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Neue

Hessische Zeitung.

J\o OS. Mittwoch, den 20. September. iS-IS*

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens ausgegeben. Der Äbonnementsvreis beträgt I Thlr. 13 Sgr. für daS Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet. Neu hinzu­gehende Abonnenten erhalten die vom Tage der Bestellung erscheinenden Nummern gratis.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

-^-Frankfurt, 18. Septbr., 72 4 U^r. Die Sitzung dauerte bis 72 2 Uhr. Außer mehreren Anträgen der äußersten LinEen auf Entfernung der Soldaten, welche aber nicht für dringlich erkannt, sondern an den Aus­schuß verwiesen wurden, und einigen anderen Anträgen kam nichts Erhebliches vor. Das frühere Reichsministerium wird die Geschäfte desselben einstweilen fortführen, bis ein neues ernannt ist. v. Schmerling hat zu seinem Ministe­rium noch das des Aeußeren und Duckwitz das der Finan­zen zu dem Handelsministerium übernommen, v. Radowitz war in der Sitzung anwesend. Einmal versuchte es Mit Haufe eine Eingangsthür zur Paulskirche zu sprengen, wurde aber zurückgewiesen. Die Anfangs vollen Tribünen leerten sich nach und nach als man zuweilen Trommeln und Schüsse hörte. Im Augenblicke hört man entferntes Pelotonfeuer gegen Barrikaden auf der Zeil, der Dönges­gasse. Besonders viele sollen auf der Schnurgasse sein. Die Oesterreicher sind noch durch ein Bataillon verstärkt. Es ist viel Gesindel in der Stadt. Hoffentlich bekommen wir noch Hülfe von Darmstadt. Heute Abend kann es bunt hergehen. Die Oesterreicher und Preußen stehen noch von heute Nacht auf dem Pflaster. Ich muß mich eilen, damit ich noch zur Post (auf die Zeil) kommen kann.

Die Linke hat nichts von Austreten verlauten lassen. Die Petition von gestern wurde nicht persönlich von Hr. Metternich vorgetragen (vielleicht war er bei den Eindrin- genwoUcnven) sondern vom Präsidenten, da sie des Verle­sens werth sei, gegen den Schluß der Sitzung verlesen.

Art. IV der Grundrechte wurde heute, aber natürlich ohne Aufmerksamkeit, berathen.

-Z- Frankfurt, 19. Septbr. Morgens 9 Uhr *). Die Barrikaden sind in Frankfurt sämmtlich genommen und größtentheils heute Morgen früh schon weggeräumt. In

*) Wir geben diesen Bericht, wie er unter dem Eindruck der sich durchkreuzenden Nachrichten und der gerechtesten Entrüstung niedergeschrieben zu sein scheint. Zur Ehre der Menschheit wolle» wir an die darin berichteten Schandthaten noch nicht glauben nnd hoffen bis heute Abend genau Constatirtes mittheilen zu können.

d. Red.

Sachsenhausen sollen noch welche besetzt sein, jedoch glaube ich nicht daran, denn ich sah viele Leute die Brücke hin lind her passiren. 2 Kanonen stehen auf der Frankfurter Seite mit der Mündung nach Sachsenhausen an der Brücke aufgestellt. Um 6 Uhr gestern Abend wurde eine Zeit lang das Feuern eingestellt, und eine Deputation der Tu­multuanten begab sich zum Reichsverweser, um ihn zu ersuchen das Militair aus der Stadt zu schicken; sie würden als­dann die Barrikaden verlassen. Der Reichsverweser soll auf das Begehr eingegangen sein, allein die Minister nicht, und es ist nur eine Stimme des Lobes über diesen Schritt der Minister. Gegen 7 Uhr fing das Feuern wieder an und bis 8 Uhr schienen, nach dem Aufhören des Feuers zu urtheilen, die Barrikaden genommen zu sein. Mehrere Bar­rikaden auf der Schnurgasse und der Zeil wurden mit Kanonen und Kartätschen genommen, was seine gute Wirkung that. Am meisten haben die Häuser in der Döngesgasse, wo lange Zeit gegen einander gefeuert wurde, der Schnurgasse, Fahrgasse, Zeil, Atterheiligengasse, Friedbergergasse gelitten. Die Truppen haben sich sehr gut benommen und sich nicht solche Grau­samkeiten zu Schulden kommen lassen, als die Tumultuanten. Die Preußen verhielten sich gestern Morgen ganz ruhig an der Paulskirche, obgleich sie mit Steinen geworfen wurden. Bei dem Sturm auf die Thür der Paulskirche hat ein gemeiner Mensch einem preußischen Offizier in das Gesicht gespuckt. Bei diesem Tumult ist ein Sachsenhäuser von einem Soldaten erstochen, was die Sachsenhäuser veranlaßt haben soll, Barrikaden zu bauen. Ein großer Theil der Bür­ger hat sich feige benommen, theils dadurch, daß sie gestern, als sie unter das Gewehr gerufen wurden, nicht erschienen. Welches Loos den Abgeordneten zu Theil geworden wäre, wenn die Tumultuanten gestern Morgen in die Kirche ge­drungen wären, zeigt das unglückliche Schicksal der Abge­ordneten Lichnowsky und Auerswald.. Diese beiden sind von den Tumultuanten erschossen worden und zwar, wie man erzählt, auf eine niederträchtige Weise. Die beiden waren vor das Thor geritten und dort von Tumultuanten erkannt und verfolgt sind sie von den Pferden gesprungen, um sich in ein Gartenhaus zu flüchten. Man hat sie hier ergriffen und nachdem man den bejahrten v. Auerswald halb todt geprügelt, Lichnowsky in einen Keller geworfen, wieder herausgeholt und mit Tritten mißhandelt, habe man