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Hessische Zeitung.

IM* Montag, den 4. September. A8 T8«

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Senntags mit einem Nnterbaltungsblatte, und wird um 11 Uhr MorqenS ausgegeben. Der Adennemeutspreis beträgt 1 TlNr. 5 Sgr. für das Quartal, wâr alle kurbesfischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten. Deutschland.

-4- Frankfurt, 1. September. 70. Sitzung der deut­schen Reichsversammlung. Die Versammlung ist zahl­reicher versammelt als gewöhnlich, sämilitliche Mi­nister sind anwesend. Der Vorsitzende zeigt den Aus­tritt von Hensel II. aus Zittau und Senff aus Posen an. Der Finanzausschuß, welcher sich gestern eonstituirt hat, hat v. Rotenhan zum 1., Schott zum 2/ Vor­sitzenden und Löwe von Calbc zum Schriftsühter ge­wählt. Ein Bericht des Bureau über den Kostenauf­wand für die Reise der Deputation nach Wien, im Betrag von 2300 fl., -wird an den Finanzausschuß verwiesen. v. Lindenau zeigt unter Anderem einen Bericht über -4>ie Anträge an, welche in Folge der Vorfälle in der Na­tionalversammlung am 7. und 8. August gestellt find. Die Anträge wurden nicht verlesen, sondern der Bericht alsbald zum Druck befördert. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Antworten der Reichsminister auf die an sie gestellten Interpellationen. Heckscher, Minister der auswärtigen Angelegenheiten, theilt die weiteren defini­tiven Ernennungen der deutschen Gesandten mO. Nach dem Haag sei der braunschweigische Bevollmächtigte bei der Cen- tralgewalt, Herr Lieber (?), ernannt, der sich in Be­gleitung des Herrn Bernhard (?) dorthin begeben habe. Beide seien mit der Regelung Limburgs zu Deutschland betraut und würden die Interessen Deutschlands dort kräftig vertreten. Nach Brüssel sei, wie bekannt, Herr Graf Keller ernannt (Widerspruch). Wenn es nicht bekannt fein sollte, so irre ich mich; ich glaubte, diese Mittheilung schon gemacht zu haben. Der Herr Graf sei aus Gesund- heilsrücksickten nicht im Stande gewesen, die Mission an- zunehmen; er habe deßhalb den Herrn General v. Dra- chenfels zu diesem Posten vorgeschlagen; dieser Vorschlag sei vom Ministerrath gutgeheißen und die Ernennung vom Reichsverweser genehmigt. Der General sei bereits in Be­gleitung des Herrn München, Abgeordneten für Lurcm- burg, abgereist. Von Herrn Raveaur sei die Nachricht tingegangen, daß er im Laufe der nächsten Woche nach der Schweiz abreisen werde. Endlich noch sei dem Mini­sterium von dem Gesandten der Vereinigten Staaten beim königl. preuß. Hofe die Mittheilung gemacht, daß er er­

mächtigt fei , in offizielle Beziehungen zur provisorischen Regierung zu treten. (Bravo.) Ferner antwortet der Herr Minister auf eine Interpellation Wern hers, die Verhältnisse Limburgs zu den Niederlanden betreffend. Er bemerkt, der deutsche Gesandte sei beauftragt, der nieder­ländischen Regierung offizielle Mittheilung von den diefes Verhältniß betreffenden Beschlüssen der Nationalversamm­lung zu machen, die entsprechende Erklärung der Regierung entgegenzunehmen und fernere Maßregeln zur Verwirklichung dieser Beschlüsse zu beantragen. Das Ministerium glaube hiermit seine Schuldigkeit gethan zu haben, und versichere, daß es entschlossen sei, die Rechte und Interessen Deutsch­lands in dieser hochwichtigen Frage in ihrem ganzen Um­fange zu wahren. Wgs die Beschwerde der Bewohner Limburgs über die Mißachtung der deutschen Fahnen re. von Seiten des niederländischen Militairs betreffe, so habe er deßhalb eine Unterredung mit dem niederländischen Ge­sandten gehabt, und aus den mitgetheilten Aktenstücken gehe hervor, daß die, Anzahl der holländischen Truppen viel zu gering gewesen sei, um die Besorgniß zu erwecken, als strebe die holländische Regierung dahin , auf gewaltsame Weise die Erledigung der Frage herbeizuführen. Dem Ministerio seien diese Erläuterungen zu allgemein und einigermaßen evasiv erschienen und es habe deßhalb ge­beten, ihm eine größere Beruhigung zu verschaffen. Darauf habe das Ministerium zwei weitere Mittheilungen erhalten, von denen die eine befriedigender sei. Dieselbe besteht in einem Schreiben des niederländischen Gesandten, worin der­selbe bemerkt, es sei nicht wahr, daß die Deutschen Fahnen von den niederländischen Soldaten abgenommen und mit Füßen getreten seien; nur eine Fahne, welche sich auf einem Freiheitsbaume aufgesteckt befunden habe, habe das Militair abgenommen. Das Ministerium habe nun den Gesandten instruirt, die niederländische Regierung mit den Petitionen und Beschwerden der Bewohner Limburgs bekannt zu machen und sie zu ersuchen, eine genaue Untersuchung über den resp. Thatbestand aufzustellen, und im Falle der Wahrheit, trotz der gegebenen Erklärung, die Remedur und ent­sprechende Genugthuung zu beantragen. Wernher von Nierstein, welchem diese Antworten nicht genügend erscheinen, stellte hierauf zwei näher von ihm motivirte Anträge. Die Versammlung möge beschließen:

1) Daß die von dem Hrn. Minister erwähnten und nicht