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Neue

Hessische Zeitung.

J\'o 8®. Sonntag, den 20. August. 4848*

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 XMr. 5 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

KS3* Da Sonntags weder Setzer noch Drucker arbeiten, so konnten die gestern Abend und heute Morgen eingelaufenen Nachrichten nicht mehr aus­genommen werden.

Die General - Versammlung der Abgeordneten des Kurhessischen Wahl-Comit<-es am 26. August d. I- zu Hersfeld.

Die Kunde, daß unsere Stadt zu einer Zusammenkunft von Abgeordneten der Kurhessischen Wahl-Commitees aus­ersehen sei, hat hier die freudigste Sensation erregt. Wir wissen eben so wohl die Wichtigkeit dieser Zusammenkunft, wie die Ehre, welche uns dadurch widerfährt, zu schätzen und werden uns bemühen, diejenigen Vorbereitungen zu treffen, welche einer solchen Veranlassung würdig sind. Zu diesem Ende hat sich sofort ein Ausschuß, bestehend aus 18 Personen, gebildet, in dessen Namen der Unterzeichnete hierdurch alle Kurhessischen Wahl-Comitèes freundlich und ergebenst bittet, dem genannten Ausschuß so zeitig wie möglich gefälligst anzeigen zu wollen, wie viele Abgeordnete ffe zu schicken gedenken und wann dieselben hier eintreffen dürften, damit sie von den Mitgliedern des Ausschusses empfangen und ihren respectiven Wirthen zugeführt werden können. Hersfeld, den 17. August 1848.

Im Namen des betreffenden Ausschusses.

. S. Berlit, Vorsitzer.

Politische Nachrichten. Deutschland.

K. Kassel, 19. August. Sicherem Vernehmen nach ist das zur Vollziehung der 88 29 und 30 der Verfas­sungs-Urkunde, so wie der durch höchste Verkündigung am 11. März d. J. gegebenen Zusicherung vollständiger Religions­und Gewissensfreiheit und deren Ausübung erlassene Ge­setz so weit vorbereitet, daß es in Kürze der Ständever­sammlung vorgelegt werden wird. Dasselbe zerfällt in sechs Titel und handelt im I. von der Bekenntniß- und Glaubensfreiheit; im II. von der bürgerlichen Ehe; im III. von den Büchern des bürgerlichen Staates; im IV. von Todtenhösen und Begräbnissen; im V. von dem Eide und im VI. vom Stempel- und Gebührenwesen. Wir wer­den Gelegenheit nehmen, auf das Einzelne zurückzukommen.

Frankfurt, 14. August. Gestern hat Herr von Andrian Frankfurt verlassen, um als Bevollmächtigter der

Central-Gewalt in Paris und London dem britischen und dem französischen Cabinet die Botschaft zu überbringen, die deutsche Centralgewalt erkläre sich bereit, die Oesterreichisch- Jtalienische Mediation gemeinschaftlich mit dem französischen und dem englischen Cabinete einzuleiten. Herr von Andrian hat zugleich den Auftrag, die officielle Anerkennung der französischen Republik von Seiten der Centralgewalt von Deutschland zu überbringen.

Berlin. Briefe aus Kurland melden uns, daß die Cholera in Petersburg täglich mehr abnehme und auch im Kurlän­dischen im Ganzen milde aufgetreten ist. Das beste Prä­servativ vor dieser Krankheit soll einfache Diät, Schutz vor Erkältung und große Reinlichkeit sein.

Berlin, 15. August. Morgen ist die erste Peti­tionssitzung, um wenigstens eine kleine Quantität der vorhandenen 6000 Petitionen zu erledigen. Das Be­nehmen der westphälischen Geistlichen, welche sich hier als Mitglieder der Nationalversammlung befinden, er­regt allgemeines Mißfallen. Diese Herren lassen sich ge­brauchen, um gegen den Oberpräsidenten Flottwell zu intri- guiren, der bekanntlich in Frankfurt den Antrag auf Auf­hebung des Cölibats unterzeichnet hat. Sie haben nicht allein in einer Vorstellung an das Ministerium darüber Beschwerde geführt, sondern auch in Münster, Paderborn rc. Schreiben ausgelegt, worin zu Beschwerden aller guten Christen gegen den ketzerischen Oberpräsidenten aufgefordert wird. So wird der religiöse Fanatismus aufgeboten, was in Westphalen nicht schwer ist, und dies ist jedenfalls ein Vorspiel zu der ultramontanen Komödie, die hier sowohl wie in Frankfurt bald genug an den Tag kommen wird. Herr Flottwell ist inzwischen so schwach gewesen, seinen Namen von jenem Anträge zurückzuziehen; aber das wird ihm wenig helfen. Der erste Schritt ist geschehen, die Hörner sind aus der Kaputze gewachsen und wir werden bald die Erfahrung machen, welchen Kampf die deutsche Einheit sowohl, wie die liberale Entwicklung in Preußen mit der katholischen Kirche noch zu bestehen hat. Die Konstabler sollen nächstens auf die Hälfte reducirt werden, man will 800 Mann behalten, was auch vollkommen hin­reicht; überdies haben die Polizeimänner den gemessenen Befehl erhalten, sich in nichts zu mischen. Ihre Instruk­tion soll öffentlich bekannt gemacht werden und Jeder der