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Hessische Zeitung.

^M tO8e Freitag, den 15. September. 18^8.

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Uuterhaltrmgsblatte, und wird um 11 Uhr Morgeuâ ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 3 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Schleswig - Holsteins che Angelegenheiten.

Kiel, 10. Sept. Gestern Abend sind die ausgewcch- selten Gefangenen des letzten Transportes über Rendsburg hier angekommen und scheint Art. 4 der Waffenfiillstands- bedingungen nunmehr ganz vollzogen zu sein.

11. Sept. Die aus Frankfurt hergedrungene Be­fürchtung, der Waffenstillstand könne genehmigt werden, hat keineswegs einen durchaus niederschlagenden Eindruck ge­macht. Man ist hier überzeugt, daß mehrere Punkte des Waffenstillstandes, möge derselbe auch aller Orte ralificirt werden, bei der Haltung des Landes und der Landesver- fammlung, durchaus unausführbar sind, so daß jedenfalls Modificationen desselben eintreten müssen. Dies sind die Früchte des Versehens der preußischen Regierung, welche, statt sich mit der Stimmung im Lande bekannt zu machen und mit der provisorischen Regierung in Einvernehmen zu setzen, der intern absichtlich die Unterhandlungen verhehlte. Das alte Spiel der Diplomaten mit den Völkern geht in der That nicht mehr.

11. Septbr. Man spricht hier und in Rendsburg von folgender Combination einer neuen provisorischen Re­gierung: General v. Bonin, Präsident, Graf Reventlow- Pretz und Beseler, und außerdem zwei vom Herzog zu er­nennende Mitglieder.

Stettin, 11. Septbr. Laut an heutiger Börse auf- liegender Meldung haben Deputirte der Kaufmannschaft in Berlin die Zusicherung erhalten, daß der Waffenstillstand von Seiten Preußens unter allen Umständen werde auf­recht erhalten werden.

Rendsburg, 11. Septbr. General v. Wrangel ist am DineStag in Altona angekommen und an demselben Tage nach Berlin weiter gereift.

Kopenhagen, 9. Sept. Die Nachricht, daß mit einer Majorität von 17 Stimmen in der Frankfurter Versamm­lung beschlossen worden, daß die Deutschen Truppen nicht aus Schleswig-Holstein rücken sollen, hat hier gar keine Sensation erregt, auch keine Praventivmaßregel im Ab­gänge der Deutschen Schiffe, wovon mehrere rostocker und hannoversche bereits abgegangen, veranlaßt.

Von allen Seiten vermehren sich die Aeußerungen der

Entrüstung über die Bedingungen des Waffenstillstandes. Nicht blos von Vereinen und Volksversammlungen ergehn Adressen rc. (wir erwähnen heute die in Lüneburg unter dem Vorsitz von Grumbrecht abgehaltene Volksversammlung, welche die Nationalversammlung bittet, die Ratification des schmachvollen Waffenstillstandes verweigern und den gerech­ten Widerstand der Herzogthümer Schleswig-Holstein gegen denselben aus allen Kräften unterstützen zu wollen; eine in Kassel am 13. d. M. gehaltene Volksversammlung hat eine Adresse an die Nationalversammlung und einen Zuruf an Schleswig-Holstein in gleichem Sinn beschlossen,) sondern, was wichtiger ist, auch Deutsche Ständeversamm­lungen bleiben nicht zurück; so hat die Ständeversammlung zu Braunschweig den vom Abgeordneten v. Cramm Summeen gestellten Antrag angenommen:die Stände­versammlung wolle in Erwägung, daß durch die Be­dingungen des zwischen Preußen und Dänemark abge­schlossenen Waffenstillstands-Vertrages die Ehre und In­teressen Deutschlands gefährdet sind, die Landesregierung ersuchen, danach den diesseitigen Gesandten bei der Reichâ- centralgewalt dahin mit allen Kräften wirken zu lassen, daß die Würde und das Wohl des Gesammtvaterlandes nöthigenfalls durch Verweigerung der vorbehaltenen Ge­nehmigung der Deutschen Centralbehörde gewahrt werde." Der würtembergische Landesausschuß aber hat folgenden Aufruf erlassen: Das preußische Cabinet hat in Malmö für Deutschland einen Waffenstillstand abgeschlossen, unter Bedingungen, wie sie nur einem Besiegten oder verachteten Feinde auferlegt werden. Er verletzt die Vollmachten, welche Preußen von der Centralgewalt erhalten hat, er überliefert Deutsche Brüder der Knechtschaft der Dänen, er ist nach Form und Inhalt eine Schmach für Deutschland. Die Nationalversammlung wußte, was sie der Ehre Deutsch­lands schuldig war; sie hat im Vertrauen auf die that­kräftige Unterstützung des Deutschen Volkes die Vollziehung des Waffenstillstands zu sistiren beschlossen. Mit diesem Beschlusse hat sie thatsächlich den Waffenstillstand selbst ver­worfen und sich bereit gezeigt, den Kampf mit den äußern wie mit dem innern Feinde aufzunehmen. Die Stunde der Entscheidung ist gekommen; das neue Deutschland soll die Bluttaufe empfangen. Endlich wird es sich zeigen, ob die Reden von seinerEhre, Einheit und Macht" nur lügnerische Phrasen im Munde von Derräthern waren,