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auch aus einige Mitglieder des Herrscherhauses sehr deutlich zeigte, erklärte er, daß das Ministerium in dem ihm vom Gesetz zugewiesenen Wirkungskreise das Vaterland aus der Gefahr nicht retten könne, daß „während der „gefahrvollen Umstände eine außerordentliche Machtvoll- „kommenheit an die Stelle der gesetzlichen Gewalt gesetzt „werden müsse." Den Namen der Diktatur sprach er zwar nicht aus, sie war aber handgreiflich. Die von Kossuth nun gestellten speciellen Anträge wurden vom Hause mit Einhelligkeit angenommen und lauten wie folgt: 1) Obergespann Edmund v. Bcö'thy, welcher sich gegenwärtig als Regierungscommissar im ungarischen Lager befindet, ist zum Kriegscommissar mit unumschränkten Vollmachten ernannt und hat im Einvernehmen mit dem Kriegsminister L. Meßa- ros, der ebenfas im Lager ist, die Kriegsführung solchen Händen zu übergeben, welche das volle Vertrauen verdienen. Gegen diesen Beschluß haben sich 2 Stimmen erhoben, welche aber nur gegen die Persönlichkeit des sehr hitzigen Beöthy gerichtet waren. 2) Es wird noch heute eine Deputation aus beiden Häusern nach Wien gehen, um den Könm noch einmal aufzufordern, dem Gesetz und seinem wiederholt gegebenen Versprechen gemäß zur Sanctionirung der neu gebildeten Gesetze und zu längerm Aufenthalt hierher zu kommen. Wenn die Deputation binnen 24 Stunden keine definitive Antwort vom Könige erhält, so hat sie sofort Wien zu verlassen. Gegen diesen Beschluß sprach nur der Baron Senyei, ein alter Anhänger Metternichs. 3) Wird eine Commission zur Ausarbeitung zweier Manifeste niedergesetzt, deren eins an die Völker Europas, das andre an die Bewohner Ungarns gerichtet sein soll. Kommissare aus der Mitte des Landtags werden zur Aufklärung des Volkes nach den verschiedenen Gegenden mit entsprechenden Vollmachten abgehen. 4) Der Landtag ernennt ein Comite, welches im Einvernehmen mit dem Ministerium den Kroaten die Gewährung aller ihrer billigen Wünsche, insoweit diese nämlich vielmehr im Interesse der Kroaten als nicht sowohl der reaktionären Cama- rilla liegen, bieten und auf solche Weise die friedliche Ausgleichung versuchen soll. Diese Beschlüsse wurden auch vom Oberbause, welches heute eine außerordentliche Sitzung in der Nacht hielt, angenommen. Wir befinden uns also in voller Revolution und zwar in einer sehr ernsthaften. Kaum wagen wir an die weitere Entwickelung zu denken. Von den nächsten Entschließungen des Königs wird das Geschick der ganzen österreichischen Monarchie abhängen.
Schweiz.
Bern, 5. Septbr. Gestern ist die Tagsatzung wieder zusammengetreten. Nach der Beeidigung einiger neu eingetretenen Gesandten wurde der sehr ausführliche des Vororts über seine Geschäftsführung vorgelesen, worin namentlich alle Schritte des Vororts auf die durch die italienischen Angelegenheiten eingetretenen Verwickelungen umständlich mitgetheilt werden. Aus dem Bericht ist die von uns bereits erwähnte Mittheilung hervorzuheben, daß König Karl Albert vorhabe, mit Oesterreich direkt und ohne Vermittelung zu unterhandeln rc.
In Bezug auf die Bundesverfassung weiß der Bericht noch nicht das vollständige Resultat: es haben sich jedoch danach 14'4 Stände für Annahme und 3*/2 für Verwerfung ausgesprochen. Nach einigen weiter erlangten Berichten, die der Präsident mittheilt, hat auch Waadt unzweifelhaft angenommen.
Bei der Behandlung der Frage über Niedersetzung einer Commission für die Vorarbeiten zur Einführung des neuen Bundes, erklärte der Gesandte von Uri, daß, da das Urner Volk in seiner großen Mehrheit den neuen Bundesentwürf verworfen habe, die Gesandtschaft an der Wahl dieser Commission keinen Antheil nehmen könne. Zugleich erklärte der Gesandte, daß die Gründe der Verwerfung hauptsächlich confessionel- ler, theilweise aber auch finanzieller und politischer Natur gewesen seien. Aehnliche Erklärungen geben die Gesandtschaften von Schwyz und Unterwalden. Dagegen erkärte der Gesandte von Wallis, daß, obgleich die Bevölkerung seines Kantons den Bundesentwurf mit großer Mehrheit verworfen, die Regierung dennoch beschlossen habe, sich dem Mehrheitswillen des Schweizervolkes zu fügen und die Gesandtschaft daher bei der Wahl der Commission sich betheiligen werde. In gleichem Sinne äußert sich der Gesandte von Tessin, dessen Kanton bis jetzt noch nicht abgestimmt hat und dessen Entscheidung noch sehr zweifelhaft ist. — Dagegen eröffnet der Präsident der Versammlung, daß, nach so eben angelangten officiellen Berichten, das Volk in Waadt mit großer Mehrheit sich für Annahme des neuen Bundes ausgesprochen habe. — Es wird sodann zu der Wahl der Commissionsmitglicdcr geschritten, deren Zahl auf 9 festgesetzt wird. Gewählt werden die Herren: Bundespräsident Funk, Bürgermeister Zehnder, Anton Schnyder von Luzern, Präsident Briatte von Waadt, Landammann Munzinger, Präsident Fazy von Genf, Oberst Stählin von Basel, Landammann Hungerbühler von St. Gallen und Oberst Luvini.
Italien.
Bologna. Die Nachrichten aus Bologna lauten sehr trübe. Man giebt die Masse des bewaffneten Straßengesindels auf 40,000 an. Ohne gegen den äußeren Feind das Mindeste zu leisten — die Heldenthaten dieser crociati bestehen in Zerstörung von Brücken, Wegen, ruiniren sie den Wohlstand und lösen alle Bande der Ordnung. Die Civica haben sie bereits entwaffnet. Da ist es kein Wunder, daß man sich die Oesterreicher zurück wünscht. Das römische Staatsdeficit ist bereits auf 5 Millionen angewachsen und noch sind wir nicht am Ende deS Festes. Für ein Fünffrankenstück werden große Summen geboten. Die Gazetta die Roma warnt vor verschiedenen offenen und geheimen Agenten des heiligen Stuhls im Aus lande. Es seien freche Betrüger und man müsse in Erinnerung bringen, was sich eigentlich von selbst verstehen sollte, daß sich der Pabst zu kirchlichen oder Staats-Missionen nur namhafter Personen bediene und sich zu solchem Zwecke nicht geheimer Wege bediene, sondern öffentlich und in einer Weise verfahre, welche seinem Ansehn entspreche.
Beilage