Einzelbild herunterladen
 

- 615 —

von Seiten Oesterreichs noch nicht förmlich anerkannt ist, obgleich diese Anerkennung im Conseil längst beschlossen ward und die deshalbigen Ausfertigungen nur der Unter­schrift des abwesenden Ministers des Auswärtigen Harren. Die besondere Aufmerksamkeit des kaiscrl. Paares für die Vertreter der Republik fiel allgemein auf. Der Kaiser sagte den französ. Bürgern unter Linderem mit Betonung: vous savez que vous ètes tout â fait réconnu ici main- tement. — Der Oesterreich. Reichstag ist nun schon seit mehren Tagen durch die Debatten über den Kudlichschen Antrag in Anspruch genommen, welche auch voraussichtlich noch mehre Sitzungen ausfüllen werden. In der Nacht vom 11. zum 12. August haben die Oesterreicher die Höhen des Stilfser Jochs genommen und den Deutschen Grenzpfahl wieder auf den Tonal aufgepflanzt.

Wien, 18, August. Ronge wird dieser Tage hier er­wartet, ja es heißt, er sei schon angekommen. Dem ersten Prediger Pauli hat sich ein zweiter mit Namen Hirsch­berg, ein Feldprediger, zugesellt. Prof. Füster wird der dritte des Kleeblattes sein und Ronge wird dasselbe zum vierblätterigen machen. Wie es vorauszusehen war, hat die kirchliche Bewegung schon eine Reaction hervorgerufen. Die lächerlichsten Ansichten werden über die neuen Ketzer in den ungebildeten Klassen verbreitet.

Wien, 19. August. Der Kaiser hielt heute in Be­gleitung der Erzherzöge (Franz Karl, Franz Joseph, Fer­dinand, Karl Ludwig) und einer großen militairischen Suite Revue über Linie und Nationalgarden. Die ganze akade­mische Legion zog lautlos vor Sr. Majestät vorüber. Es verdient bemerkt zu werden, daß sämmtliche Fahnen des Militairs auf Befehl des Kriegsministers mit den Deutschen Farben geschmückt waren. Wie imposant die Parade gewesen, dafür zeugt der Unistand, daß das Kom- pagnieweise vorgcuommene Dcfilè volle 3 Stunden dauerte. Viele Hochs wurden dem Kaiser von den Garden gebracht, aber überaus freudestürmisch wurden die neben dem Hofe Pistillen Reichstagsdeputirten, deren viele das schwarz-roth- goldne Band über die Brust trugen, begrüßt.

— In der Reichstagssitzung vom 17. zeigte der Kriegs­minister an, daß General Melden das Lager von Bologna verlassen und die Legationen geräumt habe.

— Aus einem so eben aus Scmlin erhaltenen Briefe entnehmen wir die Nachricht, daß die Ungarn am 24., 25. und 27. Juli von den Serben bei Perglas und Kurug mit bedeutendem Verlust zurückgeworfen sind.

Die Augsburger Allg. Zeitg. erfährt durch Mittheilun­gen aus Triest vom 14. d., daß am 10. Aug. Abends 8 Uhr in Venedig, auf die Kunde vom Falle Mailands und dem Rückzug des piemontesischcn Heers über den Tessin, wieder d i e R e p u b l i k p r o c l a m i r t worden. Manini trat wieder an die Spitze der Regierung, jedoch mit dem Geständniß: bei dem jetzigen Stande der Dinge könne die Republik keine 48 Stunden dauern, denn Venedig werde den Deutschen unterliegen. Die sardinischen und neapoli­tanischen Truppen wurden unter den Verwünschungen des Volks nach Ancona eingcschisft. Die größte Unordnung herrschte in der Lagunenstadt.

Berlin, 20. August. Es -wird versichert, die An­wesenheit des Dessauischen Staatsministers Habicht in Ber­lin habe den Anschluß der Anhaltischen Herzogthümer an Preußen zum Zweck gehabt.

Berlin, 19. August. Der aus den 20. August in Berlin berufene Arbeiter-Congreß wird am 2 3. August eröffnet. Alle Gewerke, sowie Arbeitervereine, werden noch einmal aufgefordert, sich bei demselben durch Abgeordnete vertreten zu lassen.

— 17. Aug. Bei dem geistlichen Ministerium sind bis jetzt bereits 80 Proteste aus Gemeinden verschiedener Ge­genden eingegangen, welche sich gegen die presbyterianische Kirchenverfassung erklären und das altprotestantische Ober- aufsichtsrecht des Staats über das protestantische Kirchen- Wesen behauptet sehen wollen. Es ist dies ein zweideutiges Geschenk an den neuen Staat, welches sich derselbe ernst­lich verbitten muß, denn die Kehrseite desselben ist am @nbr nichts Anderes, als die politische Unfreiheit selbst.

Berlin. Am 12. d. sind die Verhandlungen gegen den Studenten Feenburg und Genossen wegen des An­griffes auf das Zeughaus von dem Kammergericht geschlos­sen worden. Der Gerichtshof erkannte gegen Feenburg auf einjährige Festungshaft, und zwar mit Lan­desverweisung, aber ohne Auslieferung an Rußland. Ge­gen den Maler Glade, welcher beschuldigt war, ein Attentat auf die Person des damaligen Kriegsministers ver­sucht zu haben, ist auf 6 Monate Festungsstrafe, gegen den Schauspieler Treziak und den Kutscher Sieg, weil sie an einem Tumulte vor dem Kriegsministerium Theil genommen haben, ist auf 3 Monate Gefängniß, gegen den Zimmerlehrling Stolz mann endlich auf 3 Jahr Zucht­haus erkannt, weil er mit Steinen auf die Bürgerwehr geworfen hat.

— Nach der preußischen Natipnal-Zeitung beabsich­tigt die Regierung in Bezug auf den Posener Aufstand eine sehr umfassende Amnestie eintreten zu lassen.

S tettin, 18. August. In den nächsten Tagen soll das Dampfboot Königin Elisabeth mit 4 Kanonen armirt und 40 Mann Jägern an Bord aus Stralsund auslaufen, um die Küste und das Binnenrevier gegen räuberische An­griffe der Dänen zu schützen.

Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten.

Nach den von der Landesversammlung vor ihrer Ver­tagung gefaßten Beschlüssen darf diese Vertagung keines­falls länger als 4 Wochen dauern. Sie tritt spätestens den 15. Sept, wieder zusammen. Die provisorische Regierung ward aufgefordert, inzwischen die Rüstungen mit Energie fortzusetzen. Der Nerfassungsausschuß wird seine Arbeiteir wo möglich bis zum Ablauf der Vertagung beendigen und der Bericht gedruckt und vertheilt werden. Hr. Th. Ols­hausen hatte die Versammlung aus Veranlassung der zwi­schen ihm und andern Mitgliedern bestehenden Meinungs­Conflicte rücksichtlich der Deutschen Politik in Bezug auf Schleswig-Holstein um seine Entlassung aus der provisori­schen Regierung gebeten. Falck, Reventlow rc. hielten die Versammlung nicht für competent. Claussen behauptete da­gegen die Competenz, welche er aus dem Volkswillen und