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Hessische Zeitung.
â^ Sie Dienstag, den 29. August. 1S-&S«
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Äbonnementspreis beträgt 1 TlUr. 5 Sgr. für dirs Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.
Politische Nachrichten.
Deutschland.
-^Frankfurt, 27. August. Gestern Abend hatten wir das lang entbehrte Schauspiel eines Auszuges des hiesigen Arbeiter-Vereines, dem sich einige Turner und ein Arbeiter - Musikverein angeschlossen hatten. Veranlassung dazu gab die erwartete Ankunft des Herrn Deutsch, welcher, wie aus den Zeitungen bekannt ist, eine Adresse des Wiener demokratischen Vereines, der sich der dortige Sicherheits-Ausschuß und noch einige demokratische Vereine angeschlossen haben, an die Mitglieder der äußersten Linken der hiesigen ReichsHersammlung zu überbringen hat. Ein Plakat hatte schon gestern Mittag zum Empfang der „Deputation aus Wien, der Repräsentantin aller dortigen politischen Korporationen" in einen vor dem Allerheiligen Thore gelegenen öffentlichen Garten eingeladen. Unter den Anwesenden bemerkten wir einige wenige Mitglieder der äußersten Linken, Schlöffel, Wesendonck, Simon von Trier, Schmidt von Löwenberg, Dietsch aus Annaberg, Reinhard aus Mecklenburg, Wiesner aus Oesterreich, R. Blum, und außerdem auch Pelz, der von seinem Ausfluge in das Altenburgische wieder zurückgekehrt zu sein scheint. Die Abgeordneten verließen jedoch nach einiger Zeit, da die Ankunft der Deputation sich sehr verzögerte, den Ort der Empfangsfeierlichkeit. Gegen 10 Uhr erst kam die Deputation in der Begleitung mehrerer Turner, die ihr bis Hanau entgegengefahren waren, in einem E i n- spänner an. Böllerschüsse verkündeten dies dem harrenden Vereine, welcher schnell ein Spalier bildete, durch dessen Mitte sich die „Deputation" Herr Deutsch in den Garten begab. Hier wurde dieselbe von einem jungen Manne, Journalist Kapp, begrüßt und der Stadt Wien, als deren Repräsentanten der Depntirte aufgefaßt wurde, ein Hoch gebracht. Der Deputirte dankte daraus und brachte den Männern der äußersten Linken ein Hoch aus. Wiesner sprach im Namen der äußersten Linken, die nur 40 Mitglieder zähle, hierfür seinen Dank aus. Auf die Bemerkung, daß diese Partei in der Nationalversammlung nur sehr schwach sei, bemerkten mehrere Stimmen, daß das Volk aber hinter ihr stehe. Nachdem der Redner in einem kurzen Abriß die Bemühungen der Oesterreicher für Erringung der Freiheit der Reformation geschildert hatte, brachte
er der Bevölkerung Wiens ebenfalls ein Hoch aus. *) Nachdem Kapp verkündet, daß der Abgeordnete Deutsch Montags Abends einen Vortrag über den Stand der Demokratie in Oesterreich halten werde, setzte sich der Zug, der aus einigen hundert Köpfen bestand, nach der Stadt mit Fackeln in Bewegung. Unter beständigem Singen des Heckerliedes und Hochs auf Hecker und die Republik, die besonders bei den Wachen sehr lebhaft waren, zog der Zug über die Allerheiligengasse, die Zeil und Catharinenpforte bis vor das Gasthaus zum Landsberg, wo derselbe nach 11 Uhr ruhig auseinander ging. — Wenn der Abgeordnete das ist, wozu ihn Herr Kapp machte, ein Apostel der Freiheit im Westen Deutschlands, um das erschlaffte Volk wieder zur Thatkraft anzuspornen, so werden wir wahrscheinlich das Vergnügen haben, über noch weitere Volksversammlungen berichten zu können. Heute ist eine solche nach Preungesheim ausgeschrieben. Die gestrige Demonstration wgr. ganz unschuldiger Natur, denn:
Wo man singt, da laß Dich ruhig nieder.
Böse Menschen haben keine Lieder.
Die böse Fama sagt übrigens, die „Deputation der Stadt Wien" fei gestern Morgen schon hier gewesen, fei dann nach Hanau gefahren, um sich von da aus mit Pomp empfangen zu lassen. Das Plakat hat dann die beabsichtigte Wirkung nicht gehabt. Die Staffage war dieselbe wie gewöhnlich. In Hanau sollen ebenfalls einige Demonstrationen zu Ehren Heckers stattgefunden haben. — Heute Mittag zog die Würtembergische Reiterabtheilung hier ein. Auf der Zeil inspicirle sie der Erzherzog Reichsverweser.
*** Hersfeld, 28. August, Der in Folge des Kaffeler Aufrufs vorgestern hier zusammengetretene Wahlcongreß ist geschlossen, und eile ich, Ihnen vorerst eine kurze Skizze seines Verlaufes zu geben. Auf Einzelnheiten werden wir noch oft zurückkommen müssen, wenn der ausgestreute Saa- men Früchte tragen soll. Die erste öffentliche Sitzung begann am Sonnabend Nachmittags in dem schönen Saale des Vereins. Es waren Depntirte von Wahlcdmitë's aus allen Theilen des Landes anwesend. Die Versammlung
*) Zu bemerken ist wohl noch aus dieser Rede, daß der Redner den Charakter des Abgesandten, als Gesandten des Sicherheitsausschnsses besonders hervorhob.^