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Rhein Walds heftige Angriffe auf den Jesuitenorden, dessen so wie der Redemtoristen und Ligorianer Verbannung vom deutschen Reichsgebiete er beantragt, wurde von den katholischen Mitgliedern der Rechten und Centren mit heftigem Zischen erwiedert. Nach dem Schluffe der Debatte erhielt Beselcr, Berichterstatter, das Wort, um die § 11, 12, 13 des Entwurfs gegen die gestellten Amendements zu rechtfertigen, ehe zur Abstimmung über diese §§. geschritten wurde. Die M. wurden darauf in folgender Fassung an­genommen.

§. 11 Jeder Deutsche hat volle Glaubens­und Gewissensfreiheit (Ausschußantrag).

Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Ueberzeugung zu offenbaren, oder sich irgend einer religiösen Genossenschaft anzuschließen. (Amendement Plathners.)

§. 12. Jeder Deutsche ist unbeschränkt in der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Uebung seiner Religion.

Verbrechen und Vergehen, welche bei Aus­übung dieser Freiheit begangen werden, sind nach dem Gesetze zu bestrafen. (Anöschußantrag.)

§. 13. Durch das religiöse Bekenntniß wird der Genuß der bürgerlichen und staatsbürger­lichen Rechte weder bedingt noch beschränkt.

Den staatsbürgerlichen Pfichten darf das­selbe keinen Abbruch thun. (Ausschußantrag.)

8 Abgeordnete aus Tyrol gaben eine Erklärung zu Pro­tokoll, daß sie bem Gesetze über die Kultusfreiheit §. 12 ihre Zustimmung in der Voraussetzung gegeben hätten, daß die betreffende Behörde bei der Anwendung desselben auf Tyrol die den eigenthümlichen Verhältnissen dieses Landes entsprechenden Rücksichten nehmen werde. Diese Erklärung wurde von vielen Seiten mit lautem Mißfallen ausge­nommen.

Die noch auf der Tagesordnung stehende Wahl eines Finanzausschusses wurde, da die Zeit schon ziemlich vorge­rückt war, auf Morgen verschoben. —

Morgen: Fortsetzung der Berathung des Art. III.

Die 600 würtembergischen Uhlanen werden Morgen die Stadt wieder verlassen. —

Wien, 26. August. Der Preßproeeß der Studenten- Conriers ist vorüber, Falke und Buchheim wurden freige­sprochen. Die erste öffentliche Sitzung eines Gefchwornen- Gerichts ist so passabel abgelaufen — es war mehr eine öffentliche politische Debatte als eine Justiz - Verhandlung. Doch thut das nichts zur Sache. Ich glaube, nur das freisprechende Urtheil hat einen neuen Sturm von der Stadt abgehalten, denn die Gemüther sind so aufgeregt, daß sie der kleinste Funke zur Erplosion bringt.

Wien, 22. Aug. Die Wiener Bewegung tritt jetzt in ein neues eigenthümliches Stadium; sie wirft sich auf das religiöse Gebiet; doch erblicken die besonnenen und ängst­lichen Gemüther in dem zur Sprache gebrachten Deuisch- Katholicismus nur eine neue Art der politischen Wühlerei, Der Klerus kämpft wie überall pro aris et focis mit offe­

nen Waffen. Die Versammlung im Odeonsaale hat er durch Feuerlärm zu stören gewußt. Jetzt kündigt der „Seel­sorge-Klerus" den Gläubigen heute Sonntag feierlich mit­telst großgedruckten Maueranschlags an, daß der katholischen Kirche in Wien eine „schmerzliche Wunde" geschlagen, daß einer ihrer Söhne von ihr abgefallen, und daß dieser, ob­gleich bis auf die letzte Zeit „fungirenber Priester," jetzt eifrigst mit Verbreitung gefährlicher Irrlehren beschäftigt fei. Der Abtrünnige wird übrigens in diesem Placat nicht mit derjenigen christlichen Liebe behandelt, die einem christ­lichen Klerus, zumal wo er als Corporation auftritt, wohl anstehen würde. Unbegründet scheint die Furcht des päpst­lichen Nuntius zn sein, als würde bei einem etwanigen thätlichen Ausbruche dieser Bewegung sein Haus zuerst oder überhaupt besonders bedroht werden. Eine vielleicht etwas zu weit getriebene Vorsicht soll den Prälaten bestimmt haben, seine Archive der französischen Gesandtschaft anzuvertrauen, im Fall ihm Ercesse heranzunahen schienen.

— Eine der Allgm. Ztg. aus Wien zugebende Nachricht bestätigt die Gestern von uns mitgetheilte Nachricht der Berliner Zeitungshalle, daß Wessenberg die Vorschläge der Reprâs. Englands und Frankreichs abgelehnt habe, da man mit dem König Karl Albert in direkten Unterhandlungen stehe, und nicht wisse, ob er selber die Vermittelung ange­nommen (was jedoch geschehen ist), und da ferner die Be­dingungen des Waffenstillstandes noch nicht alle erfüllt seien. Letzteres bezieht sich wohl hauptsächlich auf Venedig, das sich durch das Bleiben der sardinischen Flotte in seinem Widerstand geschützt sieht. Nach einem Wiener Briefe in der Frankf-O.-P.-A.-Z. hätte Oesterreich vor allem im Sinn, eine Volksrepräsentation in Mailand zusammentreten zu lassen, um mit ihr über das künftige Schicksal der Lom­bardei, die Kriegskosten, die Staatsschuld rc. zu verhandeln.

Die Wiener Unruhen.

Die Arbeiter hatten am 23 August in der Brigittenau drei Gräber, mit Blumen geschmückt, errichtet und in dem mittleren allegorisch die verlorenen 5 Kreuzer begraben mit der Aeußerung, in die andern zwei wollten sie Municipal- Gardisten lebendig begraben. Nachdem die Arbeiter in Masse von der Brigittenau gegen die Leopoldstadt gezogen, rückte ihnen die Garde entgegen und forderte sie auf, keine Demonstration zu machen. Auf dieses Hieb ein Arbeiter mit seinem Gcabscheid auf die Municipalgarde ein, und andere an der Spitze forderten ihre Mitarbeiter auf nicht davon zu laufen, und gingen auf die Garde los. Die Garden machten einen Bajonettenangriff, und gaben sodann eine Salve, auf welche die Arbeiter geflohen sind. Später wollten dieselben mit einem Popanz, welcher den Minister der öffentlichen Arbeiten darstellen sollte mit einem 5 Kreu- zerstücke sm Munde, eine Demonstration begehen. Im Pra­ter entstand ebenfalls ein Tumult, durch einen National- gaemsteu, welcher sich mißliebige Aeußerungen erlaubt hatte, veranlaßt Es wurde Allarm geschlagen und abermals entspann sich ein trauriger Kampf zwischen den Arbeitern und den Municipalgarden. Der Anblick der improvisirten Spitaler, Shawelö Reitschule, das Odeon, das Kloster der barmherzigen Brüder, bietet einen herzzerreißenden Anblick * dar. Man spricht von 58 Todten und 200 Verwundeten.