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eines freien, starken und geordneten Oesterreichs." Der Minister erklärte schließlich sich und seine Collegen jederzeit für verantwortlich, nicht blos im moralischen Sinne und daß sie stets für ihre Handlungen Rechenschaft abzulegen bereit seien. Das Gesetz über die Unterthänigkeit werden sie baldigst zur Ausführung bringen. Der Reichstag schloß sich durch Akklamation diesen Ansichten an. Die Wiener Zeitung enthält in ihrem heutigen Blatte Folgen­des :Noch haben die Unterhandlungen zur Herstellung des Friedens mit dem Könige von Sardinien wenig Fortgang gehabt. Indessen hat aber die kaiserliche Regierung den Entschluß gefaßt, mit der neuen Konstituirung des lombar­disch - venetianischen Königreichs nicht länger zu zögern, und zu diesem Behuf in Bälde Deputirte aus den verschie­denen Provinzen desselben nach Verona zu berufen, welche die künftige Verfassung des Landes nach den Grundsätzen größter Freiheit und mit gehöriger Beachtung der Nationa­lität in Berathung zu nehmen haben werden. Diese De- putirten sollen nach dem Maßstabe der Bevölkerung bemessen werden. Die innere Administration wird rein italienisch sein.

mi, 6. Septbr. Die am 7. angekommene unga­rische Deputation wollte heute dem Kaiser die Auf­wartung machen. Freunde riefen ihnen jedoch, die Adresse, welche sie mitgebracht hatten, zu ändern, nämlich die Dro­hungen daraus wegzulassen; es wird also erst morgen diese Adresse dem Kaiser übergeben werden; sie wird aber wahr­scheinlich ohne Erfolg bleiben. Das hiesige Ministerium unterstützt sie keineswegs; welches üble Folge haben dürfte. Esterhazy, Minister des Auswärtigen, hat abgedankt. Es ist eine provisorische Regierung und Kossuth als Dikta­tor derselben bestimmt; so heißt es. Die Demission des Ministers Schwarzer ist vom Kaiser nicht angenommen worden. Schwarzer wird also, indem er auf derselben be­harrt, von morgen an sein Amt nur provisorisch be­kleiden, was Minister Kraus bereits seit zwei Monaten thut.

W i e n. Frankreich und England verlangen in eben eingereichten Noten, daß während der Vermittelung Ve­nedig nicht angegriffen werde. Mittlerweile hat die Regierung den Beschluß gefaßt constituircnde lombardisch- venezianische Stände, freigcwählt, nach Verona zu berufen.

Berlin, 9. September. DerStaatsanzeiger" meldet den Rücktritt des St a a t s in i ni st er i u m s in folgen­dem Artikel vom 9. September.Bereits am gestrigen Tage haben sämmtliche Minister bei des Königs Maj. ihre Entlassung nachgesucht. Se. Maj. haben sich allerhöchst ihre Entschließung vorbehalten. Im Laufe des heutigen Vormittags ist der Präsident der National-Ver- sammlung, Grabow, zu Sr. Maj. nach Sans­souci e i n g e l a d e n worden.

Berlin. In der Sitzung der Nationalversammlung vom 11. Septbr. waren sämmtliche Minister erschienen. Unter tiefer Stille der Versammlung erklärte Minister- Präsident v. Auerswald, der König habe ihnen Folgendes erklärt: Ich bin mit der in Ihrem Berichte vom rc. aus­gesprochenen Ansicht einverstanden, daß ohne Aufrechterhal­tung des Princips, daß der Nationalversammlung keine Ein­griffe in Verwaltungsmaaßregeln zustehen, die constitutionelle Regierung nicht aufrecht erhalten werden könne. Gleich­

wohl genehmige ich die von Ihnen nachgesuchte Entlassung. Als zu der definitiven Bildung eines neuen Cabinets wer­den Sie indessen die Ihnen obliegenden Geschäfte noch wei­ter zu verrichten haben. Gegeben rc. Zugleich fügte v. Auerswald hinzu: daß der Abgeordnete zur Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt a. M., Hr. V. Beckerath, mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt sei, und die hohe Versammlung ersucht werde, bis zur Vervollstän­digung desselben die Sitzung auszusetzen.

Die Versammlung ließ sich dann in einen heftigen Streit ein, ob sie ihre Sitzungen vertagen oder, unbekümmert um das constitutionelle Princip, Tag für Tag fortsetzen wolle. Endlich genehmigte sic den Antrag Dunkers auf Vertagung bis zum Donnerstag.

Sigmaringen, 1. Sptbr. Gestern hat der dirigi- rcndc Geheimcrath v. Schenk, nunmehriger Kurhessischer Staatsmiuister, den außerordentlichen Landtag geschlossen und damit auch seiner bisherigen Thätigkeit ein Ziel gesetzt. Die Verkündigung des Landtagsabschieds war seine letzte amtliche Handlung im Fürstenthum. Die bei diesem An­lasse zu der Ständeversammlung gerichteten Worte des Ab­schieds gingen vom Herzen zum Herzen. Sie konnten ihre Wirkung nicht verfehlen und der Eindruck, er war mächtig, wenn ihm auch der Ausdruck fehlte. Der scheidende Mi­nister, ein offener Charakter und ein Ehrenmann im streng­sten und vollsten Sinne des Wortes, ist Protestant, während das Fürstenthum ganz katholisch ist, und doch war er allgemein geachtet und selbst verehrt, wozu sein humanes Wesen, sein gerades, offenes Benehmen, sein gutes Herz wesentlich bcigetragen haben. Das unglückliche, unheilbringende und fluchwürdige System, das bis auf die neuere Zeit die Herrschaft behauptete, konnte er freilich auch beim besten Willen nicht ändern; aber es mildern, ihm die verwundenden und schmerzenden Kanten abzustum­pfen, die gefährliche Spitze abzubrechen, das war er stets bemüht, hierfür war er immer thätig, und er trug seinen Namen diesen Bemühungen nicht voraus, er war befriedigt, wenn er wirken konnte. Darin liegt auch der Grund, aus welchem ihn manche unrichtig beurtheilen, und er hätte ge­wiß keinen einzigen redlichen Gegner, wenn jedermann zwischen den Zeilen lesen oder aber hinter die Koulissen treten könnte. Auch vom republikanischen Standpunkte aus scheuen wir uns nicht dieses Urtheil niederzulegen, da wir für Recht und Wahrheit streiten und solche auch im andern Lager anerkennen. Wir gratuliren unsern Brüdern in Kurhessen, sie erhalten, w ir verlieren einen Mi­nister unser er Zeit, und, die Zukunft wird es zeigen, einen Mann der T h a t, der zum Volke steht und mit diesem geht. (Aus dem Sigmaringer Erzähler.)

t Rinteln, 11. Sptbr. So eben hat die Wahl für den nächsten Landtag Seitens der Stävte der Grafschaft Schaumburg Statt gefunden. Zum Deputirten ist der Obergerichtsanwalt Fr. Oetker zu Cassel und zum Stell­vertreter der Bürgermeister Schwabe dahier gewählt worden.

Marburg, 10. Sptbr. Bei der gestern aufs Neue vorgenommenen Landtagswahl des akademischen Senats wurde Prof. V. Sybel zum Deputirten, Geh. Hofrath Platner zum Stellvertreter gewählt.

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