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gefährlich sei. Es komme darauf an, daß die Kirchenge­malt erstehe als eine Macht, die alle Seiten des mensch­lichen Lebens umfasse und ausbilde. Der Redner erntete lebhaften Beifall von Seiten der Linken. — Die Verhand­lung wurde gegen 2 Uhr auf Morgen vertagt. Die Er- stürmung des Bureau, uni sich für Morgen als Redner einschreiben zu lassen, erregte große Heiterkeit.

Frankfurt, 22. August. 64. Sitzung der Reichs- Versammlung. Dr. Joseph V. Kalchberg zeigt seinen Austritt aus der Nationalversammlung an Das 8te Ver- zeichniß der Beiträge zur Deutschen Flotte, welches verlesen wird, ergiebt die Summe von 13,847 fl. 45 fr. Sämmt­liche bisher eingelaufenen Beiträge betragen 49,995 fl.

Eisenman n interpellirt den Minister des Innern we­gen der Anlegung der Deutschen Farben in den zu Deutsch­land gehörigen österreichischen Ländern. Die Antwort des österreichischen Ministeriums auf eine Interpellation in der Reichsversammlung zu Wien sei eine Schmach für das Deutsche Volk. Die österreichische Politik gehe dahin, einen Staat ausrecht zu erhalten, der nicht zusammengehalten werden könne. Man wolle dort das slavische Element auf Kosten des Deutschen stärken. Deutschland werde aber trotz dem seine Einheitsbestrebungen fortsetzen. Er wolle dem Ministerium keine Verlegenheiten bereiten, nur erkläre er, daß falls das Reiche Ministerium nicht eine Deutsche Politik befolge, er die Eenkren bewegen werde, um das Ministerium dazu zu nöthigen und daß, wenn dies keinen Erfolg haben sollte, er auf der äußersten Linken seinen Platz nehmen werde. Es sei au der Zeit, kräftig aufzu- treten und das Ministerium könne es, denn es habe hinter sich die Nationalversammlung und diese habe hinter sich das ganze Deutsche Volk. (Bravo.)

v. Schmerling, Minister des Innern erwiedert hier­auf, daß er in der Erklärung Eisenmanns über die in Oesterreich zu befolgende Politik keine Interpellation er­kennen könne. Habe der Redner damit gemeint, ob das Ministerium auf Befolgung einer Deutschen Politik in Oesterreich sehen werde, so könne er diese Frage nur ent­schieden bejahen. Was die Deutschen Farben betreffe, so werde nächsten Freitag eine Antwort darauf erfolgen, da bereits eine diese Frage berührende Interpellation an den Kriegsminister gerichtet sei. — Eisenmann will noch etwas entgegnen, der Präsident will jedoch heute keine weitere Diskussion über diese Interpellation zulasten. Es wird darauf zur Tagesordnung übergegangen. Auf derselben steht die Fortsetzung der allgemeinen Debatte über Art. 111 der Grundrechte. Für die Trennung der Kirche vom Staate sprachen heute vom katholischen Standpunkte aus Döllinger und Bischof Geritz; vom neuprotestantischen Standpunkte aus Zittel und Christ und von dem Standpunkte der Glaubenslosigkeit aus, oder wie der Redner sich selbst ansdrückte, von einem Stand­punkte aus, „der eigentlich gar kein Standpunkt ist," Vogt. Er erklärte sich für die Trennung der Kirche vom Staate unter der Bedingung, daß das, was man Kirche nenne, von der Erde spurlos verschwinde oder sich dahin zurück­ziehe, wohin es gehöre, in den Himmel, von dem er auf

Erden nichts wissen wolle. Jede Kirche sei ein Hemmschuh der Civilisation und des freien Menschcngeistes. Ein Bündniß mit der katholischen Partei in dieser Frage wollte der Redner nur dann nicht zurückweisen- wenn sich diese Partei „ein Brett auf der äußersten Linken hinausnageln lassen würde, um dort für beständig zu sitzen." Es sei ein Unterschied, ob man die Freiheit ganz wolle oder nur für einen speciellen Fall, wo es das Interesse erheische. Die Vorgänge in Frankreich und der Schweiz gäben keine Garantie dafür, daß es mit dem Rufe der kathol. Partei nach Freiheit wirklich ernstlich gemeint sei. Der Polizei- staat müsse aber vernichtet werden, nicht bloß in sich, son­dern auch in der Kirche, in der er noch fortzuleben ge­denke. Nicht bloß der Bürger sei bisher ein „Polizei­knüppel" auch der Kirchendiener sei ein „Polizeiknüppel."

Nicht bloß für die bestehenden Konfessionen und solche, die sich zu einem Glauben bekennten, müsse man Freiheit verlangen, sondern auch für die Atheisten, die an gar nichts glaubten. Reichliche» Zischen und Klatschen be­lohnte diese piguantc Rede.—v. Beisler, bairischer Cul- tusminister, v. Beckerath, Jürgens, protestantischer Pfarrer zu Stadtoldendorf, und Paur, protestantischer Pfarrer von Augsburg, sprachen gegen eine vollständige Trennung von Staat und Kirche, v. Beisler ließ einige treffende Schlaglichter auf das jüngste Gebühren der „cle- rical-politischen" Partei in der katholischen Kirche fallen und hatte dafür die Ehre, von Döllinger als Haupt- gegner angesehen zu werden. V. Beckerath theilte an Vogt einige scharfe Hiebe aus und sprach sich dann un= bedingt für die Ausschußanträge aus. Jürgens, dem die Ausschußanträge nicht consequent genug waren hatte einen eigne» motivirten Antrag eingereicht. — Die Debatte über das allgemeine Prinzip des Art. 111. wird bis Donnerstag weiter fortgesetzt werden. —

Frankfurt, 20. August. Herr v. Andrian ist, wie verlautet, beauftragt, dem französischen und englischen Kabi­nette zu eröffnen, daß die Centralgewalt von Deutschland den entschiedenen Entschluß gefaßt, ihre Vermittlung zu einer friedlichen Regelung der österreichisch-italienischen Frage eintreten zu lassen, und daß sie bereit fei , dieses Media­tionswerk in Gemeinschaft mit Frankreich und England zu übernehmen und auszuführen.

Wien, 16. August. Der Allg. Z. zufolge ist Lord Ponsonby am 15. August hier eingetroffen und die Konfe­renzen wegen der italienischen Angelegenheit werden alsbald ihren Anfang nehmen. Wie man so eben erfährt, haben die Ungarn das stark verschanzte Lager bei Perlaß mit Sturm genommen und hierbei den Serben oder Raitzen angeblich 2 — 3000 Mann getödtet.

— Sehr viel Aufsehen macht hier der deutsch­katholische Verein, der seit Kurzem so sehr an Aus­dehnung gewonnen hat, daß er heute bereits eine groß­artige Versammlung im Odeon abhalten konnte.

Wien, 17. August. Gestern haben der Kaiser und die Kaiserin das diplomatische Corps, darunter auch das französische Gesandtschafts-Personal, zu Schönbrunn empfan­gen. Doch erschien letzteres im Frack, da die Republik