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Hessische Zeitung.

â? 711» Donnerstag, den 17. August- 1S-1@»

Die Neue Hessische Zeitung erscheint t n q 11 di, Senntags mit einem Untersialtungsblatte , und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 5 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werben die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Der 6. August und die Deutsche Einheit, in.

Das preußische Volk will aber doch nicht in Deutschland aufgehn, es will seiner Negierung nicht erlauben, sich ganz und unbedingt der reichsgesetzlichen Obrigkeit zu fügen, so ist es von verschiedenen Volksversammlungen in Preußen erklärt worden, so steht es geschrieben in Acten, gedruckt in Zeitungen und Plakaten. Die Potsdamer Wehrzeitung hat es gesagt, und die Vossische, die Spenersche sagt es auch und die Winkelblätter und Placate der Preußenvereine sagen es alle und der ganze Spinnstuben - Troß der Deut­schen Klatschblätter redet es nach. Es ist wahr, das Ge­schrei war so laut, erging sich in so angemessenen Forde­rungen, daß ein Ungeweihter glauben mußte, es rede hier der gebieterische Wille eines ganzen souveränen Volkes. Mit den naiven Anschauungen der Märztage wurden auch wir vielleicht es geglaubt haben und würden davon recht sehr erschrocken sein. Aber wir Alle sind seit den Tagen des März um verschiedene inhaltsreiche Monate älter ge­worden und es ward uns in dieser Zeit die Gelegenheit im reichsten Maße, um die wahren und falschen Zeugnisse des Volkswillens von einander unterscheiden zu lernen. Wir haben es erfahren, welche kleinen Mittel hinreichen, um in dieser Beziehung einen großen Effect hervorzubrin- gen. Wir haben es erfahren, was sich mit einer wohl dressirten Claque, mit einigen unerschrockenen Lungen und mit einigen betriebsamen Colporteurs für erstaunliche Dinge vollbringen lassen. Diese unsere schmerz­lich erworbenen Kenntnisse haben wir dann auch bei Beurtheilung der wichtigen Preußendemonstrationen anwen­den zu muffen geglaubt. Es mußte uns sogleich stutzig machen, hier die Herren Huber, Hengstenberg, Leo, Floren­court, v. Arnim und Consorten als Volksführer an der Spitze der Bewegung zu finden, Männer, welche wir für alles in der Welt, nur nicht für Volksführer' gehalten hätten. Ebenso mußte es auffallen, gerade die berüchtigten Denuncianten-Vereine, d. h. die s. g.Preußen-Vereine", die Vereinefür König und Vaterland" und welche er­klärte reactionaire Tendenzen verfolgen, der deutschen Bewe­gung voranschreiten zu sehen. Wir haben einige von den vielen Schriften und Adressen gesehen, welche der Bewe­gung Vorschub leisten sollten, und es ist uns an ihren wuthschäumenden Ausfällen nicht blos gegen die Deutsche

Sache, sondern gegen die Sache der Freiheit überhaupt kein Zweifel geblieben, daß es diesen Herren eigentlich um die Deutsche oder Preußische Frage nicht zu thun ist, son­dern lediglich um den Absolutismus. Sie erblicken im Deutschen Bundesstaat mit Recht ein unüberwindliches Boll­werk der bürgerlichen Freiheit und da sie in ihrem After­glauben den Menschen der menschlichen Freiheit für unfähig und unwürdig erklären, so muß ihnen die letzte Bedingung dieser Freiheit allerdings ein Gräuel sein, welchen sie mit all' dem Eifer eines irrsinnigen Fanatikers verhindern zu müssen wähnen.

Die Zahl dieser Leute ist freilich sehr gering, aber sie ver­stehn es zuweilen, sich den Schein einer großen Macht zu geben. In ihren verhimmelten Seelen ist viel Raum leer geblieben für die klugen Künste dieser Welt. Mit diesen Künsten haben ihrer so wenige durch lange Jahre hin eine ganz gebildete und hochstrebende Nation niederzuhalten ge­wußt, diese Künste sind noch einmal, zum letzten Male wohl, von ihnen herauf beschworen worden.

Gerade wie früher, haben sie auch dies Mal die schlech­ten Mittel der Einschüchterung und der Verleumdung zu ihren schlimmen Zwecken angewendet. Unter dem Vorgeben, das Aufgehen Preußens in Deutschland werde alle Ver­dienste, alle Interessen der Preußen vernichten, man gehe darauf aus, die Preußen um Ehre und Wohlstand zu bringen, ist es ihnen gelungen, ein mehr oder weniger zahl­reiches Publikum zu gewinnen, namentlich alle die inva­liden Kriegsgesellen unter ihre Fahne zu versammeln, welche des sonderbaren Glaubens leben, ihr Zopf, ihr Krück­stock und ihr eisernes Kreuz solle ihnen von Seiten Deutsch­lands abgenommen werden. Dieser Aberglaube und diese Angst abgeschmackt wie sie ist hat dazu dienen müssen, ihnen die erwünschten Unterschriften unter eine An­zahl von öffentlichen Manifestationen zu verschaffen, welche jetzt in die Preußischen Archive und Gesandtschafts - Acten als schwerwiegende Zeugnisse des souverainen Volkswillens niedergelegt sind. Wo man noch zeitig hinter diese Ilm­triebe gekommen ist und wo es z. B. möglich war, die guten alten Preußenritter über ihren künstlich gehegten Aberglauben zu belehren, da haben jene Demonstrationen eine oft sehr unerwünschte, zuweilen ganz conträre Wen­dung genommen. Aber sie hatten sich den Schauplatz ihres Wirkens weislich an solchen Orten ausgewählt, wo sie