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Neue

Hessische Zeitung.

J\o HO» Montag, den 28. August. 18-18»

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Tkilr. 5 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten. Deutschland.

Frankfurt, 25. August. 66. Sitzung der deutschen Reichsversammlung. Sämmtliche Minister sind heute ge­genwärtig, um auf die an sie gestellten Interpellationen, zu antworten. Zunächst liest v. Beckerath, Minister der Finanzen, einen ausführlichen Bericht über den Bestand der Reichskassen vor, welcher alsbald gedruckt und an die Mitglieder vertheilt werden wird. Der Präsident bemerkt hierauf, daß wohl jetzt der Antrag Schreiners auf Niedersetzung eines Ausschusses zur Prüfung der Fi­nanzen erledigt werden könne. Nachdem noch Zimmer­mann von Spandow den Wunsch ausgesprochen hat, daß diesem Ausschüsse die Prüfüng des eben verlesenen Berich­tes aufgegeben werden möge, wird beschlossen, nächsten Montag zur Wahl dieses Ausschusses zu schreiten, v. Peucker, Kriegsminister, nimmt hierauf das Wort, um auf 2 an ihn gestellte Interpellationen zu antworten. Auf die erste, welche den in den Zeitungen enthaltenen Brief betrifft, giebt er eine ausweichende Antwort, da er Zeitungsartikel nicht für geeignet hält, die Grundlage parlamentarischer Debatten abzugeben. Was die Feier des 6. August betreffe, so könne er versichern, daß mit einigen Modifica- tionkn dem Befehle der Centralgewalt von den Regierun­gen nachgekommen sei.

In Hannover sei durch einen neuen Tagesbefehl die Armee beordert, die deutschen Farben an ihren Panieren und Kopf­bedeckungen anzulegen und zwar sei zu diesem Akte eine neue Parade in Aussicht gestellt. Hierin, so wie in der vor einigen Tagen erfolgten unumwundenen Anerkennung der Central­gewalt und in der Bereitwilligkeit, womit Hannover in jüngster Zeit seine Bundespflichten auf dem Felde der Ehre erfüllt habe, dürfe man eine befriedigende Lösung der Frage anerkennen.

In Beziehung auf Preußen verwahrt sich Peucker zu­nächst gegen einen in Preußen verbreiteten Irrthum, als habe sich sein Befehl auch auf die nicht zum Bundeseon- tingente gehörigen preußischen Truppen erstrecken sollen. Seine Anordnung besage nichts davon. Ein Theil des preußischen Heeres habe die Feier des 6. August genau so vollzogen, als sie angeordnet war. Der Vieegouverneur in Mainz habe sogar aus freiem Antriebe die preußischen

und österreichischen Truppen die Ernennung des Reichsver­wesers durch Parade rc. feiern lassen. Da die preußische Regierung bereit sei, ihre gesammte Waffenmacht ins Feld zu schicken, wenn Deutschlands Schutz und Sicherheit es verlange, so habe sie geglaubt, den vorliegenden Zweck dadurch am einfachsten zu erfüllen, wenn sie die gelammte Armee durch einen Tagesbefehl von der Uebernahme der Centralgewalt durch den Reichsverweser in Kenntniß ge­setzt habe, um so mehr, als die gesammte Armee die deut­schen Farben bereits angelegt hatte. Ein Schreiben der preußischen Regierung drücke die Hoffnung aus, der Erz- herzog-Reichsverweser werde bald Veranlassung nehmen, auch solche Truppen, die nicht zum Bundescontingente ge­hören, zu inspiciren, und sich davon zu überzeugen, daß alle bereit seien, dem Deutschen Vaterlande mit Kraft zu dienen. Außerdem stelle sie demselben ihre westliche Waf- fenmacht ohne Weiteres zur Verfügung, sobald die Cen­tralgewalt derselben bedürfen sollte. Die preußische Re­gierung habe hiernach, wenn auch nicht der Form, doch der Sache nach, bei diesseitigen Aufforderung Folge geleistet. Der Herr Minister will hierauf die Tribüne verlassen, als einige Mitglieder der Linken durch Zuruf denselben auffor­dern, sich auch über Oesterreich zu erklären, Er bemerkt darauf, daß in Oesterreich die Parade statt gefunden habe, das Anlegen der Deutschen Farben habe bei den verschie­denen Nationalitäten, aus denen das österreichische Heer bestehe, einigen Anstand gefunden. Uebrigens werde hier­über der Minister des Innern, der deßhalb interpellirt sei, Aufschluß geben. Die Linke fragt weiter, wie es in Baiern gehalten sei. v. Peucker: der Akt ist dort vollzogen! Links: Oh! Oh!

Vogt und Schlöffel finden sich durch die erste Ant­wort des Herrn Kriegsminister nicht befriedigt und stellt ersterer den Antrag: Die Nationalversammlung möge den Herrn Kriegsminister auffordern, den in den Zeitungen be­findlichen Brief, den das Gerücht ihm zuschreibe, förmlich zu desavouiren. Schlöffel will, daß der Kriegsminister das Original des Briefes auf dem Tische des Hauses zur Einsicht der Mitglieder niederlege. Beide Anträge werden als nicht dringend an den Ausschuß verwiesen und zwar nach einem Anträge Simons von Trier an den Ausschuß für die Centralgewalt. Ebenso die von Vogt und Simon aus Breslau in Beziehung auf die 2te Antwort