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Aufschub des unvermeidlichen Einzugs der Oesterreicher. Manin schwebt zwischen Tod und Leben; er ist zum Ty­rannen geworden, theils um sich seiner eigenen Haut zu wehren, theils um durch Gewalt zu erzwingen, was er auf gewöhnlichem Wege nicht erringen kann. Die mili­tärische Besatzung der Stadt wird auf 10,000 Mann an­geschlagen.

Bian gibt für gewiß, daß die päpstliche Deputation fol­gende Uebereinkuuft mit Weiden abgeschlossen hat:Die österr. Armee wird die Legationen räumen. Oesterreich wird eine Besatzung in der Citadelle von Ferrara behal­ten , welche in der Gewalt des Kaisers bleibt. Einige österreichische Corps werden an den Ufern des Po bleiben können, bis die Gegend ruhig ist. Der Papst wird keinen Antheil an irgend einem Kriege Italiens gegen Oesterreich nehmen."

Frankreich.

- Louis Philipp soll sich an die französische Regierung mit der Bitte um pecuniäre Unterstützung gewandt haben. Graf Montalivet soll das Gesuch überbracht haben, und die Regierung auch bereit sein, dem Exkönige so viel zu­kommen zu lassen, als er zu seinem anständigen Auskom­men gebraucht, aber nicht so viel, daß darausAnlaß zu einem Bürgerkriege" entstehen könnte.

Paris, 27. August. Proudhon hat der National­versammlung einen neuen Finanzvorschlag vorgelegt, derselbe betrifft eine Nationalanleihe von 2000 Millionen, um Han­del und Industrie wieder in die Höhe zu bringen und alle Deficits zu decken, und die Vereinigung der Bank von Frankreich mit dem Staatsschätze.

Paris, 28. August. Belgische Blätter bestätigen es, daß Louis Blanc am 27. in Gent war. Er wurde von einigen Personen dort erkannt, worauf ihn ein Polizei­kommissär, weil er ohne Paß war, verhaftete; die belgische Regierung soll aber unverzüglich den Befehl nach Gent gesandt haben, ihn in Freiheit zu setzen. DerJnde- pendance" zufolge soll er am 28. schon in Ostende ange- kommen sein. Vor seiner Abreise aus Paris hatten ihm seine Freunde rasch noch 3000 Fres. Reisegeld verschafft.

Gestern Vormittag 9 Uhr hat d^r aus fünf Commissa- rien (Capo de Feuillide, de Lavalette, Albert Maurin, Paul Feval und Eugene Neuillot) bestehende Ausschuß des Journalistencongresscs eine Adresse an den General Ca- Vaignac übergeben, worin gegen die Aufhebung mehrerer Journale speciell und gegen die jüngsten Preßmaßregeln im Allgemeinen protestirt wird. Cavaignac empfing sie mit seiner bekannten Zuvorkommenheit. Die Couferenz dauerte beinahe eine Stunde. Cavaignac schloß sie mit den Wor­ten:Indem ich die Journale suspendirte, deren Angriffe mir für die Befestigung der Republik eine Gefahr schienen, glaubte ich eine Pflicht zu erfüllen. Sie, Journalisten, Sie thun die Ihrige, indem Sie gegen diesen Eingriff in die Preßfreiheit und in die Rechte des Schriftsteller pro- testiren. Morgen (29.) Vormittags 10 Uhr halten die Journalisten eine zweite Generalversammlung bei Le- mardeley, in welcher zunächst der Ausschuß seinen Bericht über obigen Empfang abstatten wird.

Landtag.

Sitzung am 1 September. Die heutige Sitzung, welche von 10 Uhr Morgens bis 3 Nhr Nachmittags dauerte, war eine der interessantesten, welche seit langer Zeit gehalten wurden; ernste Berathungen und Verhandlungen wechselten mir vertraulichen Unterredungen und Zwiege- sprächen, Regen in angemessenen Zwischenräumen mit Son­nenschein, fröhliche und lachende Gesichter mit finsteren Mienen, in denen Manche sogar eine schlecht verdeckte sehr zu tadelnde Verbissenheit bemerkt haben wollen; selbst an einzelnen Witzen und naiven Bemerkungen hat es nicht gefehlt, die gemeinsam mit dem Geprassel von Schloßen- und Regenschauern und den dadurch veranlaßten Unter­brechungen die Versammlung und das Publikum ergötzten und.für die ernsten Gegenstände desto empfänglicher und aufmerksamer machten. Was nun die Gegenstände selbst betrifft, die zur Berathung kamen, so muß hier zunächst, abgesehen von der Mittheilung des Herrn Präsidenten, daß Herr Regierungsrath Wippermann, Vorstand des Finanz- ministeriums, für die Dauer der Abwesenheit des Vorstands des Ministeriums des Innern auch mit Vorsehung dieses Ministeriums beauftragt sei, und daß Herr von Baum­bach wegen seiner Beförderung zum Oberappellationsrathe auf seine Stellung als Deputirter verzichtet, und seinem Kommittenten die Ernennung eines anderen Vertreters an­heimgegeben habe der Bericht des Herrn v. Trott Namens des Desiderienausschusses über ein Gesuch der Glashüttenbesitzcr Becker und Genossen zu Obernkirchen um Verwendung bei der Regierung zum Zwecke der Ue- berlassung von 5 Acker Forstgrund zur Erweiterung der Fabrik erwähnt werden. Der Ausschußantrag ging dahin, die Regierung um Mittheilung der Gründe zu ersuchen, aus denen das Gesuch bisher fortwährend abgeschlagen worden sei, worauf der Herr Landtagscommissar anführte, daß das jüngst an's Ministerium des Innern gelangte Ge­such an das Finanzministerium abgegeben und von diesem dem Oberforstcollegium zur Instruction mitgetheilt worden sei. Davon habe man die Petenten einstweilen benach­richtigt und er zweifele nicht, daß in aller Kürze ein Beschluß erfolgen werde; die Gründe früherer Verzö­gerungen seien in den auf dem betreffenden Forstgrunde ruhenden Hute- und Holzberechtigungen kurhessischer und schaumburg - lippe'scher Unterthanen zu suchen. Hr. Le­derer und Hr. Reischauer sprachen energisch für die Bitt­steller und bemerkte der Letztere namentlich, daß von dem fraglichen Forstgrunde auch Flächen zu Neubauten und an den Besitzer der Glasfabrik zu Schauenstein abgetreten seien, was ihn fast zu dem Glauben veranlassen müsse, als habe der Besitzer dieser Fabrik der Gewährung emgegengestan- den; dazu komme, daß der Boden sehr steril sei und für Hute und Bepflanzung mit Holz Nichts tauge, welcher letzteren Behauptung Hr. v. Münchhausen jedoch wider­sprach. Herr Finanzministerialvorstand Wippermann be­merkte, daß die Bittsteller, soweit er die Sachlage bis jetzt übersehe, in aller Kürze einem willfährigen Beschlusse enl- gegensehen könnten. Mit Rücksicht hierauf ließ man den Ausschußantrag und die Sache selbst einstweilen auf sich