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Beilage zu Str. 84 der Neuen He ssi sch en Zeituug.

Nachrichten aus Turin fom 8. d., welche die Presse enthält, melden, das; das sardinische Ministerium in Masse seine Entlassung gegeben habe, weil es sich über die Frage, ob der Krieg fortzusetzen sei oder nicht, nicht habe einigen können. Hr. Nerlo, bisheriger Präsident der Deputirten- kammer, hat cs übernommen, ein neues Kabinct zu bilden.

Türkei.

Konstantinopel, 2. August. Das Journal de Const. meldet in seinem neuesten Blatte: Nachdem der türkische Kommissair, Talat Efendi, am 18. Juli aus Jassy in Galacz angelangt und der russische Kommissär gleichfalls daselbst eingetroffen und am folgenden Tage wieder nach Jassy zurückgekehrt war, verbreitete sich das Gerücht, die Russen würden die Moldau räumen und in ihre Kantonirungen hinter den Pruth zurückkehren. Das Gerücht soll sich be­stätigt haben.

K o n st a n t i n o p e l, 2. August. Am vorigen Frei­tag ist ein Dampfschiff des österreichischen Lloyd von Triest hier angekommen. Es war in Smyrna, obgleich sich dort keinen Tag aufhaltend, von den Deutschen feierlich begrüßt worden. Um 10 Uhr des andern Morgens hatten die Mitglieder des hiesigen deutschen Gesangvereins schon eine deutsche Fahne angefertigt und fuhren, einige 60 Mann stark, nach dem Schiffe ab, das als das erste mit deutscher Flagge hier angekommene Schiff auch hier freudig begrüßt wurde. Bei der Annäherung an das Dampfschiff hißte dasselbe die deutsche Fahne auf. Dreimal fuhren mm^bie Ankommenden unter Absingung patriotischer Lieder um das Schiff, bestiegen dasselbe und überreichten dem Kapitän ein paffendes Gedicht und einen Pokal von Krystall mit einer Flasche Johannisberger Weins, welche nun unter Lebehochs auf das einige, freie Deutschland geleert wurde. Des Nach­mittags vereinigten sich dieselben Herren in dem Lokale von Matthes, wo sie mit der deutschen Fahne hinzogen und auch hier patriotische Lieder sangen. Die Handlung selbst sowohl, als die dabei herrschende Ordnung, machen den hiesigen Deutschen alle Ehre.

Nordamerika.

Der Krieg mit Mexico ist zu Ende. Man weiß, wie er von Anfang an von einer Partei, welche die be­deutendsten politischen Kapacitäten des Landes zu sich zählt, getadelt wurde. Wozu, fragte sie, das Gebiet eines Staa­tes, der ohnehin schon eine so ungeheure Ausdehnung und eine so schwache Bevölkerung hat, durch die Eroberung wüster Striche vergrößern? Wozu den Hauptfeind poli­tischer Freiheit, das kriegerische Gelüste, in den Herzen friedlicher Republikaner anfachen? Hat man Beschwerden gegen Merico, so kann man auf andre Art Genugthuung erhalten; ein Angriffskrieg wird dadurch nicht gerechtfertigt. Aber diese und andere Ausstellungen wurden von den Männern, welche zur Zeit am Ruder stehen, überhört. Sie wollten ihre Partei mit dem Glanze des Kriegsruhms um­geben und haben dieß Ziel vollkommen erreicht. Ihre Armee hat gefochten gegen einen ausdauernden Feind mit einer Tapferkeit, welche der des Eroberers jener Gegend, des großen Cortez, gleichkommt. Die Hauptstadt des fried­

lichen Landes selbst ist gefallen und den Kampf endigt nun ein Friede, welcher dem Sieger nicht nur das streitige Ge­biet auf dem linken Ufer des Rio - Bravo , sondern noch zwei weitere große Provinzen, Neu-Merico und Neu-Cali- fornien überläßt und so den vereinigten Staaten eine mehre hundert Meilen lange Küste am stillen Ocean mit dem schönsten Hafen der Erde, San Francisko verschafft. So­gar den Ruhm einer gewissen Mäßigung, den größten eines Siegers, hat man sich gerettet, indem man für das neue Gebiet eine Summe von 20 Mill. Thalern zahlt, genau soviel, wie einst Frankreich im tiefen Frieden für das herr­liche Louisiana erhielt. — Aber trotz alle dem beginnen die Prophezeiungen derer, welche gegen den Krig waren, in Erfüllung zu gehen. Wir sprechen nicht von dem Auf­wand an Kosten. Warum sollte sich die reiche Republik nicht auch nicht einmal zu einem ernsten Zweck einen Lurus erlauben können, den die europäischen Staaten aus purer Spielerei Jahr aus Jahr ein treiben? Viel wichtiger ist es, daß dieser erste Krieg unvermeidlich zu neuen hin­führen muß. Die Herrschaft der Weißen in Merico be­ruhte auf dem eingebildeten Glauben ihrer Macht. Das Vorurtheil ist nun zerstört. Haben sie auch gut gefochten, so hat sich doch in dem Krieg ihre gänzliche Unwissenheit, ihre Unfähigkeit, einen großen Staat zu regieren, erwiesen. Schon hat man auf dem Markt von Merico, wo vor vier­zig Jahren noch die farbige Bevölkerung vor der Carroffe des Vice-Königs sich in den Staub warf, den schrecklichen Ruf gehört: Nieder mit den Weißen. Jetzt ist der Unge­horsam an der Tagesordnung, und über kurz oder lang wird die weiße Bevölkerung selbst wie eine Gnade von den Nordamerikanern die Besitznahme des ganzen Landes erste­hen. Aber selbst dieses Uebel ist immer noch geringer an­zuschlagen, als der Zankapfel, welcher durch die neue Erobe­rung in das innere Leben der Republik geworfen wird. Man weiß, daß die vereinigten Staaten in zwei große Hälften zerfallen, von denen die südliche die Sklaverei bei­behalten, die nördliche sie nach der Unabhängigkeitserklärung abgeschafft hat. Diese Scheidung ist der wunde Fleck in der inneren Organisation der Union. Dieser Umstand hat besonders dazu beigetragen, daß die einzelnen Staaten so weit gehende Souveränetätsrechte in der inneren Gesetzgebung sich vorhehalten haben. Nur das Verbot der Einführung neuer Sklaverei von Afrika ist durchgesetzt. Das Beispiel und der Einfluß der größten amerikanischen Staatsmänner, welche selbst aus dein Süden stammten, bat ihren Lands­leuten die Immoralität der Unterwürfigkeit des Menschen unter den Menschen nicht klar zu machen vermocht. Nichts half es, daß Washington auf dem Todbette allen seinen Schwarzen die Freiheit schenkte. Nichts hat es bis jetzt geholfen, daß Jefferson , das Haupt der demokratischen Schule, die berühmte Ordonnanz durchsetzte, durch welche die Sklaverei in dem damals s. g. Gebiete des Nord-Westen verboten wurde. Man achtet nicht darauf, daß die brei jetzt dort begründeten Staaten, Ohio , Indiana und Illi­nois, auch ohne Sklaven rasch emporgebliiht sind. Die Sklaverei ist sogar intensiv noch schärfer geworden. Es