Hessische Sei tun«.
»^ G-A» Freitag, den 1. September. 1848»
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem UnterhaltangSblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Tblr. 3 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.
Politische Nachrichten.
Deutschland.
Wien. Der Gemeindeausschuß der Stadt Wien hat auf die an die Armee in Italien und ihren Feldherrn, aus Anlaß der wider die Feinde des Vaterlands erfochtenen glänzenden Siege, unterm 29. Juli d. J. erlassene Adresse, ein Schreiben des Feldmarschall Radetzky erhalten. Der Ausschuß findet sich um so mehr veranlaßt, den Inhalt dieser Zuschrift nachstehend zu veröffentlichen, als dieselbe theilweise auch an die gesammte Bürgerschaft Wiens gerichtet ist und als ein Ausdruck der constitutionellen Gesinnungen des verehrten Helden angesehen werden darf. „An den Gem-urdeausschuß der Stadt Wien. Mit inniger Rührung empfing ich den Ausdruck der Theilnahme, den der Gemeindeausschutz der Stadt Wien mir und der von mir befehligten Armee in seiner Adresse vom 29. Julii bei Gelegenheit der Siege aussprach, die wir mit Gottes Schutz über die Feinde Oesterreichs errungen haben. Es war mir eine angenehme Pflicht, ihren Inhalt sogleich zur Kenntniß der Armee zu bringen. Empfangen Sie, meine Herren, meine und meiner tapfern Waffengefährten wärmsten Dank für die hochherzige Anerkennung unserer Leistungen , auf die wir jedoch erst dann stolz sein können, wenn sie dazu beitragen werden, die Bande wieder zu befestigen, die sonst unsere Monarchie zu einem großen kräftigen Staatskörper umschlungen hielten, die aber, wir dürfen es uns leider nicht verhehlen, durch die Ereignisse der jüngsten Zeit gelockert wurden. Ja, meine Herren, die Armee von Italien liebt den Kaiser und das Vaterland, sie liebt seine Freiheit, seine Gesetze, seine Institutionen, und wird mit Freuden in Vertheidigung dieser heiligen Unterpfänder ihren letzten Blutstropfen verspritzen; sie hält aber das Glück der Monarchie unzertrennlich von ihrer Einheit, ihre Einheit nur möglich durch treues und aufrichtiges Anschließen an den konstitutionellen Thron eines geliebten Kaisers, eines Regentenhauses, das durch ein halbes Jahrtausend die Liebe und der Stolz eines jeden Oesterreichers war. Ich bedaure, daß ich die Zweifler über Oesterreichs Einheit nicht über die Schlachtfelder führen kann, die ich soeben verlassen, um ihnen zu zeigen wie da der Slave mit dem Ungar und dem Deutschen im Tode verbunden dahingestreckt lag, wie in der kalten Todesmiene keine andere Leidenschaft zu lesen war, als Trotz gegen den Feind und
Treue bis-in den Tod dem Kaiser und Vaterlande. Bei diesem feierlichen Anblick, meine Herren, ergriff mich die Ueberzeugung, daß an die Stelle unserer gegenwärtigen Zerrissenheit wieder Einheit und Bruderliebe treten müsse, so weit der Scepter Oesterreichs reicht. Die Siege, welche die Armee eben erfochten, werden hoffentlich einen ruhmvollen Frieden nach außen zur Folge haben. Gott wird uns den innern Frieden wieder schenken. Empfangen Sie meinen wärmsten Dank und entbieten Sie den wackern Bürgern Wiens meinen und meines Heeres herzlichen Gruß." Hauptquartier Mailand am 14. August 1848.
Graf Radetzky ni. p.
Wien, 27. August. Die Debatten über den Kudlich'- schen Antrag find endlich geschlossen, nachdem Bach sich noch im Ramen des Ministeriums für Entschädigung bei Aufhebung der dringlichen (nicht der persönlichen) Lasten ausgesprochen und dies für eine Kabinetsfrage erklärt hat. In den nächsten Tagen beschäftigt man sich mit der Frage- stellung, — es find über 70 Amendements da. Das Wichtigste aus der ganzen heutigen Sitzung ist eine Interpellation über die Donauländer. Straßer fragte am Schluffe seiner deshalbigen Rede, ob das Ministerium vom eigentlichen Charakter der dortigen Volksbewegung unterrichtet sei; welche Politik es der provisorischen Regierung und den Schutzmächten gegenüber einschlagen wolle; ob eine romainische Deputation um Hülfe hergesandt, ob sie gehört ward, oder doch Hoffnung dazu hat; ob das Ministerium Erhebung angeordnet über das in der Presse getadelte Benehmen des dortigen österreichischen Agenten? (Bravo). Minister Wessenberg: Was den historischen Theil der Interpellation betrifft, so kann ich folgende Auskunft geben: als nämlich in der Wallachei die tumultua- rische Bewegung der bestehenden Regierung ein Ende machte und in Folge derselben der Hospodar Fürst Bibesko auf seine Stelle resignirte, erachteten die beiden Schutzmächte, die Pforte und Rußland, den bestehenden Verträgen gemäß sich genöthigt , zur Vermeidung größerer Unruhen einzuschreiten. In der Wallachei konstituirte sich eine provisorische Regierung, welche aber von der Pforte als illegal erklärt wurde; dieselbe ernannte in der Person des Suleiman Pascha einen Bevollmächtigten, welcher die Einsetzung einer interimistischen Regierung und Statthalterschaft veranlaßte, die auch bereits am 21. August ihr Amt antrat. Suleiman Pascha