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Die Local - Schulinspeetion.

„Bedarf es einer Local-Schulinspection?" Diese Frage wird von manchen jüngern Lehrern leichtsinnig, von andern aber ans egoistischen Motiven kurzweg ver­neint. Freilich finden wir auch sehr achtbare Männer, die mit jenen derselben Ansicht in dieser Frage sind; bei ihnen ist ein solches Urtheil durch eine idealisirende Auf­fassung des Lehrerstandes bedingt, die leider in der Wirk­lichkeit keine Bestätigung findet. Wären alle Lehrer für die Hoheit ihres Amtes und die Wichtigkeit ihres Wirkens begeisterte, mit Lebensklugheit und Besonnenheit, wie mit Energie begabte Männer, wären sie endlich Lehrer unserer heiligen Religion nicht blos durchs Wort, sondern auch durch die Beispiel gebende That: dann freilich wäre eine Localinspection des Lehrers, wie überhaupt jede Inspektion und Beurtheilung desselben, überflüssig. Aber jene An­nahme ist eine eitle Fiction, und die steten Hinweisungen auf die hohe Bildung und Berufsivürde, auf pädagogische Ge­schicklichkeit, Gewissenhaftigkeit und Berufstreue werden nach ge­rade zu Phrasen, die dem sich selbst prüfenden und unparteiisch um sich schauenden Schulmanne selbst ein Lächeln abnöthi- geii. Wenn man aber gar, was auch nicht selten geschieht, aus dem Umstand, daß diesen Männern von den Eltern «Hr Theuerstes, die Kinder, anverrraut sei, den Schluß zieh» inogte, daß solches um jener viel genannten Tugenden willen geschehn sein müsse, so liegt mehr als Selbsttäuschung vor. Aber man beruft sich auf tu" Stellung der Prediger, bei denen man doch auch keine Localinspection für nöthig erachtet habe Schlimm genug, daß die Prediger bis da­hin in einem solchem Grade unabhängig standen; gar manche Gemeinde hat über einen Pfarrer vergeblich zu seufzen, von welchem man zu sagen pflegt, Gott habe ihn im Zorne zum Pfarrer gemacht. Darum aber eben geht man ja jetzt allgemein darauf hinaus, in wohlgeordneten Presbyterien und deren Deputationen zur Synode den Pfarrern eine Localinspection zur Seite zu seyen. Sollen nun die Pfarrer, deren durchgängig gründlichere Bildung von den auf Seminarien gebildeten Volks - Schullehrern nun einmal nicht bestritten werden kann, und welche ge­wöhnlich erst nach' ihrem dreißigsten Lebensjahre zu einer Stelle gelangen, sollen sie einer Local -Inspektion bedürftig sein, und nicht auch die Volkö-Schullehrer, die nicht selten ein Schulamt zu versehn haben, in einem Alter, in wel­chem der der Theologie sich Widmende noch auf den Bänken des Gvmnasiums saß? Im Interesse der Kirche sind Local-Presbyterien nöthig, im Interesse der Schulen Local- Schulinspectionen. Aber auch das eigne Interesse des Volks-Schullehrers for­dert solche; wehe ihm, wenn die Aufsicht, die Hülfe und der Beirath deS Pfarrers gänzlich abgewiesen ist! dann werden die Eltern der Schüler eine Local - Inspektion zur Hand nehmen, gegen deren Uebergriffe sich zu sichern dem betreffenden Lehrer weit schwieriger werden wird, als dieß bei den Uebergriffe» der Pfarrer der Fall ist. — Das aber ist allerdings zuzugeben, daß die andere Frage: Wie soll die Local-Schulinspection gestattet sein? einer weiteren gründliche» Untersuchung bedarf. Es muß

bei derselben aber gleichmäßig Rücksicht genommen werden: einerseits auf die Bildung, die Standeswürde und das Frei- heitsbedürfniß des Lehrers, anderseits auf den möglichen Fall, daß der Lehrer einer Volksschule an Kenntnissen, an allgemeiner Bildung, an Moralität solche Mängel habe, unter deren ungehemmtem Einfluß die Schule Schaden lei­det. Vielleicht mögten dem Ortspfarrer noch einige Ge- meindeglieder zur Schulinspeetion beizugeben sein, besonders in dem Falle, wenn derselbe nicht selbst früher Lehrer (Rector) an einer Volksschule gewesen ist Berichte und Zeugnisse über den Lehrer müssen aber jedenfalls demselben zur Kenntnißnahme vorgezeigt werden. — Einsender dieses glaubt durch seine gedoppelte Stellung als Rector einer Bürgerschule und als außerordentlicher Pfarrer vor Be­fangenheit und Parteilichkeit in der bewegten Frage behütet zu sein und rechnet auf besonnene Ueberlegung des hier Beigebrachten. Entgegnungen werden ihm sehr erwünscht sein, aber nur solche, die sich von den Gemeinplätzen so vieler literarischer Schulhelden fern halten und die in der Wirklichkeit vorhandenen Verhältnisse nicht ignoriren. Denn hier gilt's nicht, die Schmetterlinge einer selbstgefälligen Phantasie zu sahen, sondern mit dem Verstände am rech­ten Orte zu schneiden, am rechten zu verbinden.

R. Br.

Lehrcrbedriickungeu.

Während protestantische Geistliche zur Ehre ihrer christ­lichen Gesinnung bei den für die Volksschule angestrebten Reformen, die übrigens in Zeit, Lage und Tendenz voll­kommen ihre Rechtfertigung finden, sich fast durchweg neu­tral oder in den Grenzen angemessener Mäßigung halten, hören wir vielseitig Klage führen über Bedrückungen katho­lischer Schullehrer durch Geistliche ihrer Eonsession. Ver­dächtigungen, als gehe das Streben derselben — „verführt von versteckten Feinden der christlich religiösen Erziehung" (!!) — auf nichts weniger hin, als Untergrabung des Christenthums, lesen wir fast in jeder katholischen Zeit­schrift, so daß es kein Wunder ist, wenn der gemeine Mann, unbekannt mit Dem, worauf es bei solchen Deklamationen abgesehen ist, und zu beauem, um selbstständig zu prüfen, gegen die Lehrer und ihre gerechten Bestrebungen, die er für antikatholisch hält, eingenommen wird und sich zu Er- cefsen verleiten läßt, wie wir sie in der Letztzeit vielfach gegen katholische Lehrer erlebt haben. Wegen des aus der unnatürlichen Verbindung hervorgegangenen aniniosen Ver­hältnisses zwischen Geistlichen und Lehrern ist ein solcher, wohl an's Glauben aber nicht an's Prüfen gewöhnte Mann ohnehin geneigt, über letzteren den Stab zu brechen^ wobei das Vorurtheil von der Jnfallibilität der katholischen Geist­lichen eine heillose Bestechung übt. Die harmlosen Schul- synodeü, die sich wohl durch nichts als das in ihnen herr­schende schöne frische Leben von den langbestandenen Schul- konferenzen unterscheiden, sind Gegenstand geworden, den armen, von Nahrungssorgen und der Amtsbürde ohnehin niedergebcugte» Lehrer die ganze Wucht dictatorischer Strenge des geistlichen Vorgesetzten neuerdingS fühlen zu lassen.