Reue
Hessische Zeitung.
e L^ 8H« Sonnabend, den 26. August. R8â8«
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Politische Nachrichten.
Deutschland.
Kassel, am 25. August 1848.
In der Frankfurter Ober - Post - Amts - Zeitung vom 23.
August d. I. findet sich folgender 'Artikel:
M a n n h e i m, 20. August. Ein beklagenswerthes Ereigniß. Das gestern dahier eingcrückte Bataillon kurhessischer Infanterie ließ in einzelnen Auftritten sofort einen üblen Geist erkennen. Heute Nachmittag nach 2 Uhr verließen diese Soldaten plötzlich alle Wachtposten, und zogen sammt und sonders aus der Stadt über die Neckarbrücke, nachdem sie sich zuvor für einen Tag verproviantirt halten. Die Offiziere "folgten ihren Truppen nolens volens nach. Als Vorwand zu diesem Schritte wurde geltend gemacht, daß die ihnen als Quartier angewiesene Infanterie-Kaserne in einem unreinen Zustande sei und von Ungeziefer wimmle. Unter der gleichen Vorschützung hatten diese Soldaten die vergangene Nacht unter freiem Himmel zngebracht
Gegen diesen Artikel können und müssen wir, soweit er etwas Anderes als die Nachricht enthält, daß das gedachte Bataillon wieder aus Mannheini ausmarschirt ist, im Namen unseres vaterländischen Militairs Protestiren.
Der eckelhafte Zustand jener Infanterie-Kaserne war keineswegs ein, wie der obige Artikel will, blos eingebildeter oder vorgeredeter. Wäre derselbe nicht wirklich zu übel gewesen, so härten gewiß nicht die meisten Soldaten vorgezogen, die'ganze Nacht hindurch in übelm kalten Wetter im Freien auf dem Kasernenhof zu kampiren. Wir können aber auch versichern, daß dieser üble Zustand der Kaserne schon von den Officieren erkannt worden war, welche die Kaserne vor und während des Einmarsches in solche besichtigt hatten. Sodann enthält der Artikel, als ob die Soldaten eigenmächtig Wachtposten verlassen hätten, und die Offiziere nolens volens ihren Truppen gefolgt seien, eine grobe Unwahrheit. Der Commandeur hatte, nachdem auch er sich von dem zu Übeln Zustande der Kaserne überzeugt hatte, alsbald in der Frühe des 20sten August die Veranstaltung getroffen, in dem Falle, daß nicht im Laufe des Vormittags desselben Tages die Einquartierung des Bataillons in Mannheim selbst zu beschaffen sein würde, ein Bivouae in der Nähe von Mannheim zu beziehen, und dieser Veranstaltung gemäß zog das Bataillon auf Befehl des Com
mandeurs am Nachmittag aus Mannheim in ein Bivouae in der Nähe dieser Stadt aus. Daß übrigens unsere Soldaten nicht vergnügt und fröhlich über die Behandlung sind, welche sie in der neuesten Zeit wieder erfahren haben, glauben wir gern. Wir Hessen sind einmal regelmäßig in jedem Verhältnisse nach Außen schlecht, man kann wohl sagen, gar nicht vertreten gewesen. So wie in den Jahren 1814 und 1815 unseren Hessen vorzugsweise die Rolle zugetheilt wurde, nur Festungen, wo es wenig Gelegenheit zu kriegerischer Auszeichnung gab, zu blokiren, und der Ruhm, zu einer bedeutenden Enrscheidung in offener Feldschlacht mitzuwirken, anderen Truppen vorbehalten 'wurde, so ist — während Truppen aller andern deutschen Länder ins Feld gegen den äußern Feind geschickt worden, und Gelegenheit erhalten, ihre Tapferkeit zu bewähren, —■ unseren Hessen wieder jetzt mehr die Rolle von Polizei- Soldaten zugewiesen worden, (wodurch sie auch selbst in Beziehung auf ihre Subsistenzmittel hinter die ins Feld geschickten Truppen zurückgesetzt sein sollen). Ja, während die andern deutschen Truppen, welche auf Befehl des Reichs- Kriegsministerii jetzt marschirten, in allen Gegenden, wo Eisenbahnen sind, mittelst dieser ihre Märsche ausführen, haben unsere hessischen Truppen jetzt von Frankfurt aus dicht neben der Eisenbahn her wie Packträger marschiren müssen. Eine sehr übel angebrachte kleine Ersparnis, welche den hessischen Soldaten die Ansicht auforängen muß, daß sie minder als andere deutsche Truppen geachtet und auch von ihren eignen Oberen nicht vertreten werden. △
-r Frankfurt, 24. August. 65. Sitzung der Deutschen Reichsversammlung. Burger von Triest,'J. Ku- randa und Dr. Joseph Winniwerter zeigen ihren Austrittt aus der Nationalversammlung an. Mehrere Berichte werden angezeigt. Schwarzenberg sen. zeigt den „Bericht des Geschäftsordnungs-Ausschusses über die auf der Gallerte vorgenommenen Veränderungen an." — Der Ausschuß in seiner Majorität beantragt, daß die auf der Gallerie dem Publikum entzogenen Räume diesem wieder geöffnet werden, daß aber das Bureau aufgefordert werden solle, Einrichtungen zu treffen, wodurch nur eine beschränkte Zahl von Hörern zugelassen werde und die Ordnung überall gehandhabt werden könne. — Ein M i no rt t äts e r a ch - teil verlangt, daß das Bureau beauftragt werde, die in dem jetzt für das Publikum unzugänglichen Raume getroffene