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Hessische Zeitung.

^o ^Ne Mittwoch, den 16. August. 1848.

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem UnterhaltungSblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 5 Sgr. für Vas Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Der 6. August und die Deutsche Einheit, ii.

Die preußische Regierung hat schon in jener Erklärung, welche der Minister-Präsident von Auerswald am 4. Juli dem preußischen Reichstag gab, vor dem gejammten Deut­schen Volke dieHoffnung ausgesprochen, daß der Erzher- zog Johann von Oesterreich den Wünschen der Versamm- lung entsprechen und die hohe Wurde annehmen werde, wie auch daß dem Reich snerio eser die Attribu- t i o n e n ü b e r a l l w i l l i g b e i g e l e g t w e r d e n , welche die Nationalversammlung ihm ertheilt hat." Diese Hoffnung ist in der That überall in Erfüllung ge­gangen, nur an dem Orte nicht, wo sie ausgesprochen wurde. Es ist freilich bis jetzt nur ein Mißverständniß, ein Irrthum, «n dicker Irrthum, wie es die Berliner nen­nen würden, den provisorischen Bundesstaat mit dem am 12. Juli aufgelösten Staatenbund, und die Attributionen, welche die Deutsche National-Versammlung dem Reichsver­weser von Deutschland beigelegt hat, mit den Attributionen des seeligen Bundestages zu verwechseln. Die Reichs-Re­gierung wird jetzt ohne Zweifel diese irrthümliche und ganz unstatthafte Auffassung ihrer Anordnungen Seitens der Preußischen Regierung zurecht weisen und dieser nunmehr aufgeben, das Reichs - Kriegsministerial- Ausschreiben vom 16. v. M. fordersamst zu erledigen. Alsdann wird der Preußischen Regierung nur die Wahl bleiben zwischen der Erfüllung ihrer von der Nation aufgelegten, von ihr selbst mehrfach übernommenen Neichspflicht oder zwischen dem offen ausgesprochenen Ungehorsam. Ein solcher Ungehor­sam würde im vorliegenden Falle als Neichsverrath zu bezeichnen sein, da er, von einer Macht wie Preußen ausgehend, den Bestand unb die Freiheit des Reiches ohne Weiteres in Frage stellt. Die preußische Regierung hat diesen Schritt noch nicht gethan, einen Schritt, durch welchen sie tief unter die Heckerschen Sonderbündler herab­sinken würde. Denn was Jene thaten, war minder gefähr­lich. Jene halten nicht die Pflichten und Aufgaben für Deutschland zu erfüllen, auf welche sich gerade Preußen so viel zu Gute thut. Jene griffen in einen unfertigen, gâhrenden, vorparlamentarischen Zustand ein, Jene verletzten blos die Moral und das Gefühl ihrer Deutschen Brüder durch unberufene, überflüssige Gewaltthat. Die Preußische Regierung würde durch ähnliche Sonderbünd­

lerei nicht blos die Moral, sic würde vor Allem das Recht, das fertige, von ihr selbst anerkannte Recht verletzen, ein Recht, welches gerade, weil es jung und zart ist, weil sich daran unser Glück, unsere Hoffnung, unsere Zukunft knüpft, nur um so heiliger gehalten werden muß. Doch die Preußische Regierung hat noch nicht den Muth gehabt, offen und geradezu den Gehorsam zu kündigen; sie hat sich dumm gestellt, um nicht verbrecherisch zu er­scheinen. Die kurze Frist, welche sie damit gewonnen hat, wird schnell ablaufen und ist vielleicht schon abgelaufen, dann muß sie sich entscheiden in der Frage, welche nicht etwa blos für Deutschland, sondern vor allen Dingen für Preußen selbst eine Lebensfrage ist.

Wir wollen hier die Folgen, welche ein Reichsverrath von Seiten Preußens im übrigen Deutschland haben könnte, nicht ins Auge fassen, wir wollen die äußern Zwangs­mittel nicht überschlagen, welche der deutschen Reichsgewalt in einem solchen Falle zu Gebote stünden, wir wollen alle die traurigen Berechnungen eines etwaigen deutschen Bür­gerkrieges unterlassen, und unsern Blick auf das preußische Volk selbst beschränken.

Mir sagen: das Preußische Volk und haben in der That auch das Preußische Volk gemeint, wenn wir von der Preußischen Regierung sprachen. In einer Zeit, wo das Volk noch mit einem Fuße auf den Barrikaden steht, wo die Werkstätten verövet und die Volksversainmlungen desto bewegter sind, wo die Presse und die Vereine ihre unbe- gränzte Freiheit im Guten und im Schlechten auszubeuten wissen, in einer Zeit, wo eine constituirende Versammlung, aus Urwahlen hervorgegangen, ohne irgend welche Be­schränkung, ohne eine erste Kammer, ohne die Möglichkeit einer Auflösung, ohne Vertagung, die Regierung täglich vor ihr allmächtiges Forum zieht, stürzt und einsetzt, in einer sol­chen Zeit kann von den subtilen Unterschieden zwischen Volk und Regierung wohl schwerlich die Rede sein am aller­wenigsten in einer so ernsten Angelegenheit. Da kann es wohl geschehen, daß die Regierung falschen Göttern ge­horcht, nicht der einzigen wahren und wahrhaftigen vox dei, es kann geschehen, daß sie anders handelt, als die Zeit es fordert, aber dann sind auch die Secunden ihres DaseinS Stählt. . e

Die Preußische Regierung hat durch Schriften und Winke, durch Freunde und Gönner, auch wohl durch Gesandte