N c u c
VX.
Hessische Zeitung.
9|" lOSo Dienstag, den 12. September. 1848«
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem UnterhaltungSblatte, und wird um II Uhr Morgens ausgegeben. Der AbonnementsvreiS beträgt 1 Xblr. 3 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurbessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Anzeigen jeder Art wersen die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.
Politische Nachrichten. Deutschland.
-r- Frankfurt, 8. Septbr. 74. Sitzung der Deutschen Reichsversaminluiig. (Fortsetzung.) Beseler, Berichterstatter, vertheidigt schließlich noch den Ausschußantrag und kritisixt die vielen Aniendements, welche er in besondere Kategorien zusainmensetzt. — v. Prato behält sich, nach der Festsetzung der Reihenfolge der Fragen, den Antrag aus namentliche Abstiinuiung vor. — v. Lassaulr beantragt namentliche Abstimmung über das erste Minoritätserachten. v. Beckerath über das zweite. — Rösler von Oels beantragt diese Abstimmung für daS Esterle'sche Amende- ment. y. Salz >vedell behält sich die namentliche Abstimmung für das V. Nagehsche Amendement vor. Bei der Unterstützungsfrage fallen die Amendements von Wedekind, Behr, M. Arndt, Jürgens, Grävell, Braun, Geritz, Freudentheil, Kohlparzer. — Vogt, Hoffmann von Lud- Wlgsburg, Tappehorn, Evertsbusch ziehen die ihrigen zurück. Die Abstimmung wird nach einem Antrag Schneers erst statt finden, wenn der Vorsitzende die Fragen geordnet und die Zusammenstellung derselben gedruckt einen Tag in den Händen der Abgeordneten sein wird. — Simson erstattet noch Bericht über seine und Haßlers Mission in die Druckerei. Das Resultat der Nachforschungen ist, daß die Verzögerung theils darin gelegen hat, daß die Dokumente erst während des Druckes zum Drucke fertig gemacht werden mußten, theils in dem Umfange der Aktenstücke. Dieselben füllen 29 Druckbogen, die übrigens heute Nachmittag 5 Uhr in den Händen der Ausschußmitglieder sein werden. — Die Versammlung geht über diese Mittheilung zur Tagesordnung über, — Der Vorsitzende theilt mit, daß ihm Hr. Blum und Genossen eine Interpellation an Hrn. Professor Dahlmann zugestellt habe, worin Hr. Dahlmann ersucht werde, darauf zu antworten, wie weit er mit der Bildung des Ministeriums gekommen sei. Im Falle die Antwort nicht genüge, verlangten die Interpellanten, einen Antrag stellen zu dürfen. Rüder beantragt, daß die Versauimlling Hrn. Dahlmann nicht erlaube, auf diese Interpellation zu antworten. (Links Gelächter.) Der Vorsitzende meint, das Antwortgeben werde Hr. Dahlmann zu entscheiden haben. — R ü de r verlangt unter dem Murren der Linken die Abstimmung über seinen Antrag. Der
Antrag war nicht einmal unterstützt. (Links Heiterkeit.) Dahlmann: „Ich trage kein Bedenken, sofort Antwort zu, geben. Es liegt wohl in der Natur der Sache, daß auf.die Anfrage, txie sie gestellt ist, streng genommen, nicht geantwortet werden kann. Es wird genügen, wenn ich erkläre, daß. Unterhandlungen angeknüpft sind und daß sie thätig verfolgt werden, und wenn ich hinzusüge, daß es von keiner Seite an Eifer in dieser Hinsicht fehlt. II) darf noch hinzufügen, daß es allerdings in diesem Augenblicke noch zu keinem Abschlusse gediehen ist; ich zweifle aber daran, daß weiteres Eingehen der Nationalversammlung dem Gelingen der obschwebenden Combination irgend förderlich sein würde; weit eher das Gegentheil."
Die Antwort erscheint Blum nicht genügend und in Erwägung des Gefahrvollen der Lage beantragt er: Die Nationalversammlung möge beschließen, morgen den 9 Septbr. eine außerordentliche Sitzung zu halten, in welcher über die Absendung einer Deputation an den Reichsverweser berathen werden solle, die denselben um rasche Beendigung der Minister- Krisis ersuchen solle. Die Centren und Rechte erklären den Antrag nicht für dringlich. Schoder nimmt hierauf seinen obigen Antrag zurück, womit der Gegenstand für erledigt erklärt wird. Weil die Abstimmung über §. 14 nicht vorgenommen werden soll, so muß auch die weitere Diskussion über §.15 ausgesetzt werden.
Die Sitzung wird um 1 Uhr geschlossen. Nächste Sitzung Montag. Tagesordnung: Im Falle der Bericht nicht erstattet werden kann, Berathung der Grundrechte. —
Wien, 6. September. Es verlautet, Oesterreich werde, auch wenn es sich eine französische Mediation rücksichtlich Sardiniens gefallen lasse — was übrigens nicht der Fall zu sein scheint, keinesfalls eine Einmischung in sein Verhältniß zur Lombardei und Venedig, als eine lediglich innere Angelegenheit, dulden. Ueber die neue Gestaltung des Ministeriums kann noch nichts Gewisses angegeben werden. Strohbach soll aber definitiv abgelehnt haben. Wessenberg wird blos das Präsidium beibehalten. Für das Auswärtige schwankt man zwischen den Grafen Thurn und Kolloredo. Dobblhof wolle bleiben, Falls ihm das Unterrichts - Departement zufalle. Auch Hornbostl werde vielleicht bleiben, andern Falles werde Mayern das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten, Bruck das des Handels übernehmen. — In der gestrigen Sitzung des Reichstags