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Hessische Zeitung.

JV» WO. Donnerstag, den 7. September. 1848.

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der ÄbunnementSvreis beträgt 1 Thlr. 3 Egr. für daS Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeDer Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Deutschland und das Ausland.

Die Sprache der ministeriellen Organe in England und Frankreich, sowie der Hülferuf, welcher von Frankfurt aus in den leitenden Artikeln unserer großen Journale sich schon seit einiger Zeit vernehmen läßt, kann uns über die be­drohliche Lage unserer auswärtigen Beziehungen, wie sie sich besonders rücksichtlich Schleswig-Holsteins gezeigt hat, keinen Augenblick im Zweifel lassen. Es heißt, Däne­mark habe, offenbar durch fremden Zuspruch ermuthigt, selbst die jetzt bekannt gewordenen, für uns so schimpflichen Be­dingungen, Anfangs verworfen. Eine Note Palm er­ste »'s ist dem preußischen Kabinet am 20. August vom Lord Westmoreland vorgelegt worden, worin die britische Regierung ihr Bedauern ausspricht, daß die oben erwähn­ten Bedingungen mit der gegen Dänemark zu übenden Billigkeit nicht verträglich erschienen. Hr. Arago aber hat eine Note seiner Regierung ähnlichen Inhalts überreicht, dahin lautend, daß es der Entschluß beider Regierungen sei, jedem weiteren Angriff auf das Gebiet des Herrschers von Dänemark vorzubeugen. Während England und Frank­reich das Recht der Nationalität, den geschriebenen Ver­trägen zum Trotz, in Italien geltend zu machen sich be­mühen und ohne Zweifel jetzt kräftiger geltend machen würden, wenn sie es auch hier mit Deutschland, statt mit Oesterreich, zu thun hatten, schlagen sie in der Schleswig- Holsteinischen Frage, ebenfalls geschriebenen Verträgen zum Trotz, der Nationalität ins Angesicht. Aber freilich, die Sache Schleswig - Holsteins ist eine Deutsche Sache. Sie wird nicht von einem Oesterreichischen General, sondern nur von einer Deutschen Centralgewalt verfochten und dieselbe Feindseligkeit, welche sich bereits in dem offnen und gehei­men Wirken englischer und anderer Agenten in Frankfurt und Berlin und anderwärts gegen Deutschland zu rühren beginnt, wirft bereits ihre Maske ab und tritt in den Noten und Zeitungs-Artikeln fremder Minister offen zu Tage. Daß die Bildung einer großen Macht, wie Deutschland, den bisherigen im Besitz der europäischen Politik befindlichen Großmächten aus politischen und merkantilischen Gründen ein Dorn im Auge sein müsse, das verstand sich schon vor Wochen und Monden eben so sehr von selbst, als daß es auch in Deutschland noch Elemente genug geben werde, welche aus denselben egoistischen Gründen, wie das Aus­

land, sich von der Deutschen Einheit wenig erbaut zeigen würden. Wir glaubten nur, vor dem reinen Sinne des Volks-Geistes, welchen der Februar dieses Jahres ge­weckt bar, werde der Egoismus und die traurige Kunst der alten Diplomatie das Haupt nicht wieder zu erheben wagen. Wir glaubten ferner, unsere französischen und engli­schen Nachbarn hätten vor der eignen Thür genug zu thun, sie hätten vor Allem die eigne Nation vor dem Auseinander­fallen zu retten und es würde ihnen vergehen, sich in die Angelegenheiten eines großen Volkes mit frecher Zudringlich­keit einzumischen. Wir glaubten, jene Friedens-Politik der Völker, welche von Einmischungen und Intriguen nichts weiß, sei bei aller Jugend und Ungeschicklichkeit doch schon erwachsen genug, um ein ernstes und entscheidendes Wort drein zu reden, wo man es wagen würde, sich dem Einigungs-Werk eines Brudervolkes entgegen zu stellen. Von dem Deutschen Volke aber glaubten wir, cs werde in allen seinen Theilen sich selbst getreu und der großen Errungenschaft bewußt bleiben, welche in den Tagen seiner Knechtschaft gereift und gezeitigt, und in den Tagen seiner Revolution mit Kraft und Mäßigung als Grundlage des neuen Lebens erkannt und ausgesprochen ward. In diesem Vertrauen auf die eigne Kraft und auf die Freundschaft freier Völker mußten uns Russiche Noten und Dänische Bravaden als ungefähr­liche Gespenster erscheinen, gemacht, um Kinder zu erschrecken.

Die Sachen haben sich seit den letzten Wochen geändert, England hat sich von dem Repeal- und Chartistenschreck erholt, die französische Nationalversammlung faßt wieder große Courage gegen das Ausland, und eineTripel­allianz^ wird wieder möglich, eine Tripelallianz zweier freien" Völker mit Rußland für Dänemark und ge­gen Deutschland. Dennoch wir brauchen diese Tripel­allianz nicht zu fürchten, denn so gefährlich sie aussieht, sie ist doch nicht auf den Krieg berechnet. Wenn die resp. In­tervenienten auch in der Lage wären, einen Krieg unter­nehmen zu können, so sind sie doch klug genug, um einzu- sehen, daß gerade ein allgemeiner Krieg das blutige aber sichere Mittel wäre, jene Einheit des Deutschen Volkes vollständig herzustellen, welche sie jetzt vollständig vereiteln möchten. Die Tripel-Allianz rechnet bei ihren Drohungen auf einen wohlfeileren Sieg, sie rechnet auf die Schwäche Deutschlands und auf den Verrath Preußens. Sie ist das Ergebniß jener geringschätzenden Meinung, welche