Hessische Zeitung.
,M HO. Sonntag, den 17. September. A8-T8«
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apolitische Nachrichten. Deutschland.
-r- Frankfurt, 15. Sptbr. 78. Sitzung der D. 9L=S. Sylvrstek Jordan: Der Gegenstand der Berathung ist ein schwieriger und muß inst Ruhe und Besonnenheit behandelt werden. Von vornherein bemerke ich, daß ich das Amendement von v. Maltzahn mitunterzeichnet habe. Man sagt: die Ratification des Waffenstillstandes trete der Ehre Deutschlands nahe, allein das ist nicht der Fall. Die Ueberschreitung der Bedingungen der Cenlralge- walt von Seiten Preußens beruht wohl mehr unfeinem Irrthum, als auf böser Absicht. Die Bedingungen, welche am meisten Widerspruch erfahren haben, sind unausführbar geworden. Nur wenn uns eine schimpfliche Bedingung aufgezwungen war, könnte von einer Ehrenverletzung die Rede sein, allein Preußen hat vollkommen frei gehandelt. Hat Preußen etwas versehen, so ist dies ein Streitpunkt zwischen uns und Preußen. Preußen kann sich nicht Deutschland gegen- übcistellen wollen, es ist mit ihm verwachsen wie die siamesischen Zwillinge. Man sagt, die öffentliche Meinung ist gegen den Waffenstillstand. Wo ist diese öffentliche Meinung? In den Zeitungen, den künstlich herbeigeführten Adressen? (Links: Murren.) Sie ist in den Kammern, in der Paulskirche! Wir leben in der Zeit des Mißtrauens und es ist dieses Mißtrauen ein Zeichen der sittlichen Versunkenheit unserer Zeit. (Links: Unterbrechung.) Ich glaube, man wird bei der Rede eines Mannes, von dem man weiß, daß er das Wohl Deutschlands im Herzen trägt, so viel Ruhe halten können, ihn nicht zu unterbrechen. Man sagt, der Krieg werde Deutschland kräftigen. Eine solche Kräftigung haben wir erfahren und gerade jetzt fehlte sie unS noch! Wenn man nicht ratificirt, würden die deutschen Schiffe, welche jetzt wieder in See gegangen sind, weggenommen werden. Welches Heer hätte man denn, um den Krieg fortzusetzen? Preußen wurde gegen Deutschland stehen müssen (Links Widerspruch), denn Vas verlangt sein gegebenes Wort. Wir haben keine Schiffe, um nach Dänemark zu gelangen und während unsere Heere in Schleswig-Holstein stehen, geht unser Handel zu Grunde. Der Kern der Bevölkerung sehnt sich nach Ruhe und Frieden. Ein Krieg kann unsere Kräfte so erschöpfen, daß wir nicht einmal die Nationalversammlung
mehr erhalten können. (Heiterkeit). Die Aufgabe der Weisheit ist es, sich zusammenzufchaaren und etwa begangene Versehen zu verzeihen. Die Folge wird zeigen, wer das Wohl Deutschlands mehr im Herzen trägt, der welcher das einige Deutschland zerreißen will, oder der, welcher das zerrissene einigen will. (Beifall rechts, Zischen links).
Waitz spricht für Ratifikation mit geschickter Benutzung der Unterhandlungen. Blömer rechtfertigt in einer langen Rede sein Amendement. —
Schoder will Nachweisen, daß die Nachtheile, welche man durch Annahme des Waffenstillstandes vermeiden möchte, durch diese Annahme gar nicht vermieden werden können. Schleswig-Holstein hat sich erhoben, nachdem es bisher nicht immer den wünschenswerthen Grad von Energie gezeigt hat. Bestimmte Concessionen hat Dänemark nicht gemacht, wenigstens offiziell ist uns nichts davon bekannt geworden. Es ist auch nicht zu glauben, daß Dänemark in den Punkten , auf die es hauptsächlich ankommt, nachgehen werde. Deutschland kann die Herzogthümer nicht zwingen, sich den ausgestellten Bedingungen zu unterwerfen. Wir können den Vertrag nicht ratifiziern, denn wir können ihn nicht vollziehen. Wir müssen erklären, daß wir einen anderen ehrlichen Frieden schließen wollen. Ganz Süddeutschland ist gewillt, sich zu erheben, selbst auf Vie Gefahr eines europäischen Krieges hin, dessen Folgen es zumeist treffen würden. Man wird dem Norden Ersatz bieten für die Verluste, die er zu erleiden hat. Nach dem siebenmonatlichen Waffenstillstände würde man ja ohnehin zum Schwerte greifen müssen, da Dänemark alsdann gewiß nicht nachgiebiger sein würde. Zu einem billigen Frieden werden wir stets bereits sein; es ist aber der Nationalversammlung würdig, offen zu erklären, daß sie auf einen solchen Waffenstillstand nicht eingehen kann. Meine Herren! Sie werden entscheiden, ob die Revolution des März uns zur Einheit führen soll, oder ob es dazu einer neuen, vielleicht noch blutigeren Revolution bedarf.
Der Schriftführer Simson I. verliest das Verzeichnis der 67 eingelaufenen Adressen , von welchen sich 66 für Billigung des Beschlusses vom 5. Sept, aussprechen. Es sind darunter 2 Adressen aus Nassau , 5 aus Baden , 8 ans Würtemberg, 12 ans Baiern. 10 aus dem G. H. Hessen, 5 aus Kurhessen , 6 aus Preußen, 2 aus Braunschweig, 3 aus Hannover, 1 aus Frankfurt, 1 anë Oesterreich,