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Beilage z u ^r. 80 der Neuen Hessischen Zeitung.

schritten und Gravellona (also den Poübergang) besetzt. Sie sollen indeß erklärt haben, sie kämen nicht um Pie­mont mit Krieg zu überziehen, sondern um den Staat und den König gegen jegliches Attentat „böswilliger und stür­mischer Neuerer" zu beschützen. — Das Ministerium von Turin hat die Herren Casati und Gioberti nach Karl Albersis Hauptquartier Vigavomo geschickt, um die Alter­native zu stellen: entweder französische Intervention oder Demission. Karl Albert zog die letztere vor. Dieses Alles erzählt- der „Republicano."

Bologna hat sich am 7. dies. Mon. freiwillig dem Feldmarschalllieutenant Weiden unterworfen und wurde an demselben Tage von einem Detaschement österreichischer Truppen besetzt!

Palermo. Außer Großbritannien und Frankreich haben nun auch die nordamerikanischen Freistaaten Siciliens Un­abhängigkeit anerkannt.

Frankreich.

Paris, 12. August. Das Comite der auswärtigen Angelegenheiten hat sich seit gestern mit den Angelegenhei­ten Italiens beschäftigt. General Cavaignae und die Mi­nister waren anwesend. Nach einer sehr lebhaften Debatte über die Frage einer unmittelbaren Intervention, ohne die Negociationen abzuwarten, ward dieselbe in folgenden Fragen resumirt: Welches ist der Zweck und das Ziel der franzö­sisch-englischen Vermittelung in Italien? General Cavaignae antwortete, dnß es im Interesse Frankreichs, wie Italiens liege, daß die Unterhandlungen geheim blieben, und daß er daher jede direkte Antwort verweigern müsse. Auf die zweite Frage: ob die Vermittelung mit dem von der Na­tionalversammlung am 25. Mai ausgestellten Principe: Befreiung Italiens, übereinstimme, entgegnete der General: Der Wille Der Versammlung wird stets die Richtschnur meines Benehmens sein — ich kann nicht mehr sagen, aber ich beschwöre das Comite zu glauben, daß ich nur im Interesse Frankreichs, im Interesse seiner Ehre und Würde handeln werde. Auf die dritte Frage: ob er ent­schlossen sei, Falls die Vermittlung zu keinem Resultate führe, den Krieg zu erklären, antwortete Cavaignae: Ich habe die feste Hoffnung, gemeinschaftlich mit England den Frieden zu erhalten, und ich würde nur in der äußersten Nothwendigkeit zum Schwerte greifen. Die Mittheilung der seit dem 12. Mai bis zum 24. Juli gewechselten di­plomatischen Aktenstücke in Bezug auf Italien hat der Ge­neral verweigert. Das Comite versammelt sich heute um 11 Uhr, um über die Antworten der Regierung zu be­rathen und einen Beschluß zu fassen, ob die italienische Frage unmittelbar vor die Nationalversammlung gebracht oder noch vertagt werden solle.

In der Sitzung der Nationalversammlung vom 13. sah sich die ängstlich gespannte Erwartung des ausbrechenden Kampfes zwischen den Männern der alten provi'vrischen Re­gierung und den Männern des Bauchardschen Comitèbe- richtes getäuscht. Angeblich war der Druck der Aktenstücke noch nicht vollendet, und die Verhandlung wurde auf den 21. hinausgeschoben.

Paris, 12. August. Ein offizieller Artikel des Mo­niteur vom heutigen Tage gibt interessante Aufschlüsse über die französische Politik im Ausland und einige wohlge­meinte Lehren für Deutschland. Die neueste Wendung der Dinge in Italien hätte Frankreich vielleicht verhindern kön­nen , wenn Italien weniger selbstvertrauend gewesen wäre. Die Negierung habe zugleich die traditionellen Verpflich­tungen der französischen Politik und die Lage der Nepublik als Richtschnur für ihre Politik ansehen müssen. Es sei die Nothwendigkeit, die industriellen und kommerziellen In­teressen der Völker ins Auge zu fassen, den öffentlichen Kredit wieder herzuftellen, eben so dringlich, wie es der Negierung unmöglich sei, der Ehre Frankreichs aus irgend einer Rücksicht zu nahe zu treten. Diese Politik läßt hoffen, daß durch die vereinten Bemühungen Englands und Frankreichs der Frieden in Italien bald hergestellt wird. Die Vermittlung beider Mächte, bemerkt der Mo­niteur, hat bereits auf mehren Punkten der Halbinsel be­gonnen. Man darf annehmen, daß dieselbe das Vorspiel einer allgemeinen Pacification sein wird. Deutschland wird derselben auch in Schleswig-Holstein die Hand bieten und nicht vergessen, daß die Wirksamkeit seines Handelns von seiner Klugheit abhängt. Frankreichs gegenwärtige Politik wird der dankbaren Welt das Schauspiel gewähren, daß eine Demokratie, die ganz Europa durch ihre Prinzipien wieder belebt hat, alle Elemente der Kraft, die sie in sich trägt, zu bezähmen weiß, und keinen andern Ehrgeiz hat, als ganz Europa zu pacificiren. " —

Paris, 13. August. Unter Bezugnahme auf Goud- chaur's Erklärung am Schluffe der gestrigen Sitzung zeigt der Moniteur an, daß von den 13,131,500 Fres, letzt- votirtcr 5 pCt. Rentenanleihe bis zu der vorigen Nacht um 12 Uhr (dem Schlußtermin für die Ein- und resp. Umschreibung der Interessenten des Novemberanlehens) die Summe von 13,095,250 Fres. eingezeichnet worden sei. Das Anlehen ist also fast gedeckt.

Großbritannien.

11. August. In der vorgestrigen Sitzung des Unter­hauses beantragte Herr Cobden Verminderung der Staats- ausgaben für die Marine. Er bestritt die Möglichkeit eines nahen Krieges mit einer der größeren Nationen, sowie die Nothwendigkeit einer bedeutenden Streitmacht. Die Kriege, meint er, verdanken nur dynastischen Interessen ihre Ent­stehung. Jemand muß mit Verwirklichung der humaneren Friedenspolitik den Anfang machen. Außerdem berief sich der Redner auf die Wohlfeilheit der amerikanischen Ver­waltung. Lord John Russell widerlegte die Behauptung eines ganz gesicherten Friedens, gab übrigens die tröstlich­sten Zusicherungen über die von England gegenwärtig ver­folgte Politik, welche auf Erhaltung des Friedens gerichtet sei. Er zollte hierbei der französischen Regierung seine wärmste Anerkennung. Der edle Lord war der Ansicht, die französische Regierung habe allen Eroberungsgelüsten, von denen Frankreich einst unter dem Consulat und der Kaiserregierung beseelt gewesen s^, gegenwärtig entsagt.