Einzelbild herunterladen
 

608 —

Richter darf nicht Statt finden" einstimmig angenommen. Die Schwurgerichte für Preßvergehn sind bereits eingeführt worden.

H o h e n z o ll er n - H e ch i n g e n. Das Verordnungsblatt von Hohenzollern-Hechingen enthält die Einberufung sämmt­licher Landesabgeordneten auf den 17. August.

Schleswig-holsteinische Angelegenheiten.

Berichten aus Helsingör vom 15. d. M. zufolge waren am 14. der König Oscar von Schweden und der preußische Generalmajor v. Below in Malmö angekommen und sind die Unterhandlungen wegen eines Waffenstillstandes zwischen Deutschland wieder ausgenommen worden. Man hat Grund zu glauben, daß innerhalb 14 Tagen oder 3 Wochen der Abschluß erfolgen werde.

Kiel, 17. August. Man bezeichnet hier als Haupt­punkte der aufgenommenen Waffenstillstandsunterhandlungen: Abtreten der gegenwärtigen provisorischen Regierung und Bildung eines RegierungskoÜegiums, dessen Mitglieder durch den König von Dänemark aus einer Anzahl von dem Reichsverweser dazu vorgeschlagener Schleswig-Holsteiner ernannt werden; Zurückziehen der deutschen Truppenmacht, außer l000 Mann Preußen; die gegenwärtige schleswig- holstein'sche Armee nebst den Neueinberufenen (zusammen circa 16000 Mann) bleibt gerüstet; die Dänen behalten Alsen mit 3000 Mann besetzt.

Kiel, 17. August Abends. Die Stände haben gegen 12 Stimmen den Beschluß gefaßt, sich zu vertagen, aber einen permanenten Ausschuß zurückzulaffen, der sie zusam­men zu berufen ermächtigt ist. (Einem anderen Berichte zu­folge steht die Wahl eines permanenten Ausschusses noch in Aussicht.)

Ungarn

Aus Pestb, 12. August, wird von einem siegreichen Gefechte der Ungarn gemeldet; Oberst Kirsch schlug die Insurgenten bei Scarcla und Neucuia, wo sie ihre Stellung gehabt hatten, angeblich mit großem Verluste für die Be­siegten. Zu gleicher Zeit soll Jellachich die wichtige Stadt Fiume besetzt haben. Von beiden Seiten wird über große Grausamkeit geklagt. — Das ungarische Mi­nisterium hat die Geldausfuhr nach Oesterreich beschränkt.

Italien.

— Es sind direkte Nachrichten bis zum 7. aus Mailand eingetroffen. Binnen wenigen Tagen wird der Postenlauf wieder gänzlich geregelt sein. Der Feldmarschall Graf Ra- detzkv hat vor der Hand den Belagerungszustand aufrecht erhalten und vereinigt die Civil- und Militärgewalt. Als der Erzbischof Romili zitternd vor dem tapferen Marschall erschien, verwies er ihm mit ernsten Worten sein früheres Betragen und ermahnte ihn, das Werk des Gottes des Friedens besser zu erfüllen. Der erste Befehl des Mar­schalls war, daß er dem Podesta auftrug, alle den öster­reichischen Officieren und Soldaten gehörenden und bei ihrem Abzüge zurückgebliebenen Habseligkeiten, welche von der treulosen Mailänder Munizipalität konfiscirt worden waren, sogleich zu ersetze». Schon nach einer Stunde war die verlangte Forderung geleistet. Um die eigene Feigheit zu bemänteln, ist jetzt Karl Albert der Abzugskanal alles Unwillens. Seine Soldaten haben übrigens ganz den

Muth verloren. Aus Padua wird vom 8. gemeldet, daß Feldmarschattlicutenant Melden's fliegendes Korps bei Bologna alle Freischaaren zerstäubte. Sie fliehen gegen Toscana. Ueber Venedig nichts Neues.

Die römischen Kammern haben 12,000 Mann National- Garden zu mobilisiren und eine Fremdenlegion von 12,000 Mann zu bilden beschlossen. Ferner wurden 4 Mill. Scudi verwilligt; um Radetzky zu vertreiben, sollte ein fremder General berufen werden.

Rom. Der Papst hat den Grafen Fabber, Prolegaten von Urbino und Pesara, mit der Bildung eines neuen Mi­nisteriums beauftragt.

Der Ein fall der Oesterreich er in das p ä b st - liche Gebiet ist vom Wiener Kabinct gemißbilligt wor­den und General Welde» hat sofort de» Befehl erhalten, sich wieder über de» Po zurückzuziehen.

— Karl Albert wurde bei seinem Abzüge aus Mailand nicht nur von dem gegen ihn wüthenden Volke auf das gemeinste beschimpft, sondern sogar gefährlich bedroht. Man schoß mehrere Kugeln gegen ihn, ohne seine Person zu treffen; dafür fielen ihm das Pferd unter dem Leibe und zwei Adjutanten an der Seite.

Modena, 13. August. Der Herzog Franz V. ist am 10. d. wieder in seine Residenz eingezogen. Er er­mahnt in einer Proklamation vom 8. aus Mantua zu guter Aufnahme der kaiserlichen Truppen, die als Freunde und Befreier kommen. Unverzüglich wolle er sich übrigens mit den Zugeständnissen beschäftigen, die er zu machen ge­neigt war, damit das Land der Institutionen sich erfreuen möge, welche die Zeit erfordert und welche mit denen der Nachbarstaaten übereinstimineu.

Aus Palermo schreibt man von Rüstungen zur Ver­theidigung, hält also einen Angriff für möglich und scheint nicht sehr beruhigt über die Aussicht. Dort liegt noch ein französisches Geschwader, 12 Segel stark. Räu­berei, Unordnung mancherlei Art, Schmuggel im Großen seien an der Tagesordnung. In Messina werden die Ver­theidigungswerke der Citadelle mit größter Anstrengung gefördert, und dort noch mehr, als in Palermo, scheint man einen Angriff jetzt so sehr zu fürchten, als man seiner Zeit desselben spottete. In den Provinzen des Fest­landes befestigen sich Ruhe und Ordnung.

Frankreich.

Paris, 14. August. Das Geschwader des Viceaduriral Baud in ist von Palermo nach Cagliari gesegelt und er­wartet dort die weitern Befehle der Regierung. — Die Armee wird in den Tagen vom 15. — 20. Sept, um 80,000 Mann auö der Altersklasse 1847 verstärkt; im Ganzen sind aus den Klassen 1842—46 seit Februar nicht weniger als 99,660 Mann einberufen. — Der Minister des Innern fordert in einem Rundschreiben die Präfekten auf, Listen von allen Nationalgardisten zu entwerfen, welche zwischen 20 und 35 Jahr alt sind und sonst geeignet, die von der Nationalversammlung beschlossenen 300 Bataillone mobile Nationalgarde zu bilden. Alle Beurlaubten der Garde mobile müssen innerhalb 15 Tagen zu ihren Fah­nen zurückkehren, wenn sie nicht als Deserteure behandelt sein wollen; die noch von der Junirevolution her Fehlenden

Beilage