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widerstandsloser ausgesetzt ist, je unentdeckter sie aus dem Verstecke des Geheimnisses abgeschnellt werden. Die geheimen Conduiten haben ferner, bei ihrer mehr politischen als moralischen Natur den beklagenswerthen Nachtheil, auf den Charakter der von ihnen Abhängigen eher demorali- sirend als Heilsam einzuwirken, indem man weniger Charakterfeste Alles aufbieten steht, um sich vor dem Einfluß derselben zu schützen. Jeder Unbefangene wird ferner zu- geben müssen, daß die höhere Stellung der vorgesetzten Behörden von Unvollkommenheiten Und Schwächen nicht frei macht, die nun einmal jedes Menschen Erbtheil sind und um so unvermerkter bei Abgabe eines Urtheils infiniten, als dasselbe nie die Prüfung einer Reklamation von Seiten des Beurtheilten zu bestehen hat. Ist doch, wie wir nicht anders wissen, den vorgesetzten Behörden geradezu jede Mittheilung an den Untergebenen bezüglich seiner Con- duite strengstens verboten! Wir fragen ferner: „ist der Vorgesetzte immer Menschenkenner genug, um Mensch e n b e u r t h e i l er sein zu können?" Wohl ist mit Recht dem Vorgesetzten die Beurtheilung seiner Untergebenen innerhalb der Grenzen der rein technischen Sphäre zugemessen, vorausgesetzt, daß sich dieselbe auf eine individuelle Kenntnißnahme der größeren oder geringeren O-ualification des Letzteren bei Erfüllung seiner Beruss- Pflichten stützt. Eine andere Bewandtniß aber hat es mit den menschlichen Ansichten und Urtheilen über Tugenden und Laster, deren Ursachen und Folgen. Die hier angelegt werdenden Maßstäbe sind bis jetzt noch nicht nach den Principien der angewandten Moralphilosophie verglichen, mögten vielmehr ebenso mannigfach sein, als die Individualitäten der Beurtheilenden selbst. So gewiß wir jenen Eigenschaften eine vortheilhafte oder nachtheilige Einwirkung auf die Erfüllung der Berufspflichten zugestehen, so wenig aber können wir uns überreden, daß der Vorgesetzte soviel Psycholog sein sollte, um dem Zusammenhänge und inneren Grunde der Erscheinungen nachzuforschen und mit den Einflüssen des äußeren Lebens zu commentiren. Diese Erkenntniß, getragen selbst vom lebendigen Wollen desRecht- lichkeitsgefühles, ist um so schwieriger, als der Vorgesetzte in enger Rubrik, mit wenigen bündigen und deßhalb um so cntscheidungövolleren Worten den Sinn seines Urtheiles «uszuprâgen hat. Von der Fähigkeit, Herr einer unzweideutigen Schärfe des Ausdruckes zu sein, hängt hier viel, sehr viel ab und sie ist nicht Jedermanns Gabe. — In keiner Conduitenliste, die nur einigermaßen Anspruch auf Vollständigkeit macht, wird jene Rubrik fehlen, die in ausdrucksvoller Federzeichnung, soweit es innerhalb des bemessenen Rahmens möglich ist, einen Gesinnungs-Umriß des zu Beurtheilenden aufzunehmen hat. Es will uns scheinen, als wenn bei solchen Descriptionen Alles auf den perspektivischen Standtpunkt ankomme, welchen der Beschreibende dabei einnimmt. Oder, ist etwa die Definition des Begriffes „Gesinnung" für alle Stände, Zeiten und Verhältnisse festgestellt und welches ist denn manchen Intentionen gegenüber die rechte Gesiinnung? — Dies Wörtchen mit einem oder dem anderen Prädikat garnirt und in
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.— Redaktion: Fr. Oetker und A. Vfaff.
die rechte Rubrik gebracht, hat Manchem zu schaffen ge. macht! Wir fragen ferner, vermag der Vorgesetzte, der vielleicht ein tüchtiger Praktiker und in der Schule der Erfahrung gereifter, aber nichts weniger als ein wissenschaftlich gebildeter Mann ist, vermag er entsprechend über den Grad der wissenschaftlichen Ausbildung und die Leistungen des Untergebenen abzuurtheilen und zu berichten? Ferner, ist es möglich, daß Vorgesetzte, die ihre Untergebenen nur zeitweise bei Inspektionsreisen, oder wie es namentlich bei dem Militärstande zum Theil der Fall ist, nach oft mehrjährigen Fristen während der größeren Manöver auf kaum einige Wochen zu sehen und zu beobachten Gelegenheit haben, über dieselben ein auf eigene Anschauung und selbstgewonnene Ueberzeugung begründetes Urtheil abgeben können? Und endlich, ist der Vorgesetzte jeder subjektiven Regung pro oder contra bei Abgabe seines Urtheiles unzugänglich ? zeigt nicht das Leben und die Wirklichkeit oft das Gegentheil? Die beste Politik war zu allen Zeiten und ist heute zu Tage mehr denn je die Politik der Aufrichtigkeit und in dem Verhältniß, als in Folge dieser Erkenntniß jedes geheime Verfahren um allen Credit gekommen , hat die Ansicht sich allgemein verbreitet und ist zur gebietenden Stimme der öffentlichen Meinung geworden: „Die geheimen Conduiten sind das Feld für Mißtrauen, Heuchelei, Betrug; sie sind das Feld, wo die ehrlosen diplomatischen Kniffe fast immer ü b e r die wahre Ehrenhaftigkeit und Befähigung, welche gewohnt ist, gerade u n d offen z u Werke ; u gehen, siege n werden " (Schluß folgt.)
Ermahnung
Als am 10. August das 1 sie Bataillon des Leibregiments sich zum Abmarsch nach Baden aufstellte, gab der Vater eines Musketiers diesem zum Lebewohl folgende herrliche, den hessischen Volksgeist treffend bezeichnende Ermahnung: „Nu, hahlet hübsch bisammen, un wenn te annanner kommet, so firmiert ordentlich druff, daß nie Ehre von Uch honn." (Nun, haltet hübsch zusammen, und wenn Ihr (mit dem Feinde) aneinander kommt, w schmeißt ordentlich darauf, daß wir Ehre von Euch haben). W.
Anzeige.
Der unlängst von Hrn. Dr. Kellner in Aussicht gestellte „Angriff" ist unter dem Titel „Die Neue Hessische Zeitung als Denunkiantin und ihr Milredakteur Adam Pfaff" erschienen. Wir würden ihn wörtlich in unser Blatt aus- nehmen, wenn wir Raum dafür hätten und unsern Abonnenten dergleichen bieten mögten. Wir begnügen uns deshalb mit dieser Anzeige und bemerken, daß wir auf solche und ähnliche Ausbrüche und Ergüsse niemals das Geringste erwidern werden. Die Redaction
[67] Die von Herrn Pfarrer M eher am Sonntag den 6. d. M. auf dem Bowlingreen gehaltene Predigt ist nunmehr im Druck erschienen und in der Hof- und Waisenhaus - Buchdruckern zu haben.
— Druck und Verlag von Th. Fischer in Eaffel.