldaten, die ihr Blut für das Gesetz und die Ordnung vergossen. Aber welchen Ausdruck sollen wir finden für das schauderhafte Ende eines der ausgezeichnetsten Mitglieder der National­versammlung, des Fürsten Lichnowsky, der durch den Flei- muth seiner Rede, durch seinen ritterlichen, keine Furcht kennenden Sinn, durch seinen schlagenden Witz sich Feindt- geschaffen, die er leider zu sehr verachtete, um sie zu fürchten, und vor denen er sich daher auch nicht zu schützen vermochte. Die Oeffentlichkeit war sein Element; sie war der Born, aus dem er trank; in diesen hatten seine Geg­ner das Gift gelegt, das ihn verzehrte. Und nun vollends das Loos des Hrn. v. Auerswald. Er, der kein an­deres Wort als zur Versöhnung hatte, er, der durch und durch deutsch und patriotisch gesinnt war, er, der Gerechtigkeit für Alle verlangte und jedes Verhältniß scho­nen wollte.

Frankfurt. Es wird verschiedentlich mit großer Be­stimmtheit versichert, H. v. Gagern habe sich endlich zur Bildung eines Ministeriums entschlossen und den Grafen Dönhoff für die auswärtigen Angelegenheiten bestimmt.

Wien, 17. Sept. Aus Pesth heißt es, daß Erzherzog Stephan Palatin erklärt hat für Ungarn kämpfen und fal­len zu wollen und mit Moritz Preczel und dem Deputaten Bonis nach dem Kriegsschauplatz abgereist ist. Graf Adam Teleky ist zu Jellachich übergetreten. Die ungarische Armee hat sich auf Westprim zurückgezogen.

Berlin, 18. Sept. Gestern haben zwei große Ver- sammlungen zur Verbrüderung der Soldaten und Bürger stattgefunden, bei denen es sehr lebhaft herging. Am Schluß ergriff der Buchhändler Simion das Wort, um die Diskussion in die Geleise der Mäßigung, das sie aUmälig überschritten hatte, zurückzuweisen. Obschon ein großer Theil der Versammlung zu erkennen gab, daß sein Ge­schmack mit dem des Redners nicht übereinstimme, so wurde die Debatte doch in Ruhe geschlossen. Viele Soldaten hatten sich eingefunden, die mit Bürgern, Mädchen und Frauen gemischt in langen Reihen endlich aus dem Thier­garten in die Stadt zogen, wo an verschiedenen Orten noch Reden gehalten wurden und allgemeine brüderliche Um­armungen stattfanden. Besonders stark hat das 24. Re­giment sich dabei betheiligt, das überhaupt schon längere

Zeit starke Neigung zu demokratischen Gelüsten zeigt und deshalb auch Berlin räumen soll. Statt seiner, behauptet man, sollen die drei Garderegimenter, Kaiser Franz, Alexan­der und das zweite Regiment, einrücken, mit deren Auf­nahme man das Versprechen verbindet, daß nicht allein die Prinzen, sondern der König selbst wieder in Berlin wohnen werde.

Auch in Potsdam ist gestern eine große Volksversamm­lung gehalten worden. Dort hat ein Major in sehr radi­kalem Sinne gesprochen, »ras einen mächtigen Eindruck auf die zahlreich anwesenden Soldaten gemacht haben soll. Es fehlt nur noch, daß eine Anzahl Officiere die Demokratie unterstützen und deren Grundsätze offen aussprechen. — Die heute hier eingetroffene Abstimmung in Frankfurt zu Gun­sten des abgeschlossenen Waffenstillstandes enthält viel Be­ruhigendes. Wäre eine Verwerfung erfolgt , so müßten wir die heftigsten Erschütterungen erwarten. Nachdem Frank­furt sich für die Aufrechthaltung des Traktats ausge,prochen, wird die Berliner Versammlung schweigen und selbst die linke Seite ist froh über diesen Ausgang, der die gefähr­lichsten Verwickelungen beseitigt.

Wie wenig die große Masse der Bevölkerung sich für die Kabinetskrisis interessirt, zeigt schon der Umstand, daß die untergeordnete Angelegenheit des Hrn. Held, die dieser durch riesige Plakate allerdings immer von Neuem vor die Augen des Publikums zu rücken weiß, die Aufmerksamkeit noch fortdauernd auf sich zieht. Unter der Ueberschrift: „Meine Idee für die Verfassung Preußens und Deutsch­lands," hat derselbe heute auf einem großen Blatte seinen längst vorherverkündeten Plan veröffentlicht und damit zu­gleich die ihm gestellten Fragen genügend beantwortet. Helv geht von der Ueberzeugung und, daß konstituirende Versammlungen gar nicht im Stande seien, dem Volke eine der Freiheit entsprechende Verfassung zu geben. Zur Be­gründung einer demokratisch-socialen Konstitution, wie sie Helv will und welche den Vorzug haben soll, das feindliche Verhältniß zwischen Krone und Volk zu beseitigen und die Ministerregierung mit ihren Uebelständen ganz unmöglich zu machen, schlägt unser politischer Cagliostro Entlassung der Minister und Auflösung der Nationalversammlung vor, „während zugleich das in einer friedlichen Bewegung be­griffene Volk den Mann seines Vertrauens unter dem Na­men eines Volkstribuns zum verfassunggebenden Diktator ausruft." Zur Realisirung dieser „Idee" empfiehlt der Volkstribun schließlich dem Könige, „unter der Zustimmung des Volkes zu Gunsten seines legitimen Nachfolgers die Krone niederzulegen." Dies ist das Geheimmittel, durch welches der berliner Groß - Kophlha dem Volke „Freiheit und Brod" ziigleich verschaffen will.

Berlin, 21. Septbr. In der heutigen Sitziing der Nationalversammlung ward ein Schreiben des Generals v. P f u e l verlesen, des Inhalts: „Des Königs Majestät hat mich mit der Bildung eines neuen Ministeriums be­auftragt und mich zum Präsidenten desselben ernannt. In­dem ich Sie davon in Kenntniß setze, bemerke ich zugleich, daß das Ministerium Morgen den 22. d. M. den Si­tzungen der Versammlung erst beiwohnen wird."