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Beilage zu Nr. 98 der Neuen Hessischen Zeitung.

lich Neues dar, während die späteren Kapitel ziemlich un­verändert geblieben sind. Der neue Entwurf enthält statt 10 jetzt 12 Kapitel, statt 139 aber nur 120 Artikel. Inder völlig umgestalteten Einleitung ist die wesentlichste Modi­fikation die Unterdrückung des absoluten Rechtes auf Arbeit, an dessen Stelle „Freiheit der Arbeit" tritt. Proudhon hatte in der Nationalversammlung selbst erklärt, daß die Anerkennung des Rechts auf Arbeit durch den Staat zum Kommunismus führe; man hat es also aus dem Entwurf ausgemerzt. Die bcmerkenswerthesten neuen Bemerkungen möchten dann noch folgende sein. Der Präsident der Re­publik wird, wie nach dem alten Entwürfe, durch allgemeine Wahl und geheime Abstimmung gewählt, doch ist nur der­jenige Franzose wählbar, welcher nie die Eigenschaft als französischer Bürger verloren hat — eine Beschränkung, die offenbar Ludwig Napoleon von der Wahl ausschließen soll. Das Gehalt des Präsidenten ist auf 600,000 Fr. jährlich festgesetzt. Dieser Artikel erregte bei der Vorlesung fast allgemeines Murren, wohl mehr vowSeiten derjenigen, die die Summe für zu niedrig, als die sie zu hoch hielten. Mit eben solchen Aeußerungen der Mißbilligung ward die im neuen Entwurf beibehaltene Bestimmung angehört, welche die Stellvertretung im Heere verbietet. Die Nationalreprä­sentanten erhalten, wie jetzt, Diäten, die sie nicht ausschla­gen dürfen. Ein neuer Artikel bestimmt, daß ein besonderes Gesetz die Fälle reguliren soll, in denen der Belagerungszu­stand proklamirt werden kann. Der Präsident der Republik soll unmittelbar nach der Annahme der Verfassung gewählt werden und die gegenwärtige Nationalversammlung nicht eher auseinander gehen, als bis sie die organischen Gesetze zur Vervollständigung der Konstitution votirt hat.

Mangel an Raum hindert uus, den Entwurf in seiner jetzigen Gestalt vollständig mitzutheilen. Wir werden die einzelnen Bestimmungen unserm Bericht über die Verhand­lungen beifügen.

Crespel de la Touche hat bei der Nationalversammlung durch folgende Motion gegen die Preßmaßregeln protestirt: „In Betracht, daß die Dekrete vom 24. und 28. Juni der Exekutivgewalt das Recht weder gaben noch geben konn­ten, die Freiheit der Presse willkürlich zu unterdrücken oder zeitweise einzustellen; in Betracht, daß selbst die Gesetze über den Belagerungszustand dem Bürger in keinem Falle die Garantie rauben dürfen, seine Ansichten frei auszutau­schen, erklärt die Nationalversammlung: daß den Gerichten allein das Recht zukommt, selbst im Belagerungszustand, die Vergehen zu richten, welche durch die Zeitungspresse verübt werden." Cavaignac hat sich in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung der Diskussion dieses Antrags nicht widersetzt. Wenn derselbe, bemerkte er, eine Kritik beabsichtige, wie er von den ihm verliehenen Rechten Gebrauch gemacht, so würde er unbedingt opponirt haben; da der Zweck jedoch eine Untersuchung der Natur des ihm ver­liehenen Rechts selbst zu sein scheine, so wolle er die Be­schleunigung der Diskussion sogar bevorworten.

Der „Constitutionel" bringt seit einiger Zeit keine lei­tende Artikel mehr; die Ursache soll die sein, daß Cavaignac

sehr deutlich zu verstehen gegeben hat, er würde mit ihm eben so kurzen Prozeß, wie mit den anarchistischen Blättern machen, wenn er seine versteckten Angriffe auf die Republik und seine dynastische Liebâugeleien nicht unterließe. Ca­vaignac soll dies auch der neulichen Deputation der Jour­nalisten gesagt haben. Die Republik, äußerte er, ist noch in ihrer Kindheit, sie kann die Opposition noch nicht er­tragen; wenn sie erst ausgewachsen ist, sollen Sie charte blanche für alle Angriffe auf sie erhalten.

Proudhon's „Volksrepräsentant" wird in Lyon forter­scheinen.

Trelat, der ehemalige Staatsbautenminister und Ober- Hospitalarzt der Salpetrière, wird Hrn. Savoie in Frank­furt ersetzen. Savoie trug nur den Titel eines Geschäfts­trägers, Trelat erhält den eines bevollmächtigten Ministers.

Gegen Causstdière und Louis Blanc soll das Kontumaz­verfahren unverzüglich eingeleitet werden.

In Paris sollen noch jetzt nicht weniger als 25,000 Wohnungen von einem Miethpreis zwischen 1500—2500 Franken leer stehen.

Die in den Forts von Cherbourg untergebrachten In­surgenten sollen dort ein ganz erträgliches Leben führen. Ihre Wohnung und Kost ist gut und wer Geld hat kann sich auch Wein rc. verschaffen. Im Fort Hommet haben sie ein Zimmer zu einem Klubsaal eingerichtet, worin sie über sociale Fragen debattiren.

(Vom 30.) Die Blätter zeigen an, Louis Bonaparte trete von Neuem als Kandidat für die Wahlen des 17. Septbr. auf. Die Republik (soll sich der Prinz geäußert haben) sei jetzt stark genug, um seine Wahl zu ertragen. Auch Alexander Weill, der bekannte Literat, ist wieder als Kandidat ausgetreten.

Asien.

Ostindien. Die Times enthalten aus Ostindien fol­gende Nachricht: Lieutenant Edwards habe den Indus und Tschenal überschritten, sich mit der Streitmacht des Rhad- scha von Bhawulpur vereinigt und am 18. Juni (Jahres­tag der Schlacht von Waterloo) in neunstündiger Schlacht das Heer des aufständischen Mulradsch von Multan auf's Haupt geschlagen; der Feind sei geflohen und habe den den größten Theil seiner Geschütze, 6 an der Zahl, in den Händen der Sieger zurück gelassen. Wie es scheint, voll­vollführte Lieutenant Edwards sein Unternehmen ganz auf eigne Faust, und zwar an der Spitze eines in Eile zusam- mengerafften Heeres von 6000 Mann, welches ausschließ­lich aus Eingebornen, Afghanen und Beludschen, bestand. Der Feind zählt 10,000 Mann und war wohlgerüstet. — Die in Kanton wohnhaften englischen Kaufleute hatten sich an Palmerston mit der Bitte gewendet, er möge ihnen ein Kriegsdampfboot zum Schütze gegen die Chinesen gewähren, welche erst vergangenen December einige junge Engländer überfallen und ermordet hätten. Palmerston hat sie in seiner etwas rauhen Weise abschläglich beschieden und ihnen den Rath gegeben: sie möchten die jungen Leute besser be­aufsichtigen und vom Besuchen der chinesischen Dörfer ab­halten.