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Aufruf an alle Deutschen Prüder.

♦Sia das deutsche Volk vor wenigen Monaten die Fesseln seiner Knechtschaft brach, da erkannte es mit sicherm Gefühle, daß die plötzlich errungene Freiheit, wenn sie sestgestellt und für alle Folgezeit gesichert werden sollte, einer großen und starken Garantie bedürfe, einer bessern, als sie jemals? im Deutschen Lande gewesen ist. Die Gründung eines großen, freien, volkstümlichen Bundes­staates erschien allen, denen die Freiheit und die Ehre deS Vaterlandes am Herzen lag, als die Grundbedingung einer besseren und schöneren Zukunft des Vaterlandes. Und deßhalb war das Deutsche Parlament das Zau­berwort, welches die entfesselten Mächte der Revolution in friedliche Bahnen lenkte. Das Deutsche Volk hat seine Vertreter hingesandt und sie mit seiner Machtfülle bekleidet, damit das Werk, welches nur durch Ströme Blutes erreich­bar schien, in Frieden und Versöhnung sich vollende. Aber je größer die Hoffnungen waren, womit die Blicke des Deutschen Volkes sich nach Frankfurt wandten, desto bitterer mußte der Schmerz sein, das große, hoffnungsreiche Unter­nehmen schon in seinem Beginne untergraben und vereitelt zu sehen. Eine engherzige und reactionäre Politik wagt eS seit Monden schon, das Werk zu stören, welches die Hoff­nungen der Guten erfüllen und die Plane der Schlechten für ewig vernichten soll. Frecher und frecher erhebt die Reaction ihr Haupt; ohne Scheu wagt man es nun schon /der höchsten Gewalt des Reiches nicht zu gehorchen, und der Schimpf, den eine falsche und eigensüchtige Di­plomatie jetzt vor der ganzen Welt dem Deutschen Reiche bereitet hat, mag uns ein Zeichen sein, wohin eS bereits mit unS gekommen ist.

Jetzt ist eS die Pflicht jedes Deutschen Mannes, für die Ehre seines Vaterlandes und für die Lebensfrage einer

freien Zukunft mit Gut und Leben einzustehen. Eine natio­nale Bewegung muß sich bilden und die Hand sich reichen vom Belt bis zu den Alpen. Sie wird — das hoffen, das wissen wir — das ganze Volk ergreifen, weß Glaubens und Zeichens es auch sei. Mit der unwiderstehlichen Ge­walt einer friedlichen, aber Alles umfassenden Agitation wird sie die Feinde des freien und einigen Deutschen Vaterlandes vernichten, sie wird die Deutsche Einheit zu einer Wahrheit machen und das Vaterland vor Gräuel und Verwirrung bewahren.

Schon haben sich in allen Gegenden unseres Vaterlands Vereine zu diesem Zwecke gebildet. Es gilt jetzt, sie zu verbreiten und zu vereinen.

Der unterzeichnete, aus mehr als 1000 Mitgliedern beste­hende Bürgerverein zu Kassel hat heute beschlossen, sich an die leitenden Ausschüsse der in Deutschland bestehenden natio­nalen Vereine mit dem Ersuchen um eine allgemeine Ver­einigung für Deutschland zu wenden. Er fordert jetzt seine Mitbürger, namentlich in Kurhessen, auf, zu gleichem Zwecke zu Vereinen zusammen zu treten.

Deßhalbige Zuschriften möge man einstweilen an den Ausschuß richten. Den weiteren Erfolg seiner Bemühungen wird dieser dann in kürzester Frist durch Circularschreiben und öffentliche Bekanntmachung mittheilen.

Kassel, den 7. September 1848.

Für den Kasfelschen Bürger-Verein:

Der beauftragte Ausschuß:

Alsberg. Hahndorf. Dr. Ad. Pfaff.

Scheller. Weibezahn.

Gedruckt in der Estienne'schen Buchdruckerei in Kassel.