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Neue

Hessische Zeitung.

Oß« Sonnabend, den 23. September. R8-T8«

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem UnterbaltungSblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 $blr. 15 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurbessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet. — Neu hinzu­gehende Abonnenten erhalten die vom Tage der Bestellung erscheinenden Nummern gratis.

An das Deutsche Volk!

Deutsche! Die verbrecherischen Vorfälle in Frankfurt, der beabsichtigte Angriff aus die Nationalversammlung, Aufruhr in den Straßen, der durch Waffengewalt unter­drückt werden mußte, empörender Meuchelmord und lebens­gefährliche Bedrohung und Mißhandlung — an einzelnen Ab­geordneten verübt, sie haben die Pläne und Mittel einer Parthei deutlich gezeigt, die unserm Vaterlands die Schreck­nisse der Anarchie und eines Bürgerkrieges bringen will.

Deutsche! Eure Feiheit ist mir heilig. Sie soll durch das Verfassuugswcrk, zu welchem Eure Vertreter hier ver­sammelt sind, dauernd und fest begründet werden. Aber sie würde Euch entrissen sein, wenn die'Gesetzlosigkeit mit ihrem Gefolge über Deutschland sich verbreitete.

Deutsche! Durch das Gesetz vom 28. Juni 1848 ist mir die vollziehende Gewalt gegeben in Angelegenheiten, welche die allgemeine Sicherheit und Wohlfahrt Deutsch­lands betreffen. Ich habe unser Vaterland zu schützen, möge es durch Feinde von Außen, möge es durch verbre­cherische Thaten inr Innern gefährdet werden.

Ich kenne meine Pflicht, ich werde sie erfüllen, fest und vollständig. Und Ihr, Deutsche Männer! die Ihr Euer Vaterland und Eure Freiheit liebt, Ihr werdet mir, dessen bin ich gewiß, thätig zur Seite stehen.

Frankfurt, den 20. September 1818.

Der Reichsverweser Johann.

Die R e i ch s m i n i st e r Schmerling. Peucker. Duckwitz. Mohl.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt. Aus den in der Frankf. O.-P.-A.-Zeit. enthaltenen Nachrichten entnehmen wir noch folgende Mo­mente: Man hatte es darauf abgesehen, am Montag früh die rechte Seite der Nationalversammlung moralisch und nöthigknfaUs physisch zu zwingen, ihr Mandat niederzu- legtn und aus der Versammlung auszutreten. Deßhalb die Petition, deßhalb die bewaffneten Haufen. Die Linke war pflichtvergessen genug, sich mit diesen Menschen ein-

zulasscn. Der erste Eisenbahnzug, welcher ein Bataillon des österreichischen Regiments Erzherzog Rainer brachte, wurde schon vor der Stadt mit Steinwürfen begrüßt. Ueber- Haupt ließen sämmtliche Reichstruppen die gegen sie gerichte­ten Insulten ruhig über sich ergehen. Erst bei dem Zurück- drängen des gewaltsamen Angriffs soll eine Verwundung vorgekommen sein und diese mußte den elenden Vorwand für die Barrikaden abgeben.

Die Zahl der gebliebenen Soldaten — besonders stark haben die Oesterreicher gelitten — soll sich auf 60 be­laufen. Barrikaden, Straßenecken und sonstige strategische Punkte sind jetzt mit Militair besetzt. Ebenso das Deutsche Haus, mch die neue Mainbrückenmühle in Sachsenhausen. An dem Bahnhöfe der Main-Neckar-Bahn stationirt wür- tembergisches Geschütz. Es hieß ein Theil der Taunus- Bahn sei zerstört. Dies Gerücht hat sich nicht bestätigt. Auch die übrigen Bahnen sind unversehrt geblieben. An viele Häuser der barrikadirten Straßen war mit Kreide ge­schrieben: Heilig ist das Eigenthum. Viele Verhaftungen sind vorgenommen, doch die Rädelsführer sind entwischt. Uebrigens sind die Kartätschen-Kugeln hauptsächlich gegen die unbesetzten Barrikaden, um sie schnell hinwegzuräumen, und erst später angewendet worden. — Der Oberst v. Au­erswald ist mit Stöcken und Kolben buchstäblich todtge­prügelt worden.

-^-Frankfurt, 21. Septbr. Das Leichenbegängniß eines Theiles der im Kampfe Gefallenen und der Abgeord­neten Lichnowsky und Auerswald fand heute Morgen um 9 Uhr statt. Der Zug bewegte sich, umgeben von einer dichtgedrängten Menschenmenge, von dem Roßmarkte durch die große Eschersheimer Gasse um die Promenade nach dem Kirchhofe. Abtheilungen aller hier befindlichen Truppen­gattungen eröffneten und schlossen den laugen Zug. In der Mitte befanden sich acht Särge, die, je zwei und zwei neben einander, die Leichen österreichischer und preußischer Militairs umschlossen. Den Leichenconduct bildeten die Stäbe der dahier und in Mainz liegenden Truppen, nebst den Mitgliedern der Reichs-Versammlung, welchen sich der leere Wagen des Reichsverwesers u. a. anschlossen. Die Leichen wurden am Eingänge des Gottesackers niedergesetzt, wo zunächst der katholische Geistliche v. Kctteler, Abgeordneter zur National-Versammlung, eine