Einzelbild herunterladen
 

Beilage z rr ^tr. 99 der Neuen Hessischen Zeitung.

Ungar«.

Nachrichten ans Agram vom 21. d. zufolge, batte der Banus von Kroatien die Truppen der slavonischen Ko- mitate Verocze und Sirmien, welche bisher unter Kommando des Feldmarschallieutenants Hrabowsky standen, aufgefordert, von nun an seinen Befehlen zu gehorchen. Alle diese Truppen erklären sogleich, sich unter den Banus stellen zu wollen, und so ist der Kommandirende, Feldmarschalllieute- nant Hrabowsky in Peterwardein, nur noch auf seine Person beschränkt. Der Banus erklärte in seinem Sendschreiben an Hrabowsky, daß ihm sein Eid gegen die Monarchie ge­biete, der drohenden Anarchie unter den Truppen schnell zu begegnen und sie für den Dienst des Kaisers unter seinem Kommando zu vereinigen. Keiner wollte dem Hrabowsky mehr Gehorsam leisten.

Schweiz.

Außer Zug haben auch die Kantone Wallis, Uri, Schwyz, beide Unterwalden und Appenzell t Rh. die neue Bundesverfassung verworfen. Dagegen hat der Kanton Neuenburg angenommen.

Italien.

Die neuesten Nachrichten aus Padua vom 25. melden, daß der sardinische Admiral Albini im Begriffe war, von Benevig abzusegeln. Er hatte hierzu einen zweiten, von dem Ministerium gegengezeichneten Befehl Karl Alberts er­halten. Es herrschte eine unbeschreibliche Bestürzung über diesen bevorstehenden Abzug der Piemontesen. Manin war noch an der Spitze der FactiönSminner. Der Marschall Radetzky concentrirt nach den neuesten Nachrichten aus Mailand vom 24. viele Truppen in dieser Gegend. 2 Bri­gaden sind gegen Varese abgegangen, um dem Unwesen des Garibaldi ein Ende zu machen. Ueber den Gang der Friedensverhandlungen verlautete noch nichts Näheres im Publikum; Karl Albert will ihn, wie man aus allen Umständen erfährt, ernstlich. Die stärkste Friebenspartei ist seine eigene Armee, die eben so schreit, daß sie von den Italienern verlassen worden sei, wie die Mailänder Nobili, welche über den Verrath Karl Alberts ein Zeter­geschrei erheben.

Frankreich.

Paris, 30. Aug. Heute hat die National - Ver­sammlung beschlossen, vom nächsten Montag an täglich zwei Sitzungen zu halten. In den Vormittagsstunden sollen die laufenden Geschäfte erledigt werden, damit man sich von 2 Uhr an ungetheilt der Berathung des Constitutionsent­wurfs zuwenden kann. Die Tagesordnung kündigt interes­sante Gegenstände an. Zunächst wurde die Dringlichkeit des Vorschlags von Crespel de la Tausche anerkannt, wor- nach auch während des Belagerungszustandes nur den Ge­richten die Bestrafung der Proceßvergehen zustehen soll. Cavaignac erklärte, sich der Berathung der Bill nicht wider­setzen zu wollen, und wir zweifeln nicht, daß sie durch­gehen wird. Die Erecutivgewalt selbst muß ihr jetziges Uebeunaaß von Verantwortlichkeit drückend finden. Die zwei weiteren in der heutigen Sitzung verhandelten Gegen­stände geben leider zu sehr ernsten Betrachtungen Stoff. Es ist eine traurige Lage, die Mängel eines Zustandes

einzusehen, ohne die Mittel zu seiner Heilung zu besitzen. Das ist unser Verhältniß vis-a-vis der socialen Frage. Die provisorische Regierung überließ sich nach den Februar­tagen sanguinischen Hoffnungen. Sie griff mit raschen Maßregeln ein, aber alle diese Maßregeln mußten eine nach der anderen als unausführbar zurückgezogen werden. Man war auf einem ungebahnten Wege einige Schrille vorge­stürmt, dann aber verirrte man sich in dem Gestrüppe und muß nun auf die alte Straße wieder einbiegen. So hatte man, die nothwendigsten Lebensbedürfnisse im Preise zu ermäßigen, in Paris die Fleisch - Ociroi abgeschafft. Die Folge war ein Ausfall von mehreren Millionen im städ­tischen Budget. Die Taren blieben dieselben, und heute wird die Abgabe wieder hergestellt. Ferner hatte ein De­kret vom 2. März die Arbeitszeit in Paris auf 10, in den Provinzen auf 11 Stunden herabgesetzt, und die Marchan- dage (das Gewerbe der Mittelspersonen zwischen Unterneh­mern und Arbeitern) verboten. Aber das Capital ist der gefährlichste aller Feinde. Man darf ihn nicht vernichten, sonst vernichtet man sich selbst. In Folge der von der provisorischen Regierung ausgesprochenen Kriegserklärung zog er sich zurück, die Industrie krankte und der Ver­dienst des Arbeiters war nicht etwa blos um ein Zehntel vermindert, er stockte gänzlich. So soll denn nun auch jenes so philanthropisch klingende Decret zurückgenommen werden. Louis Blanc konnte nicht mehr für sein Lieblings­kind in die Schranken treten. Statt seiner that es Pierre Lerour aber leider mit schlechtestem Erfolg. Alle Tücken des Schicksals hatten sich gegen den Redner verschworen. Bei vielem Geiste besitzt Lerour nicht die Gabe der Kürze. Er wurde langweilig, indem er in einem abgelesenen Vor­trage sein gestimmtes socialistisches System entfaltete.Sie sprechen de omni re seibili (von allem Wissenswürdigen)" rief unterbrechend ein Abgeordneter.Und von einigen anderen Dingen (et de quibusdam aliis)" setzte ein Anderer unter einem Sturm von Gelächter hinzu. Endlich athmete die Versammlung wieder auf, der Redner hielt das letzte Blatt in Händen aber, o Schrecken, er holt ein zweites Heft hervor.Lassen Sie'ö drucken, wir können nicht mehr hören". Der Sprecher wird verlegen, das Manuskript ent­fällt ihm, die Huissiers müssen die Blätter im Saale zu­sammen suchen. Jetzt hat er sie wieder- geordnet. Da läuft eine Ratte durch die Tribüne der Zeitungsschreiber. All­gemeiner Tumult. Das unglückliche Heft fällt zum zwei­tenmal aus den Händen des unglücklicheren Vorlesers, und diesmal hilft kein Suchen und Ordnen. Er muß von der Bühne absteigen und sich begnügen, morgen sich im Moni­teur gedruckt zu sehen. Armer Hr. Lerour, die Debatte kam heute nicht zu Ende.

General Cavaignac soll zu seinem persönlichen Schutze die nämlichen Polizeiagenten genommen haben, die Ludwig Philipp bei seinem Ausgehen begleiteten.

Grostbrittanien.

Daily-News bringen aus Madrid die Nachricht, daß die spanische Negierung entschlossen sei, sich mit England zu verständigen. Der Herzog de la Roca soll zu solchem Zweck nach England geschickt werden