Neue
Hessische Zeitung.
JVp. 81« Sonnabend, den 19. August. 1848»
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Der 6. August und die Deutsche Einheit, v.
Fassen wir die gegenwärtige Lage der Deutschen Sache in Preußen kurz zusammen. Einige Provinzen und nicht die schlechtesten,— Schlesien, die Rheinlande, Westphalen —stehen entschieden auf Deutscher Seite. Preußen ist ihnen groß und theuer, aber großer und lieber noch ist ihnen Deutschland. Im Falle einer Wahl zwischen Preußen oder Deutschland wird — wenn uns nicht Alles tauscht — ihre Entschließung kaum zweifelhaft sein. In den übrigen Provinzen außer der ganzen, nicht zu verachtenden, Revolutionspartei, dies Mal auch der Kern der Gebildeten und die Macht einer sich selbst klaren, ihrer Zwecke und Mittel bewußten großen Tendenz — gegenüber einem unklaren, übel berichteten, durch reaetionaire Wortführer gebrand markten Partikularis- mus. Unter solchen Umständen kann von einem antideutschen eigentlichen Bolkswillen in Preußen wahrlich nicht die Rede sein, und wir vermögen in dem Benehmen der Regierung, welches sich mit halben Maßregeln, Proclamationen, Dienstentsetzungen, diplomatischen Versicherungen je. der unbedingten Huldigungsleistung zu entziehen gesucht hat, keine vom Volkswillen aufgelegte Nöthigung zu erblicken. Dem „Ministerium der That" , welches gegen die „demokratischen" Ereesse so nachdrücklich einzuschreiten weiß, war es kein Ding der Unmöglichkeit, and; „preußische" Excesse nieder zu halten. Das Ministerium glaubte sich aber hierin durch eine Macht gehemmt, deren Stellung im konstitutionellen Staate freilich sehr wunderbar ist, und die sich nur durch den Uebergangscharacter unserer Tage erklären läßt, durch die Militärmacht. — Preußen hat den Sprung vom Absolutismus zum freien Volksstaate gemacht. 'Aber ein wesentlicher Bestandtheil seiner selbst, seine Militair - Macht, hat sich, vom Gepäck ihrer Vorurtheile zu schwer beladen, bei diesem Sprunge nicht betheiligt. Während die Gemüther der bürgerlichen Welt längst auf den Uebergang gefaßt waren, hatten die Preußischen Offieiers im schweren Garnisonsdienst keine Zeit gefunden zur Vorbereitung. Und darf es uns wundern, daß eine Macht im Staate, welche gewohnt ist, den Ton anzugeben, welche sich für den eigentlichen Träger des Staates hält, jetzt abgeneigt ist, da nachzufolgen, wo sie früher voranschritt? „Preußen ist ein Militairstaat." Dieser noch dazu mißverstandene Satz konnte überhaupt nur unter absolutistischen Regierungsformen Sinn und Geltung
haben. In einem freien Bürgerstaate giebt es keine Mi- litairmacht, die sich als solche um politische Dinge zu bekümmern hätte.
Wollte sie es thun, wollte sie sich dem öffentlichen Willen gegenüberstellen, so würde dies nur ihr selbst zum äußersten Verderben gereichen. Sie möge sich gesagt sein lassen, daß für eine Herrschaft der Soldateska, für eine Prätorianer-Wirthschaft bei uns in Deutschland auch nicht die mindeste Aussicht vorhanden ist. Dergleichen ist nur in Zeiten und bei Völkern möglich, welche am Ende ihrer Laufbahn stehen. Es kann auch geschehen, daß in Zeiten der Abspannung die erschlafften Bürger ihr Staatswesen in die kräftigeren Hände derjenigen legen, welche ihrer Natur nach nur zum Schutze und Dienste des Staates bestimmt sind. Solche Zustände gab es zuletzt in Rom, solche Zustände wiederholten sich nach den Ausschweifungen der Revolution in Frankreich, zu solchen Zuständen würden vielleicht auch wir gelangen, wenn es auf die Männer der „rothen Republik" ankäme.
Glücklicherweise ist es bei uns anders. Noch sind wir nicht erschöpft; im Gegentheile, wir haben unsre Kräfte bis jetzt zu beherrschen und rech ökonomisch zu verwenden gewußt. Wir gehen sichern und festen Schrittes auf die erreichbaren Ziele unseres Strebens los und wir werden uns darin eben so wenig von den unwissenden pommerschen Junkern, als von den noch unwissenderen Rekruten dieser Junker beirren lassen. (Fortsetzung folgt.)
Politische Nachrichten.
Deutschland.
-s- Frankfurt, 17. August. 61. Sitzung der Deutschen 'Reichsversammlung. Die Bänke sind bei Beginn der Sitzung ziemlich leer und kaum die zur Beschlußfassung nöthige Anzahl der Mitglieder anwesend. Albrecht (Prof, aus Leipzig), Franz Schuselka, Fr. Schmidt (Hannover) haben ihren Austritt angezeigt, v. Gagern erstattet darauf Bericht über die Reise der Deputation nach Köln. Die Deputation reiste Sonntags ab und den ganzen Lauf des Rheinstroms entlang konnte sich die Deputation von dem Enthusiasmus für die Emheit Deutichlands überzeugen. Besonders glänzend war der Empfang in Coblenz. Kölns Gastfreundschaft war auch diesmal großartig. An