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Beilage zu Str. 113 der Neuen Hessischen Zeitung.

traut ist. Seht in uns feine Feinde — die österreichischen Fahnen wehen in unseren Reihen. Der Doppeladler, aus Kundert Schlachtfeldern das Wahrzeichen des Ruhms und der Ehre, wird nie zum Symbol des Aufruhrs und des Treubruchs werden.

Italien

Die zum 2ten Male vollständig umgekehrte Ordnung der Dinge ist in Livorno wieder hergestellt. Der Groß­herzog hat am 6. volle Amnestie bewilligt, die National­garde reorganisirt, die Reserve organisier und bewaffnet, die Constitution wieder hergestellt und von der Truppen- fenbung abgestanden; in Livorno selbst wird vom Volk eine Isegierung gewählt, die bis zur vollen Wiederherstellung der Ruhe mit fast unumschränkter Vollmacht regiert. Hier­auf hat man sich in Livorno zufrieden erklärt, es ist alles ruhig und an der Spitze der schon neu erwählten Regie­rung steht Guerrazzi.

Die Nachrichten aus Turin reden sämmtlich von den großen Rüstungen, worin das kleine Piemont sich verzehre. Bereits sollen wieder inet der Reserven an 120,000 Mann unter den Waffen stehen.

Nachdem die Versprechungen Albinis, er wolle absegeln, sich nun zum öfteren als lügenhaft herausgestellt haben, hieß es am 10. zu Triest der treulose Sarde habe nun ganz sicher Venedig verlassen. ^n der That hat dieses an sich unglaubhafte Gerücht eine gewisse Bestätigung dadurch erhalten, daß die Oesterreichische Flotille an diesem Tage Triest verlassen hat.

Venedig ist — so versichert die Augsb. Allgem. Zeitg. — wirklich von den Piemontesen verlassen worden; die Flotte Albinis wurde, nach unsern jüngsten Triester Be­richten, in der Nähe von Ancona gesehn.

Lombardei. Einem aus Corfu in Triest eingegan- genen Schreiben zufolge sollen sich die Mitglieder der pro­visorischen Regierung von Venedig und die ehe­maligen österreichischen Marine-Officiere größtentheils ein­geschifft haben, um sich nach Amerika zu begeben.

Nach der Suisse bestätigt sich die Nachricht, daß Ruß­land dem Kabinette von St. James eine Note habe über­reichen lassen, in welcher es erklärt, daß es Oesterreich als den einzigen und gesetzlichen Besitzer der Lombardei aner­kenne, und daß eine Vermittelung, wenn sie statthaben müsse, nicht die Beraubung Oesterreichs zum Zwecke haben könne, sondern demselben den größten Theil seiner italienischen Besitzungen sichern müsse.

Frankreich.

Paris, 14. Sept. Im Klub des Palais National soll man sehr ernstlich darüber berathen haben, ob nicht der Präsident der Republik das erste Mal, statt durch all­gemeine Wahlen, von der Nationalversammlung ernannt werden soll. Man fürchtet, daß im erlern Falle Ludwig Napoleon, ungeachtet er von einem Theil der Socialisten verläugnet wird, wenn nicht die Majorität, doch eine viel zu bedeutende Anzahl Stimmen erlangen würde, als es die Republik ertragen kann. Auch Heinrich V. wird vH ne Zweifel viele Anhänger finden. Der Klub vom Palais

National ist für die Wahl durch die Nationalversammlung und hofft für seine Anhänger die Majorität zusammenzu- bringen. Ein anderer in demselben Klub gemachter Vor­schlag ist der, daß die gegenwärtige Nationalversammlung so lange zusammenbleibe, als der neue Präsident im Amte ist, um ihn gehörig kontroliren zu können. Vorgestern ließ einer der ehemaligen Minister bei der Linken einen Gesetzentwurf cirkuliren, wonach künftig kein Mitglied der Regentenfamilie Frankreichs zum Nationalpräsidenten gewählt werden dürfe. Ein Theil der Linken soll den Vorschlag gutgeheißen haben.

Paris, 15. Septbr. Der Nothschrei Italiens bringt endlich zu den Ohren unserer Erecutivgewalt. Wie wir hören, ist gestern die Erklärung nach Wien abgegangen: „daß jede Bewegung gegen Venedig als ein Mediations- brnch betrachtet würde."

Paris, 15. Sept. Der „National" schreibt: „Die in der Nationalversammlung gestern verbreitete Nachricht von der Einnahme Messina's hat sich leider bestätigt. Wir haben Details erhalten, die in dieser Hinsicht keinen Zwei­fel mehr gestatten. Messina ist gestern genommen worden am 8. September, nach einem Kampfe von 5 Tagen. Die Befehlshaber der französischen und englischen Seekräfte haben Alles gethan , was ihnen zu thun möglich war, um den Gräueln dieses Kampfes vorzubeugen, oder sie zu vermin­dern. Siebentausend Einwohner, großentheils Frauen und Kinder, haben unter der französischen Flagge Zuflucht ge­funden.

Heute ist endlich die Nationalversammlung nach mehr­tägigen Verhandlungen über den gefährlichen Arbeitsrechtö- Artikel des Eingangs zur Verfassung hinübergelangt und hat bereits die ersten Artikel der Verfassung selbst disku- tiren und annehmen können. Im Wesentlichen ist die Fas­sung des amendirten Entwurfs, der bekanntlich das „Recht auf Arbeit" fallen läßt und dafür die Pflicht des Staats aufstellt, unterstützungsbedürftigen Bürgern innerhalb der Gränzen seiner Mittel Arbeit zu verschaffen oder den Ar­beitsunfähigen Eristenzmittcl zu gewähren, wenn es ihre Familie nicht vermag, beinhalten worden. Das Mathieu'sche Amendement, welches das Recht auf Arbeit wieder herzu­stellen bezweckte, ward gestern von dem Antragsteller selbst zurückgenommen zu Gunsten eines von Glais-Bizoin vor- geschlagenen und von Lamartine motivirten, welches statt der Anerkennung des „Rechts auf Arbeit" die Anerken­nung des „Rechts auf die Existenz durch Arbeit" empfahl. Der Unterschied zwischen beiden erschien jedoch der Ver­sammlung so gering, daß alle Gegner des absoluten Ar­beitsrechts auch von der Glais - Bizoin'schen Modifikation nichts wissen wollten. Das Amendement ward am Schluß der gestrigen Sitzung mit 596 gegen nur 187 Stimmen verworfen. Um indeß einige Koncessionen zu machen brachte heute Dufaure im Namen des Ver- fassungs - Ausschusses folgende Fassung in Vorschlag: „Die Republik soll durch brüderliche Unterstützung die Existenz bülfsb, dürftiger Bürger sichern, sei es, indem sie ihnen nach Maßgabe ihrer Hülfsmittel Arbeit giebt, sei es,