Hessische Zeitung.
JV» Ulli« Freitag, den 8. September. R8 T8«
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 TKlr. 5 Sgr. für Vas Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.
Politische Nachrichten.
Deutschland.
Die Frankfurter O. P. A. Zeitung vom 6. d. M. enthält in ihrem amtlichen Theil folgende Bekanntmachung:
In Folge des von der deutschen Nationalversammlung in der Sitzung am 5 September 1848 gefaßten Beschlusses: die zur Ausführung des am 26. August 1848 zu Malmö abgeschlossenen Waffenstillstandes nöthigen militärischen und anderen Maßregeln zu sistiren, haben der Präsident des Neichsministerrathes, sänimtliche Reichsminister und Unter- staatssecretäre ihre Posten in die Hände des Erzherzog- Reichsverwesers -zurückgelegt, der ihnen die dadurch angesuchte Entlassung ertheilt hat.
Der Erzherzog-Reichsverweser bat den Abgeordneten der deutschen Nationalversammlung Friedrich Dahlmann aus Bonn mit der Bildling eines neuen Ministeriums beauftragt.
-i- Frankfurt, 6. Sept. Der Reichsverweser hat die Entlaffungsgesuche der abgetretenen Minister ohne Weiteres angenommen und Dahlmann mit der Bildung eines neuen Ministeriums betraut. Ueber die neu zu ernennenden Minister weiß man noch nichts Bestimmtes; man nennt die Namen einiger Mitglieder des linken Centrums. In Bonn und Köln soll es nach Mittheilungen von Reisenden in Folge des Bekanntwexdens der Waffenstillstands- Bedingungen zu unruhigen Auftritten gekommen sein, und somit wäre wohl die gestern von preußischer Seite mehrfach ausgesprochene Drohung, daß Preußen sich mit der Verwerfung des Waffenstillstandes von Deutschland möglicherweise trennen föniv, nicht ganz ernst zu nehmen. Aus unserer Nähe gehen bereits Prorestationen gegen den Waffenstillstand an die Reichsversammlungen ein und werden deren bald noch mehrere Nachfolgen. — Das Reichstagsblatt , welches von den Brosamen einiger Mitglieder der radikal-demokratischen Partei lebte, hat heute aufgehört zu erscheinen und seine Abonnenten auf die Reichstagszeitung angewiesen.
Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten.
Kiel, 4. September, Die Landesversammlung ist heute wieder eröffnet. Die Waffenstillstandsbedingen wurden verlesen, sowie ein Brief des preußischen Ministers v. Auerswald, der die Koncessionen Dänemarks und die Vortheile darin für uns hervorhob. — Die Landesversammlung hat
hierauf nachfolgenden dringenden Antrag des Landvogts Jensen einstimmig (101 Mitglieder) angenommen. — „Die Landesversammlung, eingedenk ihrer Pflicht, die unveräußerlichen Rechte des schleswig-holsteinischen Volkes zu wahren und Angesichts der Ereignisse das Land vor drohender Anarchie zu schützen, beschließt:
1) Die konstituirende Landesversammlung kann wider ihren Willen weder aufgelöst noch vertagt werden,
2) jede Veränderung in der bestehenden Landesregierung bedarf die Zustimmung der Landesregierung,
3) alle seit dem 24. März 1848 von der provisorischen Regierung Schleswig-Holsteins erlassenen Gesetze können nur mit Zustimmung der Landesversammlung verändert oder aufgehoben werden,
4) ohne Zustimmung der Landesversammlung kann kein neues Gesetz erlassen und keine Steuer neu auferlegt werden,
5) alle bestehenden Steuern und Abgaben, sowie andere Staatseinkünfte, werden bis zum 31. December 1848 von der durch die Landesversammlung anerkannten Landesregierung forterhoben."
So ist der entscheidende Wurf gethan. Die Versammlung hat ihre Souveränetät erklärt und ihre theilweise Nichtanerkennung der Waffenstillstandsbedingungen. Mag es kommen, wie es wolle, muß Schleswig-Holstein fallen, so wird es jetzt doch mir Ehren geschehen.
Leider gebricht es uns heute an Raum, um die Eröffnungsrede des Präsidenten, sowie das Schreiben des preuß. Minister-Präsidenten v. Auerswald an die Provisorische Regierung von Schleswig-Holstein hier mittheilen zu können. Dagegen dürfen wir die folgenden für die öffentliche Stimmung und die Zustände Schleswig-Holsteins bezeichnenden Worte der Schleswig-Holsteinischen Zeitung unsern Lesern nicht vorenthalten.
Ihr glaubt gewonnen Spiel zu haben, weil es euch gelungen ist, in Berlin und Wien zwecklosen Tumulten der untersten Volksklassen ein Ende zu machen, und denkt nun, indem ihr uns mit gebundenen Händen und Füßen unserm Erzfeinde überliefert, mit einem letzten Schlage die Revolution, die Selbsthülfe des Volkes, zu vernichten? Ihr könntet euch gar sehr in eurer Rechnung täuschen und gerade das Hervorrufen, was ihr vermeiden wolltet, was ihr durch offenes ehrliches Handeln auch vermieden hättet! AuS dem vielleicht noch leeren Spiel, in welchem einer