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ren unbesorgt. Aus Europa wurden starke Bestellungen auf Korn und Mehl erwartet, die Preise erhielten sich daher, obgleich nur wenig Geschäfte gemacht wurden. Geld war genug zu haben und der Zinsfuß daher gefallen. — Aus Mexico erfährt man, daß die amerikanischen Truppen das Land gänzlich verlassen hatten; am 21 Juli war Veracruz den mexikanischen Behörden vollständig übergeben worden. Paredes war noch in Freiheit, hatte aber für seine AufstandSpläne nicht die mindeste Aussicht auf Erfolg. — Der Aufstand auf Cuba stellt sich jetzt entschieden als Erdichtung heraus. Mehrere dortige Zuckerpflanzer waren mit ihren Geräthschaften re. nach Teras ausgewandert.
Die Handelslage in den vereinigten Staaten ist durch die Mitwirkung der europäischen Ereignisse fortwährend schwierig. Die Baumwollenerudte war reicher wie jemals, aber die Sendungen nach Europa bleiben bei dem Stocken der Fabriken unverkauft. Die Nachrichten aus England und Irland wirken auf das Steigen der Preise der Lebensmittel. Uebrigens erwartet man in Amerika selbst durchweg eine gute Ernte, nur kommen auch in einzelnen Staaten Spuren der Kartoffelkrankheit vor. — Im politischen Leben der Union herrscht eine große Aufregung durch die Agitation der Irish Sympathisers, welche mit Geld und selbst Waffengewalt dem unterdrückten Irland gegen England beistehen wollen. Doch vermuthet man, daß dieser Zweck nur ein Vorhaben der demokratischen Partei sei, um die in Amerika angesiedelten Irländer, beiläufig einige hunderttausend Stimmen, bei der bevorstehenden Präsidentenwahl für ihren Caudidaten zu gewinnen. Van Buren scheint der wahrscheinlichste Candidat der demokratischen Partei im Norden, der s. g. Barnburners, welche die Abschaffung der Sklaverei fordern, zu sein, während ihre Gegner im Süden die old Lunkers den General Cass unterstützen. Bei dieser Theilung wird übrigens doch vielleicht General Taylor siegen. Man kann ihn als den Candida- ten der Whigs bezeichnen, wiewohl er in seinem Program nie als seiner Partei angehörend sich hinstellt. — Die Abolitionisten haben bei der Bill über die Organisation des Oregonstaates das Uebergewicht behauptet. Im Senat ist mit 29 gegen 25 Stimmen der Ausschluß der Sklaverei in diesem neuen Staate beliebt worden. Die Session des Kongresses ist geschlossen. Wie wir schon neulich vor- aussahen, bereiten sich neue Verwickelungen an der meri- kanischen Grenze vor. Einige Provinzen stehen im Begriff, sich von Mexiko loszusagen und als selbstständige Republik unter dem Namen Sierra Madre aufzutreten. Das Ende vom Liede wird aber wie bei Teras die Anneration an die Union fein, von welcher aus schon jetzt Zuzüge von Freischärlern stattfinden.
Westindien.
Auf Hayti sieht es, Berichten aus Jamaika zufolge, noch immer sehr trübe aus. In Port-au-Prince dauern die Hinrichtungen Farbiger fort; Präsident Soulouque übersendet seinem General Similien die Todesurtheile und dieser vollstreckt sie ohne Weiteres. Nach der Rückkehr des Präsidenten fürchtet man wieder Hinrichtungen in Masse. Unter den neuerdings Hingerichteten befindet sich der ehe
malige Minister des Innern, David Troie. Im Hafen von Port-au-Prince lag gegen Ende Juli nur ein einziges fremdes Kriegschiff, ein französisches.
Preßfreiheit.
Alle Welt ruft: Freiheit! Aber gar viele von Denen, welche stündlich dieses Wort im Munde führen, kennen nicht seine wahre Bedeutung und treten die Freiheit mit Füßen, sie klagen über Unterdrückung der Freiheit, über Tyrannei, während sie in demselben Augenblicke die Freiheit Anderer vernichten wollen. Das ist nicht die wahre Freiheit, die nur an sich denkt, die wahre Freiheit ist fern von aller Selbstsucht, sie ist wie die Sonne, die ihre erquickenden Strahlen über alle Welt ausgießt, die Alles belebt, Alles erheitert. Doch es geht mit der Freiheit, wie mit der Religion. Kein Unrecht ist so groß, keine Barbarei so arg, der nicht die Heilige schon zum Deckmantel gedient hätte. Die Menschen scheinen einmal das Erhabene in den Staub ziehen und besudeln zu müssen. Lange Zeit hat man darüber geklagt, daß durch die Regierungen jede freie Aeußerung des Geistes in Wort und Schrift gehindert und geknechtet war, daß die Presse in schmählichen Fesseln lag; die Negierungen fürchteten sich vor dem Mißbrauch der freien Presse und bedachten nicht, daß alle die verschiedenartigen Gedanken, welche die freie Presse verbreitet, nur dazu dienen, die Aufklärung zu heben, die Wahrheit zu fördern, und daß die Wahrheit nie und nimmermehr eine Feindin der Ordnung ist. Was falsch ist, mag wohl einen Augenblick bestehen, aber es wird sich nicht halten, sowie das falsche Gold, sei es Anfangs noch so glänzend, bald schwarz wird, wenn die Sonne es bescheint, — Die Beschränkung der Preßfreiheit war mit Recht dem Volke ein Dorn im Auge, aber wer die Freiheit wahrhaft liebt, muß sie nicht allein für sich in Anspruch nehmen, sondern sie auch allen Anderen gönnen. Ist das aber Freiheitsliebe, wenn der Wühler sagt, „die Presse soll frei sein, keine Staatsregierung soll meine Feder beschränken, aber wehe Denen, die der Reaction durch die Presse in die Hände arbeiten, die nicht so denken und schreiben, wie wir; gegen diese muß das Volk auftreten, es muß sie durch Katzenmusiken, Fenstereinwerfen und durch sonstige Gewalt zum Schweigen bringen." Der Staat also soll die Presse nicht beschränken; sie aber wollen es thun. Haben sie denn mehr Recht dazu, als es früher der Staat hatte? Wer bürgt uns denn dafür, daß die Ansicht, der sie huldigen, besser ist als die anderer Leute? Zwar nennen die Wühler sich das Volk, sie sprechen mit „Wir," wie alle Despoten von je her gethan haben, und wenn in einer Stadt von 2000 Einwohnern nur zehn Aufrührer sich befinden, so reden diese dennoch stets im Namen des Volkes, obwohl dieses oft nichts von ihnen wissen will. Aber die anderen 1990 verhalten sich ruhig, sehen vielleicht mit Verachtung auf das Treiben einiger Taugenichtse; deßhalb hört man sie nicht, nur die 10 Krawaller hört man, denn sie müssen ja für das ganze e Volk Lärm machen, und darum schreien und toben sie beständig. Und ist dann auch Alles das Reaction, was die