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Noch ist es Zeit, das unverantwortliche Versäumniß wieder gut zu machen; aber es ist die höchste Zeit und vielleicht morgen schon würde es heißen, es ist zu spät, wenn nicht die Erneuerung des heutigen ècandals unmöglich gemacht wird. Man darf dabei nicht etwa auf den guten Willen der Leute rechnen, welche heute den Sturm angefacht haben. Diese Menschen kennen kein Gesetz und keine parlamenta­rische Sitte. Was liegt ihnen daran, ob das Werk der Einigung Deutschlands zu Stande kommt oder nicht, wenn es sich darum handelt, ihrer Selbstsucht einen Triumph zu bereiten — einen Triumph, dessen Kosten durch das Ge­brüll einer Pöbelschaar bestritten werden. Es bleibt hier nichts übrig, als eine Einrichtung, welche die Zahl der Zuhörer auf der Gallerie wenigstens um 9 Zehntheile ver­ringert, dergestalt, daß der Muth, sich in die Verhand­lungen einzumischen, durch die Vereinzelung gebrochen wird und daß im schlimmsten Falle die Räumung der Gallerie ohne Schwierigkeit angeordnet und vollzogen werden kann. Mit einer Zuhörerschaft, welche die Zahl der Mitglieder um das Vier- und Fünffache übersteigt, ist keine ruhige Berathung und keine ordentliche Handhabung der parlamen­tarischen Polizei möglich. Anderer Orten, in Paris, in London, in der Schweiz, versteht man die parlamentarische Oeffcntlichkcit so, daß die Verhandlungen nicht bei ge­schlossenen Thüren vor sich gehen, daß die Controlle der­selben durch Zeugen aus dem Publicum nicht unmöglich gemacht wird; bei uns hingegen scheint sie in der Weise ausgelegt zu Lerden, daß sie dem Volke ein tägliches Schauspiel, einen Zeitvertreib für seine müßigen Stunden gewähren soll. In London hat die öffentliche Gallerie höchstens 200 Plätze. In Paris hatte sie bis zur letzten Revolution kaum 30 — alle übrigen Gallcriesitze waren nur gegen Karten zugänglich — und in der Paulskirche hat sie gegen 2000. Nochmals, dies Mißverhältniß muß abgestelli werden, oder die Nationalversammlung geht dar­über zu Grunde." •— Es ist seitdem abgesteUt worden und nunmehr das nach Aussage der Linken Unerhörte, Unerträgliche eingetreten, das bloß noch circa 500 — 600 Zuhörer Raum haben, freilich mehr als in dem Reprä- sentantenhause irgend einer Republik, aber freilich auch nicht mehr genug, um als souveräne Garde des neuesten Absolutismus dienen zu können. —

Oesterreich. Unter dem 6. August erläßt der Ban von Kroatien eine Publikation, in welcher er das Fehl­schlägen der Unterhandlungen mit Ungarn, und die even­tuelle energische Weiterführung des Kriegs anzeigt. — Weder der ungarische Ministerpräsident, noch der Erzherzog, sagt Jellachich, vermöchten durch ihre deshalbigen Bemühun­gen den ungarischen Reichstag zur geeigneten Vermittelung zu bewegen. Die Abreise des Erzherzogs habe ihm die letzte Hoffnung auf friedliche Ausgleichung der Differenzen genommen.

Wien, 10. August. In der heutigen Reichstagssitzung wurde der Minister des Innern veranlaßt, in Betreff der Donaufürstenthümer folgende Erklärung abzugeben: Von allen Seiten, zumal von der Pforte erhalten wir wieder­holt die Versicherung, daß der Einmarsch der Russen in

die Fürstenthümer die Billigung der hohen Pforte für stich hat. Es scheinen demnach die Tractate, welche die Sou- verainetätsrechte der Pforte garantiren, nicht verletzt worden zu sein. Dobblhof versichert ferner, gegen Rußland werde stets eine den Rechten und der Stellung Oestreichs ange­messene würdige Sprache geführt. Indessen erfordere die Schwierigkeit der Sache, jede Rücksicht sorgfältig zu erwägen.

— Eine in Kroatien verbreitete Proklamation des Banus Jelachich macht hier vielfaches Aufsehen. Es wird darin offen erklärt, daß besonders, nachdem der vermittelnde Ver­such des Erzherzogs Johann ohne Erfolg geblieben sei, und mit Ungarn nur auf der Basis vollkommener Rechtsgleich­heit in sprachlicher und nationaler Hinsicht unterhandelt werden könne, dieser Streit auf dem Wege der Waffen­gewalt geschlichtet werden müsse.

— 12. August. Das Kriegsministerium bringt folgende telegraphische Depesche zur allgemeinen Kenntniß: Cilli, 12. August um 11 Uhr 10 Min. Nachts. „Sechs- wöchentlicher Waffenstillstand zum Behufe von Friedens- Unterhandlungen mit dem Könige von Sardinien abge­schlossen. Peschiera, Rocca d'Anfo, Osoppo übergeben. Flotte und Landtruppen sind aus Venedig und seinen Häfen herausgezogen, und kehren in die sardinischen Staaten zu­rück. Modena, Parma und die Festung Piacenza geräumt."

— 14. August. Seit der Anwesenheit des Kai­sers weht vom Schlosse zu Schönbrunn die schwarz- roth-goldne Fahne. — In der heutigen Reichstagssitzunz interpcllirtc Löhner wegen der finanziellen Verhältnisse Metternichs: Man möge ihn wegen seiner Politik lau­fen lassen, aber nicht wegen seiner Finanz-Umtriebe. Fürst Metternich besitze übrigens die noch unbelastete Herr­schaft Plaß in Böhmen. Der Applaus, welchen die In­terpellation hervorrief, steigerte sich zum Jubel, als der Finanzminister sich durchaus einverstanden erklärte und die Notiz wegen der Herrschaft Plaß sich zur Kenntniß die­nen ließ.

— Es wird lebhaft davon gesprochen, daß der Kaiser, der in der That leidend sein soll, zu Gunsten des Prinzen Franz Joseph abdanken wolle.

Teplitz, 9. August. Ein allgemeiner Kongreß der Deutsch-Böhmen ist nach Teplitz auf den 28. August aus­geschrieben worden. Die Punkte, welche den Kongreß be­schäftigen sollen, sind hauptsächlich der Zollanschluß an Deutschland und die Frage, was zu thun sei, wenn die Föderalisten auf dem Reichstag die Oberhand behalten. In diesem Falle wünschen viele eine eigene Verwaltung für die Deutsch-Böhmischen Kreise. — Zwischen den west­lichen Dentsch-Böhmen und den Baiern und Sachsen wird am 12. ein Verbrüderungsfest Staat finden, wie es bereits in Zinnwald, Außig und Komotau gefeiert wurde. — Der Reichs - Kommissar Oberländer hat in den re u ß ischen Fürstenthümern die Herbeiziehung einer Schwadron Reiterei und eines Bataillons Infanterie aus Sachsen ver­fügt, um die durch mannichfachen Unfug der bei den Staatsarbeiten angestellten Arbeitern gedrückte Stimmung in dieser Gegend wieder aufzurichten. Eine deshalbige Proklamation ist erschienen, um die, wie wir glauben,