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Frankreich nur unbedeutend eingeführt werden und der Ein­gangszoll gerade auf diese verhältnismäßig am Meisten mit erhöhet ist. Es wird überdies auch von hiesigen Kauf­leuten versichert, daß ihre französischen Geschäftsfreunde nicht geneigt sind, die Preise für seidene Waaren auf Grund der verheißenen Ausfuhrprämie billiger zu stellen, da die Prä­mien erst in 6—8 Monaten zahlbar sind und deren wirk­liche Erlangung ihnen bei der Finanzlage ihres Vaterlands dubiös erscheint.

Potsdam. In Potsdam ist am 12. Abends (laut eine Nachschrift der Zeitungs-Halle) eine Emeute ausge­brochen. Das Füsilier-Bataillon des 2. Garde-Regiments hat sich gegen seine Officiers ausgelehnt und gefangene Kameraden befreit, das Volk hat mit ihm sympathisirt, die aufgebotenen Truppen haben gerufen: sie schössen hoch re. Zuletzt hat die Bürgerwehr die Ruhe hergestellt. Veran­lassung sollen adlige Geldspenden an die Kämpfer des 18. März gewesen sein, welche aber von den Soldaten als Blutgeld mit Entrüstung zurückgewiesen worden seien. Dar­auf seien einzelne Soldaten eingesteckt, mehre Kompagnien zu nächtlichem Straferercitium angehalten worden und das habe große Erbitterung erregt.

In Schweidnitz ist, an die Stelle des aus der Kam­mer geschiedenen Pastor Pepche, Dr. Pinoff aus Breslau mit großer Majorität gewählt worden.

Stuttgart. Alle politische Vereine in Stuttgart wol­len den Würtembergischen Abgeordneten in Frankfurt ihre Gesinnungen in der Schleswig-Holsteinschen Frage in einer Weise kundgeben, daß diese sagen könnten: „Hinter ihnen siehe der ganze schwäbische Volksstamm." Für den 10. ist wegen des Waffenstillstandes eine große Volksversamm­lung nach Cannstatt ausgeschrieben.

Stuttgart, 8. Septbr. Auf die Nachricht von dem hochherzigen Beschlusse der Nationalversammlung haben die beiden hier bestehenden und sich gegenüberstehenden Vereine, der vaterländische und der Volksverein auf die Mahnung des Kanzlers v. Wächter, den Sinn der Einigung auch im Kleinen zu bestätigen, und jetzt, im Augenblicke der Gefahr, die kleinen inneren Streitigkeiten fallen zu lassen, — sich schnell über die Grundsätze und die- Haltung geeinigt, welche der schwäbische Volksstamm jetzt anzunehmen habe. Mitglieder beider Vereine traten zusammen, um eine ge­meinsame Erklärung zu entwerfen. Diese ist dann vom Kanzler v. Wächter verfaßt worden und lautet: „Hohe Nationalversammlung! Die Krone Preußen hat in ihrem Namen und im Namen einer Gewall, welche in Deutschland nicht mehr besteht, einen Waffenstillstand mit Dänemark geschlossen, der unser ganzes Vaterland erschüt­tern wird; sie hat ihn geschloffen mit entschiedener Verletzung der Bestimmungen, welche die Reichsgewalt festgesetzt hatte, geschlossen mit gänzlicher Beseitigung der Reichsgewalt und mit schnöder Behandlung ihres Abgesandten. Soll durch diesen Vertrag, welchen die Nationalversammlung in ge­rechter Weise gewürdigt hat, die Freiheit Deutschlands, die Bedingung seiner Macht, Größe und Ehre, deren endliche Verwirklichung die lang geprüfte Geduld Deutschlands end­lich einmal erwarten dürfte, sollen dadurch alle Errungen­

schaften der letzten Zeit in Frage gestellt werden? Ist eS unselige Verblendung oder ist es Verrath, welcher hier thä­tig war? Wir eilen, in dieser das Lebensprinzip für Deutschlands Ehre und Wohl bedingenden Frage unser erneuertes Vertrauen zu den Vertretern des deutschen Volks und unsere Treue gegen die von ihnen gegründete Gewalt auszusprechen. Wir Alle und mit uns gewiß die über­wiegende Mehrzahl der Würtemberger — wir sind bereit, für unser deutsches Vaierland und seine Einheit Gut und Blut einzusetzen; möge die Nationalversammlung kräftig und entschieden voranschreiten auf dem Wege, der uns allein Einheit und Kraft nach Innen sichern und Ehre und Ach­tung nach Außen geben und erhalten kann. Jeder Deutsche, der sein Vaterland wahrhaft liebt, wird den Zwiespalt, der etwa über andere Begebenheiten in seinen Kreisen bestand, jetzt bei Seite legen, nur an die Abwehr des großen und drohenden Unsterns denken und gegen jeden Feind der Deutschen Sache, komme er von außen, oder drohe er im Innern mit verräterischen Sondergelüsten, mit vereinten Kräften auflreten! Möge die Nationalversammlung über uns gebieten, wir werden wie ein Mann zu ihr stehen!"

Ungarn.

Auch die slavonische Stadt Effepp und die syrmische Stadt Vukowar sind ohne Schwertstreich von den Kroaten besetzt worden. Die Stärke der dem Banus zu Gebot stehenden Gesammt-Armee, mit Einschluß der Serben, wird auf mehr als 100,000 Mann angegeben.

Pesth, 4. Septbr. Die Ungarn haben am 2. d. einen glänzenden Sieg unter Anführung des vortrefflichen unga­rischen Obersten Ernest Kiß erfochten. Das feindliche La­ger bei Perlaß ist mit Sturm genommen und der Feind in die Flucht geschlagen worden. 7 Kanonen, viele Mu­nitionswagen und Gefangene sind die Trophäen des ersten Sieges. Der Feind wird verfolgt und man sieht weitern entscheidenden Kämpfen jeden Augenblick entgegen. Diese bedeutende Waffenthat haben die Freiwilligen, die Mobil­garde und das ungarische Infanterieregiment Don Miguel vollbracht. Die österreichischen Offiziere in diesem Regi- mente haben wieder auf eklatante Weise ihre Verrätherei manifestirt. In dem entscheidenden Moment eommandirten sie zum Rückzug, aber die trefflichen Soldaten hörten nicht auf das Kommando, sondern folgten dem Beispiel der Frei­willigen und wurden mit bestem Erfolg belohnt. Die Offiziere nahmen, mit Schmach beladen, sogleich ihre Ent­lassung. Auch der Oberbefehlshaber, General Bechtold, dessen Leitung die bisherige Erfolglosigkeit der ungarischen Waffen zuzuschreiben ist, wurde entlassen. — Aber viel Wichtigeres ging heute in den beiden Häusern des Land­tags vor. Nachdem der Minister des Innern, B. von Szemere, im Repräsentantenhaus? die Depesche vom Kriegs­schauplatz verlesen, betrat der Finanzminister Kossuth die Tribüne. Leichenblaß und von Krankheit gebeugt, ward er vom Hause gebeten, fitzend zu sprechen. Seine Rede war diesmal ganz kurz, aber von unbeschreiblichem Ernst, jedes Wort centnerschwer. Nachdem er die schändlichen Machi­nationen der reaktionären Kamarilla dargelegt, wobei er