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^M NS» Mittwoch, den 23. August. Ä8-A8«

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltuugsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 3 Sgr. für das Quartal, wofür alte kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Die Pöbelherrschaft in Kassel.

Kassel, am 23. August 1848.

Seit einigen Tagen hat Kassel wiederum die nächtlichen Ercesse erleben müssen, welche in Zeiten der Revolution theils als Liebhaberei, theils als Nebengeschäft von den schlechten Leidenschaften Einzelner betrieben werden. Ver­schiedenen mißliebigen Personen sind aufs Neue nicht etwa blos Katzenmusiken gebracht, sondern auch Fenster und Wohnung beschädigt worden. Diese Auszeichnung ist dann auch in der vergangenen Nacht dem in Kassel an­wesenden Redacteur dieser Blätter zu Theil geworden. Man ist ihm vors Haus gerückt, hat einen großen und häßlichen Lärm gemacht, die Fenster des Hauses zertrüm­mert, schmutzige Schimpfworte gebrüllt und ihn unter ge­waltsamen Versuchen auf die Hausthür heraus verlangt, um ihn zil maffacriren.

Wir hatten es mit Sicherheit erwartet, daß ein etwa wie­der eintretender Zustand der Gesetzlosigkeit auch dazu be­nutzt werden würde, jenen gemeinen Angriffen, welche seit einigen Wochen in Schmähschriften gegen uns erhoben wurden, die aber schon ihrer Natur nach wirkungslos von uns abgleiten mußten, wo möglich einen handgreiflicheren Ausdruck zu geben. Insofern hat das Vorgefallene für uns nichts Ueberraschendes gehabt. Nur über den politischen Zustand selbst, welcher solche Dinge möglich macht, können wir unser öffentliches Bedauern nicht unterdrücken. Man glaube nicht, daß wir uns im Gefühle persönlicher Verletzung befänden. Es ist uns ein Stolz, gewissen Individuen verhaßt zu sein und körperlich kann uns eben­falls jene Verfolgung nicht treffen. Das Schlafzinimer des angegriffene» Redacteurs befindet sich hinten hinaus, von allen Katzenmusiken fern. Gegen nächtliche Angriffe auf seine Per­son ist er gut gewaffnet und wird sie zu empfangen wissen. Die Fensterscheiben, Thüren x., welche an seiner Wohnung beschä­digt werden, fallen der Gemeindekasse, eventuell seinem Hauswirthe zur Last. Verletzt wird durch diese Angriffe Niemand, als eine kranke Dame, welche im Hause schläft, sowie alle die Kranken und Schwachen der Nachbarschaft. Verletzt wird sodann nur das Gefühl des Patrioten, welcher es noch täglich erleben muß, in welchen Abgrund ver Entsitt­lichung ein nichtswürdiges System der Gcistesknechtung ganze Volksmassen stürzen konnte. Verletzen kann nur der

Anblick der Verthierung und Nichtswürdigkeit der Einen und der Feigheit und Rathlosigkeit der Anderen. Ware es so eine einzelne Gemeinheit, so ein einzelner Erceß, um den es sich handelte, so würden wir nicht davon reden; wir schreiben kein Klatschblatt, und werden uns niemals in Kon- stablervienste einmischen. Wenn aber ohne ersichtlichen Grund, lediglich durch den Uebermuth einiger Taugenichtse in einer Stadt von mehr als 30,000 Menschen, unter den Augen einer Bürgerwehr von mehr als 3000 Mann und einer Besatzung von derselben Stärke, zum höchsten Mißfallen der großen Mehrheit des Volkes, ein tage­langer in Programmen organisirter Zustand der Anarchie eintreten und eine Handvoll Gesindel factisch die Herrschaft ausüben kann, während die Wachen unter dem Gewehr zur Nähe find, dann muß etwas faul sein im Staate und es ist die Pflicht der ehrenhaften Presse, nicht zu schweigen.

Wir hatten geglaubt, mit den Errungenschaften des März wäre die Freiheit des Staates für alle Zeiten ge­sichert und damit der Zustand der Straßen-Revolution, des gemeinen Krawalles, geendigt. Wenn dem nicht so ist tum, dann fordern ioit alle die Schaaren derGebildeten", derWohlgesinnten", dann fordern wir das Volk, dann fordern wir Stände und Regierung auf, sich an der fort­zusetzenden Gewalt-Revolution zu betheiligen, sie aber nicht in die Hände des Wahnsinns und Verbrechens gerathen zu lassen. Hält man aber die Revolution für beendigt, glaubt man, die Freiheit sei errungen, nun dann habe man auch den Muth, sie zu beschützen, und man zeige sich ihrer werth!!

Unsern Lesern aber sei die Versicherung gewidmet, daß wir uns in dem redlichen und energischen Bestreben, der Freiheit des Volkes gegen jeden Feind zu dienen, durch keinerlei Verfolgungen werden stören lassen. Wir sind vom Absolutismus früher verfolgt worden, wir werden jetzt von den Plänklern und Vorläufern des wieder heraufbeschworenen Absolutismus wieder verfolgt. Wir haben unsern Character ge­gen die alten Feinde zu behaupten gewußt, wir werden ihn auch gegen die neuen zu behaupten wissen. Wir haben nur ein Ziel, eine Bestrebung, jede Seite unserer Blätter mag's bezeugen es ist die vernünftige Freiheit des Volkes. Wenn uns in der Erreichung dieses Zieles unsere Mitbürger aus Zaghaftigkeit im Stiche lassen, wenn die persönliche Freiheit aufhört und die Zeiten des Faust-