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Beilage

zu ^t r. 8 6 der Neuen 'HeffLsehen Zeitung.

fangen und zwang sie, alles Kirchensilber abzuliefern. So zog er mit 3 schwer beladenen Wagen, Gold und Silber nebst allen Kassen ab. Er nahm den Weg über Magenta. Jedenfalls scheint er sich wieder in die Arme Oesterreichs zu werfen. Nachdem die Piemontesen abgezogen waren, warfen die Truppen ihre Waffen weg. P i z z i g h e t t o n e hat der Commandant der Piemontesen vor seinem Abzug mit allem, was sich in der Citadelle befand, in die Luft gesprengt. Gegen 400 Menschen, worunter viele gefangene Deutsche, Geißeln, Weiber, Kinder, sind ein Opfer dieser Schandthat geworden.

Am 13. traf in Mailand die Nachricht ein, daß sich Genua erhoben und eine Volksbewegung gegen Karl Albert ausgebrochen ist. Feldmarschall-Lieutenant Melden steht in Padua. Die Piemontesen schicken sich zum Abzug aus Venedig an, allein die Freischaaren mit der Guardia eivica wollen sich bis auf den letzten Mann vertheidigen. Osoppo weigert sich, dem Befehle Karl Alberts zu gehorchen. Der Commandant Oberst Zenette gehorcht von nun an nur dem Befehle des Manini von Venedig. Im ganzen lombardisch- vcneiianischen Königreich herrscht vollkommene Ruhe, und die Bauern erklären überall, an Oesterreich halten zu wollen.

In Mailand sind nach Berichten aus Verona vom 11. August Gesandte von England und Frankreich erwartet, welche bei den daselbst zu pstegenden Friedensunterhand- lungen interveniren und zugleich die Aufgabe haben sollen, auch die südlichen Theile Italiens der Anarchie zu entrei­ßen. Radetzky hat überall die Feindseligkeiten einstellen lassen. — Peschiera und Osoppo sind in österreichischen Händen. Venedig soll blokirt werden.

N e a p e l, 8. Aug, Von Sicilien vernimmt man, daß man dort einzulenken gesonnen sei; in Palermo rüstete man sich jedoch zur Vertheidigung. Räuberei, Unordnung, Schmuggel im Großen scheint daselbst an der Tagesordnung.

Frankreich.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat verschiedene Verordnungen erlassen, die auf die Nationalwerkstätten Be­zug haben. Die Rückzahlung der Caulionen, welche die Brigadiers und Rottenchefs der National - Werkstätten ge­leistet haben, ist nunmehr ungeordnet worden. Unter den Namen der vor die Kriegsgerichte gestellten Gefangenen vom Juniaufstand, im Ganzen 94, soll sich kein einziger deut­scher Name befunden haben.

Paris, 16. August. Der Spectateur Republicain, der mit Cavaignac in Verbindung stehen soll, bemerft, daß in Rußland sich eine für Frankreich günstige Meinung bilde. (Das republikanische Frankreich scheint auf diese freundliche Gesinnung denselben Werth zu legen wie das Philippistische.) Am 4. Aug. wurden die französischen Fonds an der St. Petersburger Börse sehr hoch notirt, während sie seit sechs Monaten gar nicht notirt waren. Außerdem hat der Kaiser die für das Grab Napoleons bestimmten Granitblöcke zur Verfügung der französischen Regierung gestellt.

Am 14. gab Hr. Dupin (der ältere) ein großes Fest­essen zu Ehren der Mitglieder der Kommission, die mit

dem Entwurf der Konstitution beauftragt waren. Unter an­dern Notabilitäten der Nationalversammlung war auch Ge­neral Cavaignac eingeladen und Hr. Darrast. Man sprach natürlicherweise von Politik, und der Ministerpräsident hat bei dieser Gelegenheit geäußert: „er werde den Frieden aufrecht erhalten, und sollte er dadurch eine diplomatische Niederlage erleiden." Man habe diese Aeußerung von einer Person, die dem Festessen beigewohnt.

Paris, 18. August. Eine telegraphische Depesche des General Aupic, des neuen Bevollmächtigten bei der Pforte, kündigt der Regierung an, daß der Sultan den lange er­ledigten Gesandtschaftsposten in Paris wieder besetzen werde.

Paris, 19. August. Endlich ist der erste Band des großen Berichts der HH. Senard und Bauchart erschienen. Die Journale füllen sich daraus mit wörtlichen Auszügen. Dieser erste Band ist eine Zusammenstellung aller Verhöre. — Die Straßen nach Italien sind mit Kurieren bedeckt. Gestern Abend meldeten die Blätter, Karl Albert habe zu Gunsten seines 20jährigen Sohnes, des Herzogs von Sa­voyen, abgedankt, weil kein Minister den Waffenstillstand habe gegenzeichnen wollen. Der König habe vergebens sich bemüht, ein neues Ministerium zu bilden. — Lord Nor­manby hat seine Kreditive als englischer Gesandter bei der französischen Republik dem General Cavaignac überreicht.

Großbritannien.

London, 18. August. Auf einen Angriff des Lord Bentinck in der letzten Sitzung des Oberhauses gegen die von England übernommene Vermittlung zwischen Oesterreich und Italien bemerkte Lord Palmerston, England sei dazu von dem besondern Gesandten Oesterreichs , Baron Wessen- berg, aufgefordert ; man sei über gewisse Bedingungen über- eingekommen. Durch Baron Knoller habe er dann noch ein ähnliches Ersuchen des Wiener Kabinets vom 9. empfan­gen. Die Mittheilung des Baron Wessenberg sei aber, wie er glaube, nicht im Auftrage des Reichsverwesers erfolgt, sondern er habe sie in seiner Eigenschaft als österreichischer Minister der auswärtigen Angelegenheiten gemacht.

In der Sitzung des Unterhauses vom 17. wurde der, die diplomatische Verbindung mit Rom betreffende Gesetz­vorschlag zum zweiten. Male verlesen. Hr. d'Jsraeli meinte freilich, es werde damit nicht blos eine diplomatische, son­dern eine kirchliche Vereinigung augebahnt, Lord I. Russel aber glaubte nicht, daß der Protestantismus auf so. schwa­chen Füßen stehe; sei doch auch der sehr protestantisch ge­sinnte Ritter Bunsen Gesandter in Rom gewesen. Sei der Kirchenstaat auch nicht eine Macht ersten Ranges, so er­scheine die beabsichtigte Verbindung doch gegenwärtig aus manchen Rücksichten sehr wünschenswerth.

London, 19. August. Im Unterhause sind 90,000 Pfd. Sterl, für die Erziehung in Irland bewilligt worden. Die am Schluß der Sitzung von Russel beantragte dritte Lesung der Wahlkorruptionsbill brachte Oberst Sibthorp in Harnisch Es heiße das Haus überraschen, wenn es in so später Stunde noch ein so wichtiges Gesetz vornehmen solle. Die Verhöhnung der ehrenwerthen Herren brachte ihn ganz außer sich.