— 793 —
tation aus Wien den Beschluß gefaßt haben, die bestehenden Controversen nur auf gesetzlichem Wege auszutragen, und daß in Ofen und in Pesth vollkommene Ruhe herrscht.
Aus Triest wird berichtet, daß zu Fiume eine provisorische Regierung organisirt werde und vorerst in die Hände des Vicegespans Bunyvacz gelegt sei. Die Hälfte der Garnison sei zum Abmarsch bereit. In Triest fand die Kroatische Sache große Unterstützung. Reiche Sammlungen waren eingegangen.
Wien. Nachdem sich der Reichstag am 13. für permanent erklärt hatte, drängten sich die widersprechendsten Berichte. Bald wurde referirt, Barrikaden seien in Menge errichtet und die Republik sei proclamirt, bald wurden diese Gerüchte als unwahr und ungenau berichtigt. Nur soviel ging daraus hervor, daß man in der Aula die extremsten Dinge versucht hatte, daß auf der andern Seite sich unter den Nationalgarden eine erbitterte Stimmung gegen die Akademiker gezeigt hatte, daß die Nationalgarde selbst nicht einig war, inzwischen aber das Militär gegen die Aula anrückte. Dieser letztere Umstand hatte jedenfalls die Aufregung in der Stadt bedeutend gesteigert. Die Verwirrung war grenzenlos. Die Kammer beschloß endlich augenblickliche Zurückziehung des Militärs und Bildung mehrerer Commissionen. Beide Beschlüsse wurden allmählig ausgeführt. Um 10 Uhr ward endlich die Sitzung aufgehoben und um IV2 Uhr war die Ruhe vollkommen wieder hergestellt. Uebrigens hat der Ministerrath durch eine Bekanntmachung Zusammenrottirungen zum Behufe gewaltsamen Widerstandes mit 6 Monat bis 20 Jahren Gefängniß bedroht.
§ Darmstadt. Die A. A. Zeitung giebt in ihrer Nr. 55 (Beilage) einen historischen Ucberblick über die letzte Geschichte Hessen-Darmstadts. Indem wir die erste Hälfte desselben (die Darstellung der Zustände bis zum kräftigen Auftreten Jaups, welche früher bereits in diesen Blättern erörtert wurden) übergehen, gereicht es uns zur Befriedigung, die Endbetrachtungen hier mittheilen zu können, welche unsere früher geäußerten Hoffnungen und Ansichten so ganz bestätigen. Dieser Schritt, heißt es, — näm- lid) die Vertagung der Kammern durch Jaup — hat im ersten Augenblick etwas überrascht, er wird aber jetzt von der institutionellen Partei beinahe einstimmig gebilligt und es haben sich nicht nur sämmtliche eonstitutionelle Blätter, sondern auch alle institutionellen Vereine im Großherzogthum auf das entschiedenste für Jaup erklärt, ja die Wendung hat die merkwürdige Folge gehabt, daß in wenigen Wochen die eonstitutionelle Partei sich organisirt und eingesehen hat, wohin es führt, wenn sie sich von den Re- publicanern ins Schlepptau nehmen läßt. Man hat eingesehen, daß die Vertagung nur der Gebrauch eines klaren constitutionellen Rechtes war, und für einen Minister, der das eonstitutionelle System im Ganzen im Auge hat, ein anderer Ausweg nicht möglich war. Die Lage war in der That eine ungewöhnliche. Daß eine Kammer selbst sagt, sie besitze das Vertrauen des Landes nicht, ist an und für sich etwas neues, und gewiß kann eine solche Kammer nicht über die Existenz eines Ministeriums entscheiden; die
unverzügliche Auflösung war nicht möglich, denn alsdann hätten die Wahlen nach dem alten Wahlgesetz stattfinden müssen, wogegen sich das Land einstimmig erklärte. Hierzu kam, daß die Auslösung in dem damaligen Momente das Land, in dem die Verwaltung gelähmt war, in die größte Verwirrung gebracht, insbesondere aber das eonstitutionelle Princip in hohem Grade gefährdet hätte. Ueberdieß waren mehrere Deputirte, die persönliche Intriguen zu erblicken glaubten, von der Opposition abgefallen. In dieser Sachlage gab Jaup die Hauptsache zu, versprach ein Wahlgesetz, vertagte aber die ermattete, sich selbst entmannende Kammer, damit in der Zwischenzeit das Volk selbst durch die Presse, die Vereine, Volksversammlungen 2c. seine Ansicht aussprechen, er, der Minister, aber die so dringend nöthigen innern Reformen vornehmen könne. Dieß ist denn auch in erfreulicher Weise geschehen. Die Verwaltung ist neu organisirt, eine Reihe der freisinnigsten Gesetze, wodurch die Religionsfreiheit pergefteilt, das Jagdrecht und die standesherrlichen Privilegien ausgehoben, der Rest der Feudallasten beseitigt werden, ist publicirt, die Einführung der Geschworenen ist in den nächsten Tagen zu erwarten, an der Kirchenreform wird gearbeitet, die Reform der Universität ist begonnen. Die Parteien haben auch rasch ihre Stellung begriffen. Die institutionelle Partei und der bedeutende Theil des Volkes, der sich weniger für eine bestimmte Staalsform begeistert, sondern zunächst die Herrschaft der Gesetze, die Heiligkeit der Volksrechte, Ruhe und Ordnung verlangt, sieht mit Freude das Staatsruder in einer kräftigen, auch durch die Vergangenheit erprobten Hand, die kein Volksrecht verletzt over beengt, aber auch eine „gemüthliche Anarchie" nicht aufkommeu läßt. Die republikanische Partei erblickt in dem erfahrnen Staatsmann, den man, ohne sich lächerlich zu machen, nicht in den Verdacht der Reactionsgelüste bringen kann und der bereits gezeigt hat, daß er regieren kann ohne in irgend einer Weise den Volksrechten zu nahe zu treten, einen gefährlichen Gegner. Der Wiederzusammentritt der Kammern wird in den nächsten Monaten erfolgen und wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß bis dahin selbst ein Theil der Gegner Jaups auf fei= ner Seite stehen wird.
Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten.
Rostock, 11. Septbr. Heute langten die ersten Deutschen Schiffe, mit der schwarz-roth-goldenen Flagge geschmückt, in unserem Hafen an und wurden von einer zahlreichen Volksmenge jubelnd begrüßt. Die intelligenteren hiesigen Rheder, deren Schiffe überhaupt schon nach besserer Con- struction gebaut sind, haben beschlossen, die Deutsche Flagge auch schon bei der nächsten Fahrt von ihren Fahrzeugen wehen zu lassen und so ist denn endlich die Zeit der Schmach, daß mecklenburgische Schiffe unter drei verschiedenen Flaggen fuhren, vorüber.
Rendsburg, 13. Septbr. Proclamation an die Truppen: Soldaten! Ihr seid beim Beginne des Kampfes freudig dem Rufe des Vaterlandes gefolgt — gering an Zahl, schlecht ausgerüstet und kaum mit Führern versehen, stelltet Ihr Euch dem Feinde entgegen. Bald sandte Deutschland uns seine tapferen Krieger zu Hülfe und von ihnen geführt