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Norwegen.

In der Sitzung des norwegischen Stört hing vom 16. sind Daa's schon im vorigen Storthing gemachte Vor­schläge wegen Veränderungen des §. 2 des Grundgesetzes dahin, 1) daß der §. folgenden Zusatz bekomme: „Alle christlichen Neligionssecten genießen überall im Lande freie Religionsübiing, und 2) daß der letzte Passus des § , „die Juden sind ganz und gar ausgeschlossen vom Eintritt ins Reich." außer Kraft gesetzt werde, trotzdem, daß die Constitutionscomitè ihnen beitrat, beide verworfen worden, der 1te gegen 8 Stimmen, der 2te mit 59 Stimmen ge­gen 43.

Schweiz.

Wenn bisher in allen Kantonen der Schweiz die neue Bundesverfassung angenommen worden, so ist der Kanton Zug der erste gewesen, der sie mit 1780 Stimmen gegen 803 (also mit doppelt überwiegender Mehrheit) verwor­fen hat.

Italien

Im Piemontesischen, in Turin und an allen Orten, er­zählt das „Journ. des Dcbats," sind die Parteien in hef­tigem Zwiste. Die Liberalen beschuldigen die Reaktionärs, im Geheimen gegen die Interessen der Unabhängigkeit Ita­liens gearbeitet zu haben, um den alten Absolutismus wie­der einrücken zu sehen. Die Liberalen müssen sich dagegen verwerfen lassen, sie batten durch Zusammenwirken mit den Republikanern-von Mailand lind Venedig die innere Zer­rissenheit genährt. Die Vorwürfe werden leider wohl bei­derseits gegründet sein; gewiß ist jedoch, daß die größte Schuld am Untergange der italienischen Siegeshoffnungen die Lombarden und Venetianer selbst, um deren Befreiung es sich handelte, tragen, da ihre politische Unreife, ihre eraltirten Führer, ihr republikanischer Schwindel Karl Albert in fortwährender Unsicherheit über seine eigene Zu­kunft erhielten und alles unterließen, was nöthig war, um den König wirksam zu unterstützen. So hatte die Lombar­dei z. B. statt 50,000 nur 20,000 Mann in den „Hei­ligen Krieg" gestellt, und diese 20,000 Mann schlugen sich jämmerlich. Hier ist die Schuld zu suchen, und nicht in einer „Verrätherei" Karl Alberts. Aber das Republi- kanerthum will die Wendung, welche die Dinge nahmen, gegen das Königthum benutzen, während sie doch am lau­testen gegen die Ziriciracht, welche Folge unvernünftiger Wühlereien war, und gegen die Maulhelden der Mailänder Caffos selber spricht. In Karl Albert nichts als einen ehrgeizigen Eroberer zu sehen, weil er die Lombardei seinem Lande einverleiben und, so ein festes Bollwerk der Unab­hängigkeit Italiens gegen das Ausland schaffen wollte, das ist gerade so unvernünftig, alö wenn man Friedrich Wil­helm 111. und Preußens Erhebung im Jahre 1813 und 1814 deßhalb mit Schmutz bewerfen wollte, weil Preußen durch den Krieg schöne und reiche Provinzen, wie z. B. die Rheinlande, in seinen Besitz bekam.

Die sardinische Flotte hat das adriatische Meer verlassen. In Mailand herrscht Ruhe: die Straßen sind verlassen und meist mit Soldaten angefüllt. — Der König Karl Albert ist in Alessandria. Die Regierung liegt noch im­

mer, wie vorher, in den Händen des Reichsverwesers, Prinzen von Carignan. — In den Provinzen Piemonts spielen die Kapuziner eine große Rolle, indem sie die Be­völkerung wieder in Enthusiasmus zu bringen versuchen und zu Opfern für das Vaterland und die Unabhängigkeit ermahnen.

Das sardinische Ministerinn, hat gegen den Waffenstill­stand mit Oesterreich protestirt. Diese Protestation ist dem französischen Ministerium des Auswärtigen durch den sar- dinischen Botschafter Übermacht worden. Auch soll eine (Konsultation italienischer Rechtsgelehrten erklärt haben, Ge­neral Salasco habe seine Vollmacht überschritten, indem er and eigner Macht die festen Plätze ausgeliefert und die Regierung verpflichtet habe. Hierauf soll das Ministerium einstimmig seine Entlassung eingercicht haben, ohne daß es dem König seitdem gelungen sei, ein anderes zu bilden. —■ In Genua erneuerte man am denkwürdigen Stein von 1746 den Schwur des Hasses und der Vertilgung gegen die fremden Unterdrücker. Commissarien wurden an den König gesandt, um ihn wegen des Standes der Angelegen­heiten zu befragen. Ueber den Waffenstillstand befragten sie ihn nicht, sie glaubten nicht, daß er auf solche Bedin­gungen wie geschehen, überhaupt abgeschlossen werden könne. Sie erkundigten sich blos, ob zu den entworfenen Friedens­bedingungen die Bezahlung einiger Millionen und die Ab­tretung der Feste Allessandria gehöre, — welches der Kö­nig auf das Bestimmteste verneinte.

Padua, 13. August. Die heutigen Nachrichten vom Kriegsschauplätze melden nichts Neues aus Mailand vom 13. F. M L. Melden zieht sich vor Venedig. In Modena, Parma, Piacenza sind alle von Karl Albert eingesetzten Behörden weggejagt worden, und die Landleute, die sich in Massen erheben, haben überall provisorische Regierungen errrichtet. In Venedig hat sich Manin wieder an die Spitze gestellt.

Nachdem Baron Melden Bologna verlassen hatte, hinterließ er dem F. M. L. Baron Perglas den Befehl, zum Abzug der Truppen für den 8. Im Augenblick jedoch, wo der letztere sich anschickte, diesen Rückmarsch an­zutreten, wurde er, gegen den Tags zuvor mit den Behör­den abgeschlossenen Vergleich, von bewaffneten Haufen an- gefaUen, drei die friedlich geglaubte Stadt besuchende Offi- ciere und mehrere Solvaten meuchlings erschossen, und ver­schiedene Gewaltthätigkeiten gegen einzelne verübt. Der F. M. L. Perglas sah sich somit in demselben Augenblicke, wo er die eingegangenen Verbindlichkeiten getreu zu erfüllen im Begriffe stand, in die Nothwendigkeit versetzt, die auf seine Arrièregarde gemachten Angriffe zurückzuweisen. Nach einem mehrstündigen Kampfe seiner Nachhut, welche er durch ein lebhaftes Geschützfeuer zu unterstützen gezwungen war, be­wirkte er geordnet seinen Rückmarsch gegen den Po und erreichte noch an demselben Tage Ponte di Reno, am 9. Corticetto und San Giorgio, am 10. Cento. Unser Ver­lust in diesem Kampfe, den die blinde Volkswuth, bei völ­liger Mißachtung der von den gesetzlichen Behörden aus­gehenden Befehle, als einen Act der Nothwehr von Seiten des F. M. L. Perglas erscheinen läßt, beträgt 5 Todte,