Einzelbild herunterladen
 

808 -

bringung der erforderlichen Mittel — so lange noch so mancher Lurus getrieben wird — wahrlich nicht in Verlegenheit gerathen können.

Das Deutsche Volk aber wird jetzt der bedrohten National- Vcrtrctung nicht kräftiger dienen können, als wenn es seine Stimme mahnend erhebt. In solcher Mahnung liegt die beste Gewähr des Erfolges. Der Erfolg aber muß uns werden, wenn nicht die hoffnungsreichen Blüthen, die der März trieb, vom Hagelschlag der 'Anarchie und Selbstsucht vernichtet und dann unter der Eisdecke des alten Winterschlafes wieder auf lange, lange Zeit begraben werden sollen. A. P.

Das Frankfurter Attentat.

Aus den uns am 20. weiter zugekommenen — zum Theil of- ficicllen Mittheilungen aus Frankfurt entnehmen wir folgende Nachrichten über die Vorfälle in Frankfurt: Um 7 Uhr wurde das Kurhessische Bataillon in die Kaserne consignirt. Gegen s/* 9 Uhr besetzte es die Bahnhöfe der Taunus-Eisenbahn, der Main Neckarbahn und der Hanauer Bahn mit je einer Compagnie. Der Rest des Bataillons besetzte die Haupt- und Constablerwache.

In der Nähe der Paulskirche und in den umliegenden Stra­ßen lagerten 1 Bataillon Oesterreicher und 1 Bataillon Preußen. Vormittags gegen 11 Uhr begannen die zunächst gegen die Pauls­kirche gerichteten Angriffe der Aufrührer. Unter den gemeinsten Demonstrationen gegen die Preußen bewegten sie sich in mehren Haufen gegen die Thüren und in der That soll es Einigen ge­lungen sein, in die Paulskirche einzudringen. Sie wurden von der aus Preußen bestehenden Wache wieder herausgebracht. Die Zurückweisung der Andrängenden war das Signal des beginnen­den Aufruhrs. In der Nähe der Paulskirche am Römerberge ward jetzt die erste Barikade aus Meßbuden errichtet. Bei dieser ersten Schildcrhcbung der Aufrührer wurden mehre derselben ver­wundet. Es ward jetzt für die Bürgerwehr Generalmarsch ge­schlagen, leider mit sehr geringem Erfolge. Die Wenigen, welche den Muth hatten zu erscheinen, haben sich bei dem Kampfe nur sehr schwach betheiligt und ihre Theilnahme später durch Pflege der auf Stroh in der Zeil re. lagernden Soldaten zu bethätigen gesucht. — Um 1 Uhr war die Sitzung der Nationalversamm­lung beendigt; man rühmt voll Bewunderung die imponirende Ruhe, womit sie unter dem Geräusch des Kleingewehrfeuers die Berathung der Grundrechte, als ob nichts vor gefallen sei, fort­gesetzt habe. — Jnmittelst waren in der Nachbarschaft der Zeil eine Menge Barrikaden errichtet worden und große Massen frem­den Gesindels, worunter namentlich die Sensenmänner aufsielen, füllten mehr und mehr die Stadt. Die Aufrührer hatten sich außerdem der Häuser bemächtigt, aus deren Fenstern sie schossen. General Nobili übernahm jetzt den Oberbefehl. Er ließ die Truppen sich aus den engeren Straßen zurückziehen und mehr in die Zeil, auf den Noßmarkt und dessen nächste Umgebung concentriren. Um Menschenleben zu sparen, ließ er vorerst keine Bajonett-Angriffe auf die stark besetzten und überdies von den Fenstern aus gedeckten Barrikaden unternehmen, die Truppen sollten sich bis zur stündlich erwarteten Ankunft der Artillerie auf Tirailleur-Feuer beschränken. Von unseren Soldaten hatte ein Zug unter Lieutenant Lciigerke den Eingang von der Zeil zum Constabler-Wachknplatz gesperrt.

Um 2'/2 Uhr war cs, wo aus mehren Fenstern in der Nähe der Constabler-Wache mehre Schüsse auf die place d’armes ge­richtet wurden und dort vier unserer Soldaten, darunter einen in den Unterleib, verwundeten. Die Verwundeten sind Corporal Knott, Sergeant Fischer, Musketiere Schrimpf und Dörfler.

Endlich nach 3 Uhr langten weitere Truppen - Abtheilungen und zwar 1 Bataillon Preußen, 1 Bat. Oesterreicher und 1 Bat. Darmstädter, ferner 5 darmstädter, 2 preußische und 2 öster­reichische Geschütze unter Cavallerie- Bedeckung an. (Später ist noch eine würtembergische Batterie angclangt.) Die Kanonen waren eben am Eingänge der Zeil abgeprotzt, als sich eine De­putation der Linken zum Parlamentiren (!) nahte. Die er­hobenen Ansprüche, sowie der Erfolg sind bekannt. Um 6 Uhr begann der Aufruhr von Neuem. Das Geschützfeuer räumte aber in kurzer Frist die Barrikaden hinweg, deren Vertheidiger eilig entflohen. Mit Hülfe zweckmäßig ausgeführter Cavallerie- und

Infanterie-Angriffe ist dann die Zeil nebst Umgegend bis zum Allerheiligen-Thor gesäubert worden. Die Häuser in der Fried- bergerzaffe, Allerheiligengasse, Fahrgasse, Hasengasse und Dönges­gasse haben am meisten gelitten. Ueber die Ermordung der Herren v. Auerswald und Lichnowskp circuliren verschiedene Gerüchte. Das Haus, in welches der letztere floh, war das des Gärtners Schmidt.

Politische 9iüdmd)tcH. Deutschland.

Frankfurt, 19. Septemb. 81. Sitzung der D. N.-V. Zu Beginn der Versammlung herrscht ernstes Schweigen. Die Tribünen und Galerien sind mäßig besetzt.

Nachdem Fuchs die Aufnahme der Thatsache ins Protokoll gewünscht hat, daß nun gestern eine Thür der Paulskirche habe erstürmen wollen, und daß die Majorität der Versammlung in der Petition „Volksverräther" genannt werden, welche Auf­nahme zugesagt wurde, wird das Protokoll genehmigt. — Hierauf nimmt der Vorsitzende das Wort.

v. Gagern Es ist unter dem Eindrücke der traurigsten Ereignisse, daß ich die heutige Sitzung eröffne. Die Bewegung in unserem Vaterlande, seine Neugestaltung hat neue Opfer ver­langt. Ich sage „verlangt?" Das ist ein unrichtiger Ausdruck; sie sind muthwillig geliefert worden. Unter den Opfern, die wir zu beklagen haben, sind auch zwei hochverehrte und ausgezeichnete Mitglieder dieser Nationalversammlung, und ich bin tief erschüt-- tert, indem ich Ihnen anzeigen muß den Tod des Herrn v. Auers­wald und des Fürsten Lichnowsky. Leider war es diesen ritter­lichen Männern nicht beschieden, was sie gesucht haben, vielleicht den Tod zu finden für das Vaterland in Vertheidigung seiner Ehre gegen unsere Feinde. Nicht einmal haben sie gekämpft zur Unterdrückung des Aufstandes, sie sind a u f d i e nieder­trächtigste Art meuchlings gemordet worden. Aber das Gefühl der Schmach, welches durch solche That über die Nation kommt; das kann ich nicht unterdrücken. Bei diesem Er­eignisse wollen wir fragen, was ist die Veranlassung, wo stehen wir und was weiden die Folgen sein? Die Veranlassung war ein Beschluß der Mehl heil dieser Versammlung. Die Versammlung hat ausgesprochen, daß sie den Streit, den wir mit Dänemark aus­zufechten haben, einstweilen ruhen lassen und daß sie den Frieden anbahnen ivoUe. Ich ehre alle Ueberzeugungen, wenn ich sie als redliche Ueberzeugungen erkennen muß, und so erkenne ich gewiß die redliche Ueberzeugung derer an, die geglaubt haben, es würde besser, vielleicht auch für die Ehre der Nation feinfühlender sein, wenn wir den Kampf forisetzten und jetzt den Frieden nicht an- bahnten. Aber die Mehrheit, mit dem gleichen Rechte auf Aner­kennung auch ihres Ehrgefühls für die Nation, hat anders ent­schieden; und für diese Entscheidung verlangt die Nation den Gehorsam Aller; und dieser Gehorsam ist ihr verweigert worden. Daß eine solche muthwillige Verweigerung nicht ungestraft Hin- gehen kann, darüber wird in dieser Versammlung kein Widerspruch sein, kein Zweifel obwalten. Dieser Aufstand hat gegen die Ein­heit unseres Vaterlandes angestrebt. Die Einheit beruht aber auf der Ausgleichung der Stammesvorurtheile, der Vermittelung der Ansichten zwischen Nord, Süd, Oft, West. Wer dazu beiträgt, diese Vorurtheile zu nähren, der zerreißt das Vaterland und Macht seine Einheit unmöglich (Beifall). Aber cs war auch ein Ver­brechen gegen die Freiheit. Wir wollen die Freiheit und werden auch jetzt in allen unteren Beschlüssen der Pflicht eingedenk sein, daß die Einheit Deutschlands nur mit seiner Freiheit Hand in Hand gehen kann Jedes Rachegefühl, so gerechtfertigt es auch in manchem Busen sein mag, muß unterdrückt werden (Beifall.) Wir werden keinem Gelüste Bahn lassen, das etwa rückwärts führen könnte. FieUich, wenn die Barbarei zunimmt, welche die Thaten des gestrigen Tages möglich machten, so sollte man fast an der Hoffnung verzweifeln, die Freiheit aufrecht zu erhalten. Ich knüpfe an diese Ereignisse noch einige Betrachtungen. Die neusten Ereignisse sind aus einem Zerwürfnisse in dieser Ver- sammlung hervorgegangen, zu deni kein tief liegender Grund vor­lag. Wenn man sich nicht bemüht hätte, die Leidenschaften auf­zuregen und im Paueigeisie, im Cowl iegeiste, sich abzuschließen, wir