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Klage zu führen hat, aufgefordert werden, diese, unter Zusicherung der Abhülfe, der Behörde einzureichen.
Berlin, 15. August. Die neueste Nummer der Gesetzsammlung enthält das Gesetz vom 11. d., welches die Aufhebung des erimirten Gerichtsstandes in Criminal- und fiskalischen Untersuchungs- und in Jnjuriensachcn bestimmt. Rücksichtlich der Militair- und UniversitätSgerichte, sowie des Gerichtsstandes der Richter und der gerichtlichen Polizeibeamten bleiben die bestehenden Verordnungen in Kraft.
Magdeburg. Die verschiedenen ausführlichen Berichte über die Dombaufeierlichkeiten berichten über die Durchreise deS Königs von Preußen durch Magdeburg: Der dortige constitutionelle Clubb, die Volksversammlung, die Bürgerversammlung, der Verein der jungen Kaufleute, der Handwerker-, der Gesellenverein, die Maschinenbauer und die Gesangvereine beabsichtigten, an der Spitze eines Fackelzuges eine Deputation an den König zu senden, um eine Ansprache an denselben zu halten. Dieser Plan konnte nicht ausgeführt werden, — weil der Herr Ministerpräsident und der Oberpräsident v. Bonin der erwählten Deputation den Zutritt zu dem König versagten. Die beiden Herren hatten sich nämlich die Ansprache im Entwürfe vorlegen lassen und in demselben einige ihnen mißliebige Stellen gestrichen. Dadurch verlor die Ansprache allen Sinn und die Deputation zog es vor: statt dieser lieber gar keine an den König zu richten. Die Ansprache selbst, als Inserat in der Magdeb. Zeitung mitgetheilt, ist überaus loyal. Die gestrichenen Stellen lauteten: 1) „Majestät, wir erkennen die große Macht, welche Gott in dieser großen Zeit in Ihre Hand gelegt hat; in Ihrer Hand liegt zum Theile das Geschick des nach Freiheit ringenden Europa.
Von der Gestaltung Preußens wird die Gestaltung Deutschlands abhängen. Ohne Preußens innige Hingebung, ohne Preußens festen und dauernden Anschluß kann Deutschland nicht einig, nicht groß und mächtig sein, mit Preußen wird es die großartigste Macht der Welt." Diese ganze Stelle ist gestrichen worden. 2) „Ew. Maj. Regierung wird Preußen festeren Schrittes, als bis heute geschehen, sortführcn u. s. w." 3) „Ew. Maj. kräftiges Wort wird sicher dahin wirken, daß der Gegensatz zwischen Volk und Heer völlig beseitigt werde." Der ganze Satz gestrichen!
* Köln, 15. August. Der König ist in Düsseldorf übel empfangen worden. Der Stadtrath hatte vorher mit Stimmenmehrheit beschlossen, den König nicht zu bewillkommnen. Ebenso die zusammenberufene Bürgerwehr. Als Grund dieser Abneigung ward die unterlassene Huldigung vom 6. angeführt. Die erbitterte Menge empfing ihn sehr kalt; man pfiff und betrug sich ungebührlich. Desto wärmer war der Empfang in Köln, was auch nicht mehr als schicklich, da der König hier als Gast erschien. Kanonendonner und Glockengeläute verkündigten seine Ankunft, die von einem wahrhaft betäubenden Jubel begleitet war. Der König ist nie besser in Köln empfangen worden. — Auf dem Werft kam ihm der Reichöverweser entgegen. Beide umarmten sich und gingen zu Fuß weiter. Leute, die das Gras wachsen sehen, wollen bemerkt haben, daß der Erzherzog zur Linken antreten wollte, daß aber der König rasch gewechselt und ihm die Rechte geboten habe. Im
Regierungsgebäude wurde er von den Deputaten aus Frankfurt, v. Gagern an der Spitze, begrüßt, woraus sich der König die verschiedenen Vorstände, Korporationen re. vorstellen ließ. — Abends war Fackelzug, ein Musikcorps an der Spitze, von Fahnen und Bannern aller Art belebt. Die buntfarbigen Lampen zeigten die Inschrift: Protectori, und die städtischen Wappen mit dem Reichsadler. Ein Transparent in Schildform zeigte den bekannten Trinkspruch: „Kein Preußen, kein Oesterreich, ein einiges Deutschland!^ Der Zug machte vor dem Palast der beiden Fürsten und später vor dem deS päpstlichen Nuntius Halt. Am Morgen des 15. nahmen die hohen Gäste über die gesammte Bürgerwehr und den größten Theil der hier gar- nisonirenden Truppen Parade ab. —
— 15. August. Gestern Nachmittag bewegte sich der Festzug der Gewerke und Bauvorstände unter dem Geläute aller Glocken durch die geschmückten Straßen in den Dom bau, wo die feierliche Einsegnung durch den Erzbischof Statt fand. Liedertafeln, Schuljugend, Waisenkinder und unzähliges Andere gereichten zur Verherrlichung des Festes. —
Düsseldorf. Die in Düsseldorf stattgefundenen blutigen Conflicte zwischen den Patrouillen der Bürgerwehr und den tumultuarischen Trupps umherziehender Soldaten wurden am 15. — nachdem der König Morgens so lau empfangen worden — um 9 Uhr Abends zunächst durch einen Haufen von etwa 100 Soldaten veranlaßt, welche sich auf dem Markte versammelten, das Preußenlied sangen, die Säbel an den Pflastersteinen wetzten und dann, als die indirccte Aufreizung nicht gelang, zu direkten Angriffen schritten. Nachdem ein Musketier erschossen war, wurde von Militair und Bürgerwehr Gencralmarsch geschlagen. Den letzteren gelang cs dann gegen 11 Uhr, die Straßen von den krawallircnden Soldaten zu reinigen.
Hannover. Die Rotenburger Adresse an die Hannoversche Regierung ist so gründlich motivirt und betrachtet die Weigerung der hannover'schen Regierung aus einem so wichtigen politischen Gesichtspunkt, daß wir die Haupistellen hier mittheilen:
„Soll nicht ein festes, äußeres Gesetz, soll nicht das ReichSgesetz zur Einführung einer provisorischen Ceulralge- walt in Deutschland vom 28. Juni d. J. die unwandelbare Grundlage des deutschen Bundesreichs sein — soll statt des unverrückbaren Gesetzes vom 28. Juni d I. nur ein immer individuelles Partikularregiernngsvertrauen und inneres Einverständniß nach Gefallen den Gehorsam gewähren oder versagen und die Reichsgewalt in dauernder Schwebe zwischen Sein und Nichtsein erhallen — so ist die Zukunft Deutschlands wehrlos seinen Feinden Preis gegeben
Ew. königl. Majestät Regierung hat durch die Er ffn ing an die Stände vom 7. Juli, durch den dem Rundichreiben des Reichskriegsministers vom 16. Juli verweigert,n Gehorsam, so wie jetzt durch die Resolution vom 11 d M und die Generalordre vom 12. d. M. thatsächlich zu erkennen gegeben, Sich dem Reichsgesetze vom 28 Juni und der Reichsgewalt überhaupt nicht unterwerfen zu wollen. Mit Bekümmerniß haben wir allerdings wahrgrnommen, daß auch einige andere deutsche Regierungen den U, Hergang in