Beilage zu Nr. 109 der Neuen Hessischen Zeitung.
ff Gaffel, 15. Sept. Bei Gelegenheit der Einberufung und Ernennung des bisherigen Sigmaringer Geheimraths von Schenck zu Schweinsberg zum Vorstande des Ministeriums des Aeußern sind verschiedenartige Stimmen laut geworden, aber auch Gerüchte aufgetaucht, die wie jenes in der zweiten Beilage der Nr. 248 des Frankfurter Journals auf Irrthum beruhen. Wir können aus zuverlässiger Quelle versichern, daß der Justiz-Minister v. Baumbach der Entschließung des Kurfürsten zu jener Einberufung durchaus fern gestanden hat. Daß aber Herr von Schenck bestimmt sei, gelegentlich die Stelle des Regierungsraths Eberhard, des Vorstandes des Ministeriums des Innern, einzunehmen, gehört nun vollends den unruhigen, wenn nicht absichtlichen Eingebungen eines überall herrschenden Mißtrauens an. Dies Gerücht ist so wenig gegründet, daß Herr von Schenck vielmehr durch seine persönliche Hochachtung für Eberhard, mit welchem er während seiner frühern Dienstzeit in Hanau häufig in Berührung gekommen ist, sich zur Annahme seiner Einberufung in ein von von so vorzüglichen Persönlichkeiten besetztes Ministerium hat mitbestimmen lassen. Gerade aus Achtung gegen diese Männer hat sich Herr von Schenck, der vom Kurfürsten als wirklicher Minister mit dem hiermit verbundenen Gehalt einberufen worden, aus eignem Antrieb beschieden, die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, 'so lange dies noch erforderlich ist, nur unter der Bedingung zu überneh- nehmen, daß ihm, gleich Eberhard, nur die Vorstandschaft jenes Ministeriums übertragen werde. Wir dürfen hinzufügen, daß bereits ein anderer repräsentirender ehrenvoller Posten für Herrn von Schenck in's Auge gefaßt ist.
Italien
Livorno befand sich am 5. Sept. noch im Besitz des Volks, das die Stadt verbarrikadirt und Corsini und Guer- razzi an die Spitze einer provisorischen Regierung gestellt hatte. Dem Letzter» soll es gelungen sein, die Ruhe wieder herzustellen. Die Forts sind noch in den Händen der Regierungstruppen. Inzwischen soll Gen. v. Lougier mit einem ansehnlichen Korps schon gegen Livorno ausgebrochen sein, auch sammeln sich an mehreren Orten Toskana's die Bürgerwehren, um gleichfalls nach Livorno zu gehen und die Insurrektion zu unterdrücken. Der Großherzog hat eine Proklamation gegen die Anarchisten erlassen und will sich selbst an die Spitze der Bürgerwehr stellen.
Albini und die piemontesischen Truppen haben endlich Venedig wirklich geräumt unv am 8. ist die ganze kaiserliche Flotte von Triest nach der Lagunenstadt abgesegell.
Großbritannien.
Aus Falmouth wird gemeldet, daß am 6. Abends und am 7. früh in Folge des Waffenstillstandes 40 preußische und Deutsche Schiffe, die seit lange im Hafen lagen, nach ihren Bestimmungsorten abgesegelt sind. Am nämlichen Tage fuhren auch zahlreiche preußische re. Schiffe von Plymouth ab.
London, 11. September. Lord John Ruffel hat am Sonnabend Dublin verlassen und sich nach Schottland begeben.
Ungarn.
Nachrichten aus Wien vom 10. d. M. zufolge hat Jel- lachich am 7. die Drawe passirt. Von der slawonischen Militärgränze bewegt sich ein Korps von 80,000 Mann zur Unterstützung der Raitzen. Die Wallachen und Siebenbürgen sind äußerst schwierig, und drohen ebenfalls, in offenem Kampfe gegen das in der Minorität befindliche Magyarenthum auszutreten. Am 12. wurden Nachrichten von Pesth erwartet. Jedenfalls sind die entschiedensten Schritte dort zu erwarten.
Nachrichten aus Wien und und Oedenburg zufolge ist die Parlaments-Deputation nach Wien wieder in Pesth eingetroffen. Sie ward jedoch dort sehr übel aufgenommen, da die dortigen Bürger und Bewohner von den republikanischen Tendenzen, die jene Deputation nun zur Schau tragen möchten, nichts wissen wollen. Der Sturm gegen die Ankommenden war so groß, daß man sie nicht landen lassen wollte und sie zwang, die rothe Fahne abzunehmen, während in Preßburg selbst die weiße Fahne weht. Den neuesten Nachrichten aus Agram zufolge wird der Banus mit seiner Armee erst am 10. und 11. den Uebergang über die Drawe bewerkstelligt haben.
Donaufürstenthümer.
Bukarest, 26. August. Suleiman-Pascha hat uns vorgestern nach btägigem Aufenthalt verlassen, nachdem er sich von der Loyalität und Ehrenhaftigkeit unserer neuen Statthalterschaftsregierung und von der wahren Gesinnung des romanischen Volks überzeugt hatte, das mit der unge- heuchellsten Anhänglichkeit und Ergebenheit für seinen Sou- verain die standhafteste Begeisterung für die Erhaltung seiner errungenen Freiheit bewahrt; zuvor hatte er die Bojaren, welche sich aus dem Ausland eingefunden hatten, um den neuen Zustand der Dinge zu verdächtigen, auf das ernstlichste ermahnt, nicht zu vergessen, daß er im Namen des Sultans in officieller Weise und zu wiederholten Malen die Lokumtenenz als legale Regierung anerkannt habe und daher Jedermann ihren Befehlen zu gehorchen schuldig sei oder gewärtigen müsse, als Störer der öffentlichen Ruhe und als Rebell gegen den Sultan bestraft zu werden. Um jedoch gegenüber solchen Reaktionären seine Gesinnungen auf eine eklatante Weise persönlich zu manifeststen und ihrem Treiben ein Ziel zu setzen, berief Suleiman-Pascha am 22. August die Regierungsmitglieder, sämmtliche Bojaren, den Handelsstand und die städtischen Korporationen zu sich, und nachdem derselbe in einer Anrede sämmtliche Ereignisse der Revolution rekapitulirt, die Hochherzigkeit und Ergebenheit der romanischen Nation gegen ihren Sou- verain gelobt, die Locumtenenz wiederholt als die dermalige rechtmäßige Regierung anerkannt und Jeden, der ihr nicht Folge leisten werde, als Rebellen erklärt hatte, verlangte