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Minister bereit gewesen. Zu einem Eingehen auf Modifi- cationen des Vertrages habe er denselben nicht so will­fährig gefunden. Allein er habe zugestanden, daß Moda­litäten bei der Ausführung unter Mitwirkung der Central­gewalt stattfinden sollten. Er habe versucht, ob unter den Parteien der Nationalversammlung eine Ausgleichung auf diese Bedingungen hin zu erzielen wäre; dies sei miß­lungen. (Also wird auch v. Hermann kein Ministerium zu Stande bringen?) So sei er auf seinen ursprünglichen Standpunkt zurückgekehrt und stimme für Verwerfung des Waffenstillstandes. Das ganze sei nur eine Ministerfrage; es handle sich nicht um die Ehre Preußens selbst. Er glaube nicht an einen Krieg unter den Deutschen Stämmen, die in der Nationalversammlung repräsentirt seien.Haben wir denn solche Feindseligkeiten im Leibe (Große Heiter­keit), daß wir uns bekämpfen sollten?" Unsere Bundesge­nossen sind alle Die, welche die Einheit und Freiheit lie­ben. Es ist ein schlechter Waffenstillstand geschlossen, schließen wir einen besseren! (Beifall und Heiterkeit.) Uebri- gen? würden wir einen Krieg nicht zu scheuen haben; er würd: Deutschland einigen und kräftigen. Es sollte mir nicht schwer werden, den Seekrieg zu führen. Mit 6 Mil- kionen würde ich Schiffe kaufen, ich würde Kaperbriefe ausstellen. Dänemark verdient Achtung für die Energie, mit der es einen ungerechten Krieg geführt hat. Hüte sich Deutschland, daß es nicht zum Kinderspotte werde. (Großer Beifall, Zischen.)

v. Schmerling. Ich habe mich neulich, als ich sprach, als Abgeordneter bezeichnet, ich hätte gewünscht, daß die beiden Herrn aus Baiern (v. H. ü. Eisenmann) auch ge­sagt hätten, als was sie hier sprachen. Ich wenigstens bin mir nicht klar, ob sich der Vorredner als Minister oder als Ministercandidaten oder Abgeordneter ansehen soll. (Links: Zur Ordnung!) Ich bin dem Vorredner auch dankbar für den guten Rath , welchen er dem abgetretenen Ministerium ertheilt hat, möchte nur wissen, welche besse­ren Mittel derselbe, nachdem er 8 Tage Zeit hat darüber nachzudenken, vorschlägt. Für Dänemark bestand die Centralgewalt noch nicht, denn sie war ihm noch nicht noti- sizirt. (Links: Warum nicht?) Weil man Feinden, mit denen man Krieg führt, keine Notifikationen schickt. Daher konnte die Centralgewalt nicht direkt mit Dänemark ver­handeln. Der Vorredner hat davon gesprochen, wie er dem preußischen Kabinete bald diese bald jene Bemerkung ge­macht haben würde; als ob zwischen Frankfurt und Berlin eine so leichte Communikation wäre, wie zwischen hier und Sachsenhausen. Der Vorredner habe das abgetretene Mi­nisterium seiner Kritik unterworfen, allein er habe darin nicht gefunden, was die Sache besser gemacht hätte. (Bei­fall rechts, Zischen links.) Die Sitzung wird hierauf auf Morgen vertagt.

Der Verlauf der Sitzung war ein ruhiger und wurde durch keine Zwischenfälle unterbrochen. Ueber den Ausgang der Verhandlungen läßt sich wohl so viel voraussehen, daß die Ratifikation des Vertrages ausgesprochen werden wird, wenn auch unter der Bedingung einiger daran vorzuneh­menden Modifikationen.

In Wien ist am 12. die Ruhe ernstlich gestört wor­den durch arme Gewerbsleute, welche Staats-Garantie für

die Actien ihres Unterstützungsfonds verlangten. Da An­fangs die Garde nicht energisch auftreten wollte, rückte Militair aus, doch dadurch ward der Sturm noch mehr erregt, und die akademische Legion verbunden mit Garde löste jetzt (4 Uhr) das Militär ab und die Ruhe ist äußerlich hergestellt.

Berlin. In der Sitzung vom 14. Septbr. ward der Nationalversammlung ein Schreiben des Minister-Präsiden­ten v. Auerswald mitgetheilt, worin derselbe anzeigt, daß, da Hr. V. Beckerath erst am 14. erwartet werde, die Bil­dung des Ministeriums noch nicht vollführt sei, weshalb er auch anheimgebc die Versammlungen noch auszusetzen. Au­ßerdem zeigte der Präsident noch an, daß am nächsten Dienstage das Schauspielhaus zur Aufnahme der Versamm­lung bereit sein werde. Bis dahin habe für den Nothfall der Rector der Universität die Aula bereitwillig zugesagt. Die Sitzung wurde dann bis zum Dienstag vertagt.

Dresden, 13. Sept. Abends 7 Uhr. Nachdem durch die Feigheit der ChemnitzerKommunalgarde, durch Unterhandlun­gen rc. der Ucbermuth und die Ercesse der seitdem dort ihr Wesen treibenden Ruhestörer immer ärger geworden, ist endlich Militär in Chemnitz eingerückt. Folgende Depesche theilt das Dresdener Journal so eben mit: Dresden, 13.Sept.Mit­tags. Rittmeister Helbig und ungefähr 20 Sol­daten sind geblieben,Geh. RegierungsrathTodt durch einen S t e i n w u r f auf der Brust v e r w u n - det. Die reitende Batterie ist von Radeberg hierdurch nach Chemnitz abgegangen.

* Kassel, 16. Sept. Gestern war ein Tag, an welchem vor 18 Jahren am 15. Sept. 1830 Kurfürst Wilhelm II. dem draußen harrenden Volke eine Verfassung gewährte. Der Tag wurde in den ersten Jahren der Ver­fassung festlich begangen, später unter dem Schreckens- Regiment eines Hassenpflug, Bickel, Scheffer rc. versank Alles in schweren Schlaf und auch die Feier des Tages verstummte. Gestern nun ward der Tag wieder ein we­nig gefeiert, ein menig freilich nur. Deutsche Fahnen in den Fenstern, Mittags eine schwach besuchte Bürgerwehr- Parade, ein Hoch des Majors Eissengarthen auf das einige Deutschland, Abends einige Festessen, das war Alles. Viel­leicht war es der Ernst dieser verhängnißvollen Zeit wel­cher ein Mchres nicht erlaubte, vielleicht war noch die Folge und der Eindruck jener für Hessen so schimpflichen, jämmerlichen Zeit, vor welcher uns die geschriebene Ver- fassungs-Urkunde aberdings nicht zu bewahren vermochte. In diesem Falle geben wir zu bedenken, daß, wenn die Menschen nicht frei sein wollen und können, auch die beste Verfassung und unsere Kurhessische zählte damals zu den besten sie nicht zu schützen vermag. Die Kurhes­sen haben sich selbst und den geschichtlichen Verhältnissen die frühere Nutzlosigkeit ihrer Verfassung zuzuschreiben. Die Verhältnisse haben jetzt eine europäische Revolution erlebt, sie können nicht wieder werden wie früher, möchten nun auch die Kurhessen nie wieder in die frühere Schwäche und Lethargie gerathen. Dann werden sie erst wahrhaft frei, dann aber auch gerecht werden gegen die Licht- und Glanzpunkte ihrer Geschichte. Ein solcher war aber ohne Zweifel der 15. September 1830.

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